Arbeitsblatt, Arbeitsblätter

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Arbeitsblätter sind didaktisch strukturierte Hilfsmittel. Sie ergänzen, aber ersetzen nicht das Lehrbuch. Sie enthalten einen Arbeitsauftrag, der mündlich oder schriftlich zu lösen ist; dazu gehören Vorgaben für den Arbeitsweg.

Lernen mit Arbeitsblättern

Partnerschaftliches Arbeiten und Lernen überwiegt, selbstständiges Lernen wird gefördert.

Gefahren: Oft sind Arbeitsblätter nur Kopien von Text- oder anderen Vorlagen ohne Strukturierung des Arbeitsweges, häufig sind sie durch mangelhafte Gestaltung und fehlenden Lernstufenbezug kaum brauchbar. Bei übermäßiger Verwendung von A. besteht die Gefahr, dass die Beziehung zum eigentlichen Unterrichtsstoff und -material verloren geht, sodass kein schlüssiger Ablauf der Unterrichtsinhalte mehr gegeben ist (“Verzettelung”). Dadurch können Lernende Inhalte der A. kaum dem Lernstoff des Lehrbuchs zuordnen, Wiederholungsmöglichkeiten sind nicht vorhanden.

Kommerzielle A. genügen evtl. den Qualitätsansprüchen, können aber häufig nicht die individuelle Situation einer Lernergruppe berücksichtigen.

Durch A. kann in der Vorbereitungs- oder Einführungsphase zu einem Thema das Problembewusstsein geweckt, im Verlauf des Unterrichts der Stoff vertieft, wiederholt und (zusätzlich zum Lehrwerk) geübt und schließlich als Hausaufgabe bearbeitet werden. Auch sind A. als Lernfortschrittskontrolle (Test) verwendbar.

Gestaltung von Arbeitsblättern

Wichtige Kriterien für die Gestaltung von Arbeitsblättern sind:

  1. eindeutige Zuordnung und Identifizierbarkeit durch klare Angaben über Fach (hier DaF), Stufe oder Klasse (z.B. A2), Inhalt oder Unterrichtseinheit, ggf. Lehrwerksbezug, Quellenangaben bei Texten (Copyright beachten!),
  2. klarer und übersichtlicher Aufbau, gute Lesbarkeit,
  3. Konzentration auf einen Inhalt, ein Thema,
  4. abwechslungsreiche Gestaltung, ggf. Verdeutlichung oder Ergänzung durch Grafiken, Illustrationen,
  5. kurze und konkrete Arbeitsaufträge mit klarer Angabe der Abfolge der Arbeitsschritte,
  6. wenn nötig und möglich, Angaben zu Hilfsmitteln.

A. können sehr einfache Arbeitsanweisungen und -aufträge enthalten (Beispiel 1), komplexere Aufgaben stellen und deren Lösungen fordern (Beispiel 2) oder Informationen, Aussagen oder Fakten zu einem Thema, Problem etc. darstellen und dazu Arbeitsaufgaben liefern, die sowohl in das Thema, Problem etc. einführen als auch Neugier auf weitere Information(en) wecken und zur weiteren Beschäftigung anregen (Beispiel 3).


Beispiel 1: Zeitliche Verknüpfung (Wiederholung von Reflexivverben)

Fach: DaF
Niveau/Lernjahr: Anfänger, A2
Thema/Aufgabe: Tagesablauf; gelenkte Beschreibung
Inhalt: Zeitliche Verknüpfung (Wiederholung von Reflexivverben)

Beschreiben Sie Ihren Tagesablauf anhand der Bilder.


Arbeitsblatt bsp1.jpg


Beispiel 2: Umformung Relativsätze/erweiterte Relativsätze in Partizipialattribute, Auflösung von Partizipialattributen

Fach: DaF
Niveau/Lernjahr: Fortgeschrittene, B1
Thema/Aufgabe: Wiederholung Partizipialattribute
Inhalt: Umformung Relativsätze/erweiterte Relativsätze in Partizipialattribute, Auflösung von Partizipialattributen

Formen Sie die kursiv gedruckten Relativsätze in Partizipialattribute um.

  1. Der 17-jährige Schüler, der angeklagt war, bereute seinen Versuch, ein Auto zu knacken.
  2. Die Eltern, die sehr überrascht waren, fanden keine Erklärung für sein Verhalten.
  3. Das Gutachten, das vorgetragen wurde, trug wesentlich zu einer milderen Strafe bei.
  4. Die Strafe, die verhängt wurde, nahm der 17-Jährige sofort an.

Nun ein Auszug aus dem Gutachten der Psychologin, das sehr viele Partizipialattribute enthält, die Sie zur besseren Verständlichkeit des Textes auflösen sollen.

... Zu dem hier verhandelten Fall lässt sich weiter anführen:
Dieses über das normale Maß eines Streichs hinausgehende Verhalten des bislang nicht straffällig gewordenen Jugendlichen lässt auf eine bislang verborgen gebliebene, von der Umwelt, insbesonders von den jetzt besonders von der Tat ihres Sohnes überraschten Eltern nicht erkannte, seelische Not schließen. Hier sind die Eltern gefordert, sich mit ihrem Sohn zu einem die Ursachen ergründenden Gespräch zusammenzusetzen ...


Beispiel 3: Assoziation, Diskussion, Beschreibung

Fach: DaF
Niveau/Lernjahr: B2
Thema/Aufgabe: Lebensform Familie und deren Veränderungen
Inhalt: Assoziation, Diskussion, Beschreibung

1. Tragen Sie in das Assoziogramm ein, was Ihnen zum Begriff FAMILIE einfällt. Vergleichen Sie es dann mit dem Ihrer Nachbarin/Ihres Nachbarn.

Arbeitsblatt bsp3a.jpg


Arbeitsblatt bsp3b.jpg

2. Was denken Sie, wenn Sie die Briefmarke sehen, die von der Post herausgegeben wurde?
Ich denke, dass _____________________________________________________________


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3. Vergleichen Sie Ihre Gedanken mit den folgenden Äußerungen, die beim Erscheinen der Marke gemacht wurden. Nehmen Sie dann Stellung zu den Aussagen.
a. Ganz hübsch, aber da fehlt doch was?
b. Vater mit zwei Kindern – wo ist die Mutter?
c. Natürlich: der Vater dominiert, die Mutter mit Schleifchen im Haar nur Randfigur! So was kann nur ein Mann machen!
d. Alleinerziehende Mutter – soll das die Familie der Zukunft sein? Wo bleibt da der Vater?
e. Kinder und kein Mann – typisch Emanze!

Mit der Briefmarke Familie schafft Zukunft soll der Öffentlichkeit bewusster gemacht werden, welche Bedeutung die Familie für das Fortbestehen und das Zusammenleben in unserer Gesellschaft hat und es soll zu einem familienfreundlicheren Klima beigetragen werden. Ehe und Familie dürfen gegenüber anderen Formen der Lebensgestaltung nicht benachteiligt werden.

a. Glauben Sie, dass die Briefmarke die genannten Ziele erreicht hat?
b. Welche Informationen können Sie ”zwischen den Zeilen” dieses Text über Ehe, Familie, Kinder und Zusammenleben in Deutschland lesen?

4. Bereiten Sie zusammen mit Ihrer Nachbarin/Ihrem Nachbarn anhand der folgenden Abbildung einen Bericht über die neuen Lebensformen vor.
Dabei soll jeder von Ihnen über zwei Teilbereiche berichten.

Arbeitsblatt bsp3c.jpg

(nach FOCUS 7/1993, S. 98; aktualisiert 2007)


5. Bereiten Sie (ggf. in Gruppen) einen Bericht zum Thema Familie in Ihrem Heimatland vor.

6. Zur Lektüre empfohlen: Renate Luscher: Landeskunde Deutschland, Von der Wende bis heute, Verlag für Deutsch Renate Luscher, München 2007.


Weblinks

Unterrichtsmaterial & Arbeitsblätter
Arbeitsblätter und Lernprogramme für die Grundschule
Arbeitsblätter Grundschule

Bibliographie

Arendt, Manfred: Aktives Sprachenlernen durch den Einsatz erprobter Unterrichtsverfahren (2). Das Verfahren Simulation. In: Fremdsprachenunterricht, 47(56), 2003,2, S. 88-101.
Bimmel, Peter/Rampillon, Ute: Lernerautonomie und Lernstrategien. Fernstudieneinheit23.München, Berlin, 2000.
Czarnetzki, Burkhard: Typisch Deutsch. Ein Unterrichtsprojekt.In: Deutsch als Zweitsprache, 2003,1, S.43-47.
Cros, Rotraud: Ich mache Obstsalat. Unterrichtsvorschlag zum handlungsorientierten Lernen von Deutsch als Fremdsprache im Primarbereich. In: Primar 1/1992/1, S. 20–23.
Didaktik-Arbeitsgruppe am Goethe-Institut Bordeaux: Richtig kombiniert, Dr. Watson oder: Der Lernende als Detektiv. Zur Arbeit mit (Kriminal-)Hörspielen im Fremdsprachenunterricht. In: Fremdsprache Deutsch, 1992, 7, S. 44–48.
Döring, Klaus W.: Lehren in der Weiterbildung. Ein Dozentenleitfaden. Neuausgabe, Weinheim 1988, S. 227 ff.
Enter, Hans: Einstiegsquiz zum Thema „Krimi“ im Femdsprachenunterricht. In: Fremdsprachenunterricht, 47 (56), 2003, 4, S.260-261.
Hauser, Johannes: „Gestern dort – heute fort“. In: Deutsch als Zweitsprache. 2002,4, S. 43-47.
Hyvärinen, Irma: Kommunikative Routineformeln im finnischen DaF-Unterricht. In: Info DaF, 30,2003,4, S.335-351. Keller, Annnette: „Machts nichts, wir haben viel gelernt!“ Die Zukunft Europas – ein Multimedia-Projekt. In: Fremdsprache Deutsch, 2003,28, S.22-25.
Müller-Harter, Manfred: Zur Praxis des Stationenlernens. In: Primar, 11, 2002, 32, S. 4-15.
Polleti, Axel: Sinnvoll Grammatik üben. In: Der fremdsprachliche Unterricht Französisch, 37,2003,62, S.4-13.
Szablewski-Çavus, Petra: Extrablatt: Neu-Deutsch, denglisch und so weiter. In: Deutsch als Zweitsprache 2002/2, S.48.
Zylinska, Marzena: Das Bilddes Mannes in der Werbung. Ein interkulturelles E-Mail-Projekt im Deutschunterricht. In: Fremdsprache Deutsch, 2003,29, S. 37-45.