Aufgabenorientierung

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Definition

Die Aufgabenorientierung im Fremdsprachenunterricht („task based language learning“) ist ein Konzept auf Grundlage des kommunikativen Ansatzes, bei dem eine authentische Kommunikation bzw. realitätsnahe Sprachverwendung gefordert wird.

Entwicklung und heutige Situation

Das Konzept des aufgabenorientierten Fremdsprachenunterrichts wurde seit den 1970er Jahren zunächst für Erwachsene entwickelt, die alltagsbezogene Aufgaben forderten. Dieses Konzept wurde seit den 1990er Jahren immer weiter verbreitet und intensiviert. In Deutschland waren vor allem Hans-Eberhard Piepho sowie Michael H. Legutke und Christoph Edelhoff maßgeblich daran beteiligt. Der aufgabenorientierte Unterricht spielt hierzulande vor allem für Englisch und Deutsch-als-Fremdsprache eine Rolle. Auch für den Spanisch-Unterricht wird dieser Ansatz zunehmend bedeutender. Nur Französisch verzeichnet eine geringere Aktivität des „enseignement par tâches“. Das Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen in Berlin (IQB) entwickelt Testaufgaben und stellt Unterrichtsmaterialien speziell für aufgabenorientierten Unterricht zur Verfügung.

Bedeutung von Aufgaben

Eine zentrale Rolle in diesem Ansatz spielen Aufgaben. Von den verschiedenen Aufgabentypen haben aber die realitätsbezogenen die größte Bedeutung in der Aufgabenorientierung, denn sie werden nach den Bedürfnissen des Lerners außerhalb des Klassenzimmers ausgewählt. Demzufolge stehen sie im Kontrast zu den didaktischen Aufgaben, welche auf die Erweiterung der kommunikativen Kompetenz zielen und nur im indirekten Zusammenhang mit realen Aufgaben stehen.

Mögliche Struktur einer aufgabenorientierten Unterrichtseinheit

  1. Zielsetzung: Der Lehrer gibt das Ziel der jeweiligen Unterrichtseinheit an, damit der Sinn der folgenden Aufgaben deutlich wird.
  2. Die notwendigen sprachlichen Mittel erarbeiten und üben: Gemeinsame Erarbeitung des Vokabulars und der grammatischen Inhalte, wodurch die Schüler zusätzlich lernen metasprachlich zu argumentieren (systematisches Bewusstmachen von grammatischen Phänomenen und Strukturen).
  3. Die Lernaufgabe: Diese markiert den Abschluss durch meist kreative Anwendung des neugewonnenen Wissens.
  4. Ergebnisse präsentieren und evaluieren: Innerhalb der Lerngruppe erfolgt ein Austausch über Neugelerntes und über Schwierigkeiten im Lernprozess.
  5. Weiterführung: Das Themenfeld wird mithilfe authentischer Materialien wieder aufgenommen und im Unterricht oder auch außerhalb auf höherer Ebene angewendet.

Ziel

Gegenwärtig ist im schulischen Unterricht die sogenannte schwache Version des kommunikativen Ansatzes verbreitet, bei der die Kommunikation nur zur Anwendung des Gelernten dient und der Schüler selten die Sprache frei produziert. Die Tendenz jedoch geht hin zum aufgabenorientierten Unterricht, dessen Durchbruch bislang durch die unterschiedlichen Standards verhindert wird. Dabei steht der Prozess des Lernens im Mittelpunkt und nicht die Leistung bzw. das Produkt des Lernens.

Kritik

Liegt die Konzentration auf den Inhalten und nicht mehr auf der sprachlichen Form, kann dies zu einer Verschlechterung korrekten Sprachgebrauchs führen. Dabei dürfen grammatische Übungen nicht vernachlässigt werden, sondern sollen in einen sinnorientierten Kontext gesetzt werden.

Siehe auch

Aufgaben

Weblinks

Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB)

Bibliographie

Caspari, Daniela (2006), Aufgabenorientierung im Fremdsprachenunterricht, in: Bausch, Karl-Richard u.a. (Hg.), Aufgabenorientierung als Aufgabe. Arbeitspapiere der 26. Frühjahrskonferenz zur Erforschung des Fremdsprachenunterrichts, Tübingen, S. 33-42.

Hallet, Wolfgang (Hg.) (2010), Handbuch Fremdsprachendidaktik, Seelze-Velber, S. 203-207.

Kraus, Alexander / Nieweler, Andreas (2011), La tâche: von der Übung zur Aufgabe, Der fremdsprachliche Unterricht Französisch 112.