Sprachen überwinden Grenzen
Mordserfolg
©WDR / ARD
1970
Am 26. November sendet die ARD den ersten von bisher 500 "Tatort"-Krimis

Im November 1970 startete eine der größten Erfolgsgeschichten des deutschsprachigen Fernsehens ... sehen Sie, dieser Text hat noch gar nicht richtig begonnen und schon sind wir bei den Superlativen. Man kann eben nicht über den TATORT schreiben, ohne von Rekorden zu berichten: Seit 35 Jahren gibt es sie nun, die beliebteste deutsche TV-Krimireihe. Fast 600 Folgen hat das Erste Deutsche Fernsehen (ARD) schon gezeigt, das sind zusammen mehr als 50.000 Sendeminuten. Würde man sich fünf Tage pro Woche jeweils acht Stunden vor den Fernseher setzen, müsste man fünf Monate lang TATORT gucken, bis man alle Folgen gesehen hätte. Ist das nicht unglaublich?

©WDR/Bavaria
rechts: Horst Schimanski (Götz George) im Tatort "Medizinmänner"

Wenn am Sonntagabend um 20 Uhr 15 die neueste Folge beginnt, schalten wieder Millionen Zuschauer "das Erste" ein. Sie wollen, zusammen mit dem Kommissar oder der Kommissarin, den Tatort sehen, an dem meist ein Mord geschehen ist. Sie wollen herausfinden, wer der Täter ist und warum er getötet hat. Wie? Sie finden, das klingt nicht gerade originell? Tja, was macht gerade den TATORT so attraktiv für das deutsche Fernsehpublikum? Darauf gibt es mehr als nur eine Antwort.

Fangen wir damit an, dass fast jede deutsche Region ihre eigenen TATORT-Folgen produziert. Das ist wichtig, denn unser Land und unsere Kultur sind von Region zu Region, von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich . Einen TATORT aus Köln muss man sich anders vorstellen als einen aus München, Berlin, Dresden oder Kiel.

©NDR/Christine Schröder
Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) im Tatort "Märchenwald"

Dann gibt es auch große Unterschiede bei den Hauptpersonen im TATORT. Der solide Schwabe Ernst Bienzle aus Stuttgart hat eine völlig andere Persönlichkeit als der anarchische Horst Schimanski aus dem Ruhrgebiet oder die kühle Charlotte Lindholm aus Niedersachsen. Bei über 70 verschiedenen Kommissaren und Ermittlerteams konnte im Lauf der Jahre jeder Zuschauer seine Lieblingstypen finden.

Ein weiteres großes Plus des TATORT ist seine Fähigkeit, mit der Zeit zu gehen und dabei trotzdem er selbst zu bleiben. Seit 1970 hat sich in unserem Land viel verändert, denken Sie nur an die Wiedervereinigung von 1989. Die Sendereihe hat all die großen und kleinen Entwicklungen mitgemacht, dabei aber nie ihr eigenes Gesicht, ihren eigenen Charakter verloren. Einen TATORT erkennt man sofort, egal aus welchem Jahrzehnt er kommt.

©WDR/Jens van Zoest
Die Ermittler Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) aus Köln, hier in "Tatort Köln".

Wegen seiner großen Beliebtheit ist TATORT inzwischen der Fernsehkrimi, über den bei uns am meisten diskutiert, geschrieben und geforscht wird. Über keine andere deutschsprachige TV-Krimireihe findet man so viele Informationen in Zeitschriften, Büchern und im Internet und ... HALT! Nun reicht's wieder mit Superlativen, finden Sie nicht auch?

(Autor: Franz Specht)

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Text zum Ausdrucken:
PDF 1970: Mordserfolg (PDF-Datei, 190 KB)

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