Landeskunde leicht zu lesen: Wien, Wien, nur du allein!


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Ein paar Bemerkungen zum Wiener Lebensgefühl

Der Wiener Walzer. Der Wiener Kongress. Die Wiener Klassik. Der Wiener Jugendstil. Das Wiener Kaffeehaus. Die Wiener Philharmoniker. Die Wiener Sängerknaben. Das Wiener Schnitzel. Sehen Sie? Wien kennt man, auch wenn man noch nie dort war!

Wien. Hauptstadt Österreichs. Stadt der Habsburger Kaiser. Stadt des Burgtheaters, der spanischen Hofreitschule und ihrer berühmten Lipizzaner-Pferde. Haydn, Mozart, Beethoven und Schubert. Das Hotel Sacher, das Schloss Schönbrunn, das Hundertwasser-Haus ... all dies und noch mehr finden Sie in jedem Reiseführer. Lernt man Wien kennen, wenn man diese Daten und Fakten weiß?

Nein, Wien ist mehr als eine große und berühmte Stadt mit einer langen Geschichte. Wien ist ein Gefühl, das sich nur schwer beschreiben lässt. Machen wir einen Versuch, gehen wir in den Prater! Das ist ein Park, in dem das ganze Jahr über ein großes Volksfest stattfindet. Schon von weitem bemerken wir das weltbekannte Riesenrad. Wir kaufen eine Karte, steigen ein und fahren 60 Meter in den Himmel hinauf.

Was für ein Blick! Wir sehen das Wahrzeichen der Stadt, den Stephansdom, den die 1,7 Millionen Wiener liebevoll "Steffel" nennen. Weiter im Westen wird die Landschaft hügelig. Dort beginnt der Wiener Wald, ein Mittelgebirge, in dem man herrlich wandern kann. Im Osten fließt die "schöne blaue Donau", wie es im Titel eines bekannten Walzers von Johann Strauß heißt. Uns stört kein bisschen, dass der zweitlängste Fluss Europas gar nicht blau ist, sondern - je nach Jahreszeit - grün, gelb, braun oder grau.

Oh, wie schade! Die Fahrt ist schon zu Ende. Wissen wir jetzt mehr über Wien? Ja. Aber nicht, weil wir die Stadt von oben gesehen haben. Das Geheimnis liegt im Riesenrad selbst: Der schnelle Wechsel zwischen "hoch hinauf" und "tief hinunter" sagt viel über das Wiener Lebensgefühl. Da ist auf der einen Seite die große Lust am Leben. Der Wein, das gemütliche Zusammensein, die Schrammelmusik, die sentimentalen Lieder:

Sehen Sie! So fährt das Riesenrad zum höchsten Punkt der Seligkeit hinauf. Und dann? Dann geht es auf der anderen Seite wieder hinunter! Jetzt kommt der Zweifel am Sinn des Lebens, jetzt kommt der schwarze Humor, jetzt kommt das Makabre. Der Kabarettist Georg Kreisler lässt in seinem Lied "Am Totenbett" einen sterbenden Wiener ganz anders über den Tod singen:

Damit die Wiener den Tod nicht vergessen, gibt es den gigantischen "Zentralfriedhof". Dort liegen auf 2,4 km2 Fläche mehr als drei Millionen ehemalige Bürger der Stadt. Und wer sich noch genauer mit dem Thema beschäftigen möchte, geht ins "Bestattungsmuseum" und lässt sich die Geschichte des Todes in Wien erzählen. Na, wundert sich jetzt noch jemand darüber, dass Sigmund Freud die Psychoanalyse gerade in dieser Stadt entwickelt hat?

Woher kommt dieses ständige "Hin-und-her", dieses "Auf-und-ab" der Gefühle? Dafür gibt es viele Erklärungen. Ein ganz wichtiger Grund: Wien liegt gleich an mehreren kulturellen Grenzen. Hier treffen Ost- und Westeuropa aufeinander. Hier endet Mitteleuropa und der Balkan beginnt. Schauen Sie mal in das Wiener Telefonbuch! Dort finden Sie - neben deutsch klingenden - jede Menge andere Familiennamen: slawische, ungarische, türkische und italienische. Viele Kulturen begegnen sich.

Das bringt einerseits immer wieder Probleme. Andererseits aber auch bunte Vielfalt und Bewegung. Und es schafft die Sehnsucht nach dem einen, idealen Wien, das man aber wohl nur beim Wein, in sentimentalen Liedern und in Reiseführern findet.



Viele Informationen zur Stadt Wien finden Sie unter: www.wien.gv.at/

Hier können Sie mehr über das Wiener Bestattungsmuseum erfahren: http://www.bestattungwien.at/

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elka: 08.02.2012 07:20:07