Das ‚Rütli’ ist ein kleines Stückchen Land am Ufer des Vierwaldstätter Sees. Seinen Namen hat es von dem alten deutschen Verb ‚roden’ – das bedeutet: Bäume und Wurzeln entfernen und so die Stelle frei machen für die Landwirtschaft.
Für die Schweizer ist das Rütli viel mehr als nur ein freier Platz, für sie ist es ein symbolischer Ort ihrer nationalen Freiheit. Um das zu verstehen, müssen wir über 700 Jahre in die Vergangenheit zurückgehen.
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– Wir haben diesen Boden uns erschaffen
Durch unsrer Hände Fleiß, den alten Wald,
Der sonst der Bären wilde Wohnung war,
Zu einem Sitz für Menschen umgewandelt, ...
Aus dem Theaterstück „Wilhelm Tell“ von Friedrich Schiller (entstanden 1802-04)
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In der Nacht des 1. August 1291 ist es auf dem Rütli nicht so still wie in anderen Nächten. Viele Männer aus den Tälern der Umgebung sind heute hier, unter ihnen Werner Stauffacher aus Schwyz, Walter Fürst aus Uri und Arnold von Melchtal aus Unterwalden. Sie sprechen miteinander über die schlimme politische Situation. Die einheimische Bevölkerung leidet nämlich sehr unter der brutalen Fremdherrschaft durch die Habsburger.
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„Der Rütlischwur 1291“ Gemälde von Jean Renggli dem Älteren (entstanden 1891)
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Am Ende der Diskussion sind die Männer aus den drei ‚Waldstätten’ einer Meinung. So wie bisher kann und darf es nicht mehr weitergehen. Es kommt zum feierlichen Schwur. Alle heben die rechte Hand und versprechen: Wir sind ein Volk, wir gehören zusammen. Wir wollen entweder alle frei sein oder gemeinsam sterben.
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– Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern,
In keiner Not uns trennen und Gefahr.
(Alle sprechen es nach mit erhobenen drei Fingern.)
– Wir wollen frei sein, wie die Väter waren,
Eher den Tod, als in der Knechtschaft leben.
(Wie oben.)
– Wir wollen trauen auf den höchsten Gott
Und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen.
(Wie oben. Die Landleute umarmen einander)
„Aus dem Theaterstück „Wilhelm Tell“ von Friedrich Schiller (entstanden 1802-04)
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Die Geschichte vom Schwur auf dem Rütli ist wohl nur eine Sage. Aber sie hat eine reale Basis: verschiedene Orte und Kantone haben damals wirklich gemeinsam gegen ihre Feinde gekämpft. Der berühmte ‚Bundesbrief’ ist dafür nur ein Beispiel. Mit diesem Dokument schwören drei Kantone gegenseitige Hilfe.
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Bundesbrief 1291 © Bundesbriefmuseum Schwyz/Amt für Kulturpflege
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Ach ja, die Kantone heißen Uri, Schwyz und Unterwalden und das Datum unter dem Bundesbrief lautet: „1291 zu Anfang des Monats August“. So ein Zufall, was? Die ‚Eidgenossen’ sind übrigens sehr erfolgreich. Im 14. Jahrhundert können sie die Macht der Habsburger entscheidend schwächen. Aus den drei Urkantonen entsteht der erste Anfang der späteren Schweizer Nation, die man deshalb auch die ‚Eidgenossenschaft’ nennt.
(Autor: Franz Specht)
Mehr zum Thema:
Wichtige Ereignisse 1991:
Text zum Ausdrucken:
1991: „Ein einzig Volk von Brüdern“ - 700 Jahre Rütlischwur (PDF-Datei, 166 KB)
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