Übungen

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Tätigkeiten und Arbeitsformen, die nach Einführung oder Erarbeitung eines (Teil-) Lernstoffes gleich welchen Kompetenz- und Fertigkeitenbereichs in vorgegebener Form mit festgelegtem Lösungsweg und nur einer Lösung zur Festigung und automatischen Verfügbarkeit des (Teil-)Lernstoffes führen, sind Übungen.

Ziele

Ihr Ziel ist es, die korrekte Anwendung und rasche Verfügbarkeit des sprachlichen Lernstoffes zu erreichen und dessen Anwendung in anderen Zusammenhängen vorzubereiten. Meist sind Übungen auf formalsprachliche Inhalte ausgerichtet – Grammatik, Wortschatz – kommunikativer Bezug fehlt oder wird nur im künstlich hergestelltem Rahmen (“Scheindialoge”) geboten, der keineswegs den persönlichen Mitteilungswünschen der Lernenden in der zu erlernenden Zielsprache entspricht. So sollten im Unterricht nicht ausgedehnte formale Übungsreihen vorherrschen – so wichtig und nützlich sie für die Vorbereitung der Sprachverwendung auch sind – sondern kommunikative, mitteilungs- und fertigkeitsbezogene Aufgaben sie rasch ergänzen oder ablösen. Der Übergang von der formalen Übung zur Aufgabe ist oft fließend und wird durch Variation erreicht. An der folgenden, willkürlich aus einem Lehrwerk herausgegriffenen Übung, einer auf formale Grammatik ausgerichtete Partnerübung, soll dies gezeigt werden:

Partner 1 Partner 2
wollen mögen
________ du heute ausgehen? Nein, ich ________ fernsehen.
________ Peter auch fernsehen? Nein, er ________ ausgehen.
Was ________ Sie heute machen? Ich ________ noch arbeiten. usw.

(aus: Hieber, Wolfgang: Lernziel Deutsch. Deutsch als Fremdsprache. Grundstufe 1, Ismaning 1983, Reihe 6, S. 83)

Variationen

So nützlich es sicher ist, die Formen der Modalverben einzuüben, so wenig mitteilungsbezogen ist diese Partnerübung. Sie ließe sich zunächst in folgender Art variieren:

Lehrende/r Partner 1 Partner 2 Partner 3 etc.
Was wollen Sie heute machen? Ich möchte _______      
Und was wollen Sie machen?   Ich möchte (nicht) _____    
Wollen Sie das auch?     Ich? Ich ________  
Ich habe nicht gut verstanden,        
Was will sie/er machen?
(hinweis auf PartnerIn 3)
Sie/er möchte ...      

Diese Variation kann sehr schnell von den Lernenden allein weitergeführt werden und mündet in einer Aufgabe, bei der die Partner sie interessierende Fragen stellen und entsprechende Antworten geben:

Was wollen Sie heute Abend machen?
Wollen Sie nicht mit mir ausgehen?
Ich möchte fernsehen.
Nein, ich möchte doch lieber zu Haus bleiben, da ist ein Fußballspiel ...
Aber, wollen Sie nicht morgen zu mir kommen?
Danke gern, doch leider geht das morgen nicht, denn ich will mit meiner Frau ins Theater.  
  Was wollen Sie sich denn ansehen?
Das Musical Cats.  
  O, das möchte ich auch gern sehen.
usw.

(Aus einer Aufzeichung eines Partnergesprächs nach Durchnahme der o.a. Übung, wobei die Aufgabe darin bestand, aus den beiden vorgegebenen ersten Sätzen eine Unterhaltung zu entwickeln.)

Die Variation zeigt Lernenden erste Möglichkeiten zur persönlichen Äußerung in einem vorgegebenen Rahmen und motiviert zum ”Wagnis” der Verwendung bislang gelernter Sprachelemente und der freien, persönlichen Mitteilung.

Übungstypen

Die Variation von Übungen allein reicht nicht aus, die angesprochenen Lernziele zu erreichen, sondern die konsequente Anwendung unterschiedlicher Übungen. Dazu ist eine Übungstypologie hilfreich, die durch vielfältige Übungsformen motiviert.

Der Übungsablauf sollte zunächst mit Übungen beginnen, die das repetitive Verstehen entwickeln und überprüfen und danach dann die Reproduktion des Sprachmaterials festigen. Im nächster Schritt folgen Übungen, die reproduktiv-produktiv Sprachverwendung fördern, die anschließend in einer weiteren Übungsstufe zur produktiven, d.h. freien Äußerung führt. In all diesen Stufen ist partnerschaftliches Lernen als Vorbereitung kommunikativen Verhaltens nicht außer Acht zu lassen. Auch sollten unter Einbezug bereits vorhandenen Lernverhaltens und der schon erworbenen Lerntechniken der Lernenden weitere (neue) Lern- und Arbeitstechniken vermittelt werden.

Siehe auch

Lerntechniken

Weblinks

Lerntechniken und Tipps

Bibliographie

Bolte, Henning: ”Geheime Wahl” im Unterricht. Kommunikative Handlungsrahmen für Grammatikübungen. In: Fremdsprache Deutsch 8, 1993, S. 10–19.
Fisscher, Sylvia: Was hat Motarrdfahren mit Deutsch lernen zu tun? In: GFL – German as a foreign language, 2003,1, S.106-121.
Funk, Hermann / König, Michael: Grammatik lehren und lernen. Berlin u.a. 1996.
Fremdsprache Deutsch, Sondernummer: Autonomes Lernen, 1996.
Götze, Barbara: Üben. In: Keck, R. / Sandfuchs, U. (Hrsg.): Wörterbuch Schulpädagogik. Ein Nachschlagewerk für Studium und Schulpraxis. Bad Heilbrunn, S. 336–337.
Häussermann, Ulrich / Piepho, Hans-Eberhard: Aufgaben-Handbuch Deutsch als Fremdsprache. Abriss einer Aufgaben- und Übungstypologie. München 1996.
Neuner, Gerhard / Krüger, Michael / Grewer, Ulrich: Übungstypologie zum kommunikativen Deutschunterricht.
Neuner, Gerhard: Aufgaben und Übungsgeschehen im Deutschunterricht. In: Fremdsprache Deutsch 10, 1994, S. 6–13.
Schwerdtfeger, Inge Christine: Arbeits- und Übungsformen: Ein Überblick. In: Bausch, Karl-Richard et al. (Hrsg.): Handbuch Fremdsprachenunterricht. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage, Tübingen und Basel 1995, S. 223–260.
Segermann, Krista: Typologie des fremdsprachlichen Übens. 2. Auflage, Bochum 1994.