Audio-Immersion

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Verfahren zur Verbesserung und Steigerung des Hörverstehens in der Zielsprache durch wiederholtes Hören von Texten in dieser Sprache.

Verstehensschwierigkeiten

Audio-Immersion fördert durch die Intensität des Hörens das Verstehen gesprochener Sprache in Realsituationen in höherem Grad als dies normalerweise im Unterricht allein möglich ist. Die im Unterricht vermittelte Sprache dient in erster Linie der produktiven Sprachverwendung; die im Unterricht benutzten Hörtexte zu den Lektionen berücksichtigen in erster Linie dieses Unterrichtsziel. Es fehlen ihnen meist wesentliche Merkmale spontan gesprochener Sprache (z.B. unvollendete, abgebrochene Sätze, syntaktisch von der gelernten Grammatik abweichende Konstruktionen z.B. ”... dass ist, weil er hat ...”, Zögern, Pausen, Wiederholungen und Korrekturen, formelhafte Wendungen, Dialektfärbung, stärkere Emotionalität, höhere Sprechgeschwindigkeit, Veränderungen der Prosodie etc.).

Die im Unterricht häufige Fixierung auf eine Stimme (Lehrerstimme) führt oft zu zusätzlichen Schwierigkeiten beim Verstehen anderer Sprecher.

Diese Verstehens- und Verständigungsschwierigkeiten bei der ersten (oder auch nach langer Pause erfolgenden erneuten) Begegnung mit der erlernten Sprache lassen meist erst nach einer gewissen Eingewöhnungszeit nach.

Der Weg führt

  1. über das Hören von Texten mit bereits gelernten Sprachmitteln (Strukturen, Lexik, Redewendungen) in Kontexten, die zwar inhaltliche Angleichungen an die Texte des Unterrichts aufweisen, nicht aber mit ihnen identisch sind,
  2. zum Hören von authentischen Texten, die nicht mit den Texten des Unterrichts zusammenhängen und sowohl bislang unbekannte Redemittel als auch ungewohnte Artikulationsgewohnheiten enthalten.

Das bisher Gelernte wird durch die Wiederholung gefestigt und sein Wert für die Entschlüsselung neuer Texte deutlich. Dies wirkt sich positiv aus, da auch trotz unbekannten Sprachmaterials das Verstehen derartiger Texte möglich wird. Das Wiedererkennen von Bekanntem führt zu Schlüssen, die zum Verstehen des Neuen führen. Daraus ergibt sich später die Anwendung (d.h. das Verstehen des Inhalts, seine Beurteilung und das Gespräch darüber).

Das alles stellt eine nicht zu unterschätzende psychologische Verstärkung des Lernerfolgs und der Motivation dar.

Hinzu kommt das Vertrautwerden mit und das unbewusste Lernen von bislang unbekanntem Sprachmaterial, das entweder nach selbstständigem Erschließen alsbald beim Sprechen verwendet wird oder aber auf Grund von Nachfragen in folgenden Unterrichtseinheiten behandeln werden kann.

Einsatz von Audio-Immersion

A. gibt als flexibles Lernsystem bei Vorhandensein von entsprechendem Material Lernenden die Möglichkeit, zu jeder Zeit, an jedem Ort und unter Selbstbestimmung der Lerngeschwindigkeit zu arbeiten. Sie ist ein Beitrag zum autonomen Lernen.

Geeignet für diese Arbeit sind Hörtexte, die neben sprachlichen Mitteln auch Informationen über das Zielsprachenland anbieten, die die Orientierung bei einem möglichem Aufenthalt im Zielsprachenland fördern und erleichtern.

Verwendet werden können unterschiedliche Textsorten: Lautsprecherdurchsagen am Flughafen oder Bahnhof, Rundfunk- und Fernsehnachrichten, Werbespots, Verkehrsinformationen, Wetterberichte, Informationen (Stadt-, Betriebsführungen etc.), Kulturnachrichten und -berichte, Hörszenen (z.B. Schulfunk), Hörspiele, auch in Ausschnitten, Berichte über Ausstellungen, Messen, Sportereignisse, Interviews, Reportagen usw.

Bei der Auswahl der Texte ist nicht nur an die Lernziel- und Adressatenadäquatheit zu denken, sondern auch an den sprachlichen Schwierigkeitsgrad (Wortlänge und Wortzahl pro Satz sollten sich langsam steigern) sowie an das Vorwissen der Lernenden.

Die Ausarbeitung von zusätzlichen Aufgaben (Arbeitsblätter usw.) sollte berücksichtigen, dass A. ganz besonders auf das Verstehen von Texten außerhalb des Unterrichts gerichtet ist und sie deren Verstehen fördern und nicht überprüfen sollen.

Der Arbeitsablauf

Der Arbeitsablauf kann nach folgendem (variablen) Schema gestaltet werden, bei dem Gesamttext und/oder Teiltexte beliebig oft gehört werden können. Anzuraten ist das erneute Hören des Gesamttextes vor dem Hören eines jeden Teiltextes, da auf diese Weise die Verstehenskompetenz gesteigert wird. Wiederholtes Hören ist von größter Bedeutung, denn je öfter man einen Text hört, desto besser versteht man ihn.

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Weblinks

Bibliographie

Whittle, Richard: Da haben wir den Salat. In: Die Zeit Nr. 30 vom 23. Juli 1993, S. 51.