Sprachen überwinden Grenzen

Es gibt auch andere Kurzformen für ‚Elisabeth’: ‚Lissi’ und ‚Lisa’ und ‚Betti’ und so weiter. Aber seien Sie mal ehrlich, klingt ‚Sissi’ nicht viel, viel süßer? Und jetzt stellen Sie sich vor: Wir haben sogar zwei davon! Zwei süße Sissis! Und beide sind auch noch weltberühmt!


© Presseamt der Niederösterreichischen Landesregierung, Wien

Die erste Sissi ist eine wunderschöne bayerische Prinzessin. Im Jahr 1854 heiratet sie den Kaiser von Österreich. Sie erinnern sich? Franz Joseph I. von Habsburg – der mit dem schicken Bart – ist damals einer der mächtigsten Männer der Welt.

Die zweite Sissi ist eine junge österreichische Schauspielerin und heißt eigentlich Rosemarie Magdalena Albach. Ihr Künstlername: ‚Romy Schneider’. Zwischen 1955 und 1957 spielt sie in drei Kinofilmen* die Kaiserin Elisabeth. Die Filme sind ein großer Erfolg und bald ist ganz Europa im ‚Sissi-Fieber’.

1957: Romy
© defd pwe-Verlag GmbH

Vor allem in Deutschland und Österreich wird Romy Schneider nun zum Superstar. Die Menschen freuen sich. Ein Jahrzehnt nach der dunklen Zeit des Nationalsozialismus und des Krieges können sie der Welt endlich wieder etwas Wunderbares, Helles, Positives zeigen. Seht her! Ist sie nicht schön, ‚unsere’ Sissi? Ist sie nicht jung und rein und unschuldig?

Aber die Schauspielerin ist nicht glücklich mit ihrem Erfolg. Schnell muss sie lernen, dass sich die meisten Leute nicht für sie und ihr künstlerisches Talent interessieren. Sie sehen in ihr nur das Idol, die berühmte schöne Kaiserin. Wenn sie jetzt nicht aufpasst, muss sie ihr ganzes Leben lang Sissi bleiben.

1958 lernt Romy Schneider den französischen Schauspieler Alain Delon kennen und geht mit ihm nach Frankreich. Die ‚Sissi-Zeit’ ist zu Ende. Viele ihrer Fans in Deutschland und Österreich sind sehr enttäuscht. Aber Romy möchte nicht mehr ihr süßes Mädel sein.

Romy Schneider
© picture-alliance / dpa

Bis zu ihrem frühen Tod arbeitet sie mit vielen weltberühmten Schauspielern und Regisseuren zusammen. Sie wird zu einem der wenigen ganz großen Kinostars aus dem deutschsprachigen Raum, vergleichbar vielleicht nur mit Marlene Dietrich.

In ihrem Privatleben geht es Romy Schneider wie der Kaiserin Sissi: sie sucht das Glück, aber sie findet es nicht. Sie hat oft schwere Depressionen, nimmt Tabletten, trinkt Alkohol. Sie wird schwer krank, verliert ihren Sohn durch einen Unfall und stirbt selbst mit nur 43 Jahren. Sissi, Marilyn, Romy, Lady Diana … tja, es ist wohl wirklich ziemlich schwer, ein süßes Mädel und ein Idol zu sein.

(Autor: Franz Specht)

*„Sissi“ (1955), „Sissi – Die junge Kaiserin“ (1956), „Sissi – Schicksalsjahre einer Kaiserin“ (1957). Regie: Franz Marischka.

Kurzbiografie Romy Schneider:

1938 Romy wird in Wien geboren, beide Eltern sind Schauspieler.
ab 1953 Sie hat erste Rollen beim Film.
1955 bis 57 Sie hat großen Erfolg mit den drei 'Sissi'-Filmen.
1958 Sie geht zu Alain Delon nach Frankreich.
1958 bis 1982 Sie lebt vor allem in und um Paris. Sie heiratet zweimal und lässt sich zweimal scheiden. In Theaterstücken und 60 Filmen arbeitet sie mit weltberühmten Kollegen zusammen, darunter Orson Welles, Luchino Visconti, Claude Sautet, Marcello Mastroianni, Yves Montand und Michel Piccoli. Sie bekommt viele große Preise und Auszeichnungen, darunter den „César“ und das „Filmband in Gold“.
1966 Ihr Sohn David wird geboren.
1977 Ihre Tochter Sarah Magdalena wird geboren.
1981 Ihr Sohn David stirbt bei einem Unfall.
1982 Mit 43 Jahren stirbt sie in Paris an einem Herzversagen.

Zu Franz Joseph und Sissi finden Sie weitere Informationen im Lehrwerkservice zu Tangram aktuell:

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Wichtige Ereignisse 1957:


Text zum Ausdrucken:
PDF 1957: 'Unsere' süßen Mädels (PDF-Datei, 267 KB)

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