Berufsorientierter Sprachunterricht DaF

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Berufsorientierter Sprachunterricht DaF ist berufsvorbereitender, berufsbegleitender und -qualifizierender Sprachunterricht. Er richtet sich an den konkreten speziellen Bedürfnissen der jeweiligen Lernenden aus und setzt bei den Lernenden Fachkenntnisse voraus. Lehrende müssen mit dem Berufsumfeld der Lernenden in begrenztem Maß vertraut sein.

Berufssprachliche Kompetenz

Berufsorientierter Sprachunterricht vermittelt sprachliche Kompetenz, die vor allem dazu befähigt, berufliche Handlungen in einem breiten Feld von berufstypischen Themen, Situationen und Kontakten zu bewältigen. Diese berufssprachliche Kompetenz ist nicht unbedingt gleichzusetzen mit der Kompetenz in einer Fachsprache, wie sie der fachsprachliche Unterricht DaF vermittelt, auch wenn oft berufstypischer Fachwortschatz vermittelt wird.

Je nach berufsbezogener Notwendigkeit und Verwendung werden die Fertigkeiten hörendes Verstehen, verstehendes Lesen, Sprechen und Schreiben in unterschiedlicher Gewichtung und ggf. nur als Teilfertigkeiten vermittelt. Das Schwergewicht liegt in vielen Fällen auf dem hörenden Verstehen und dem Sprechen. Ergänzend kann noch das Übersetzen als weitere Fertigkeit hinzukommen. Berufsbezogene mündliche und schriftliche Texte bilden die Grundlage dieses funktional ausgerichteten Sprachunterrichts. Textauswahl und Übungsformen müssen die Verbindung von Sprache und Berufsfeldern berücksichtigen.

Lernziele

Ziel des berufsorientierten Unterrichts DaF ist es nicht nur, auf allgemeinsprachlichen Kenntnissen aufbauend die jeweils berufstypische sprachliche Handlungsfähigkeit zu erreichen, sondern auch die Fähigkeit, allgemeine und berufsspezifische soziale Standardsituationen im nationalen und internationalen Kontakt zu bewältigen. Ein weiteres Ziel ist die rezeptive und in begrenztem Maß produktive Beherrschung und Anwendung berufstypischer Textsorten, Wortbildungsmodelle und Diskurstypen und -strategien (z.B. Kontakt-, Informations-, Verkaufs-, Beratungs-, Konfliktgespräche; Gesprächseinleitung, -organisation, Verdeutlichung, Zusammenfassung, Gesprächsbeendigung usw.).

Zielgruppen und Zielvorstellungen

Dieser Sprachunterricht wendet sich an Lernende, die durch ihren Beruf und die Institution, in der sie tätig sind, definiert sind. Zu seiner Optimierung müssen die speziellen sprachlichen Handlungsfelder (Themen und Sprachhandlungen) und die berufsgruppenspezifischen Lernziele in einer Bedarfsanalyse ermittelt werden, die die allgemeinen und speziellen Arbeits- und Anwendungsbereiche von der Herstellungsebene über die Verwaltungs- bis zur Leitungsebene (z.B. Produktion, Innen-/Außendienst, Geschäftsführung, Abteilungsleitung, Verwaltung, Sekretariat usw.; Verhandlungsführung, Verkaufs- und Beratungsgespräche, Telefonate, Arbeitsanweisungen etc.) und die Erwartungen der Lernenden selbst und ihre sprachlichen Vorkenntnisse, aber auch die Erwartungen und Zielvorstellungen der Institution erfasst, in der die Lernenden tätig sind. Neben inhaltlichen Fragen des Lernangebots (Themen, Sprachmaterial und dessen situative Einbettung usw.) sind auch dessen Organisation zu klären wie Kurs- oder Trainingsaufwand und Sozialform (intensiver/extensiver Gruppen- oder Einzelunterricht), Zeitrahmen, Lernort und Medienverwendung.

Methodisches Vorgehen

All diese Komponenten bestimmen die Wahl des methodischen Vorgehens, das in vielen Bereichen vor allem im Anfangsunterricht nicht von dem eines allgemeinsprachlichen Unterrichts abweichen wird. Da aber die Bedürfnisse des Lernenden im Vordergrund stehen, haben handlungsorientierte Sozial- und Arbeitsformen Vorrang (z.B. Einzelunterricht am Arbeitsplatz, team teaching zum Ausgleich des unterschiedlichen Fachwissens von Lehrenden und Lernenden, Simulationen und Planspiele usw.). Sie müssen die Autonomie der Lernenden berücksichtigen, woraus entsprechende methodische Konsequenzen zu ziehen sind.

Sie betreffen nicht nur den Unterricht, sondern auch das zu verwendende Lern- und Lehrmaterial und den Medieneinsatz bzw. -verbund. Häufig muss vorhandenes Lernund Lehrmaterial für die entsprechende Lerngruppensituation bearbeitet oder völlig neu erstellt werden.

Lehrende im berufsorientierten Sprachunterricht

Lehrende, die im berufsorientierten Sprachunterricht DaF tätig werden, müssen nicht nur über ausgezeichnete Fähigkeiten in der Sprachvermittlung verfügen, sondern vor allem auch über genügend Flexibilität, die sie befähigt, sich rasch in ihnen ggf. fremde Sachgebiete einzuarbeiten, diese Kenntnisse für den Unterricht aufzuarbeiten und sie in Lern- und Lehrmaterial umzusetzen.

Zu Beginn der sechziger Jahre war aufgrund des damals herrschenden Bedarfs der berufsorientierte Unterricht DaF mehr auf technische und landwirtschaftliche Bereiche beschränkt. Die derzeitige Internationalisierung von Wirtschaft, Wissenschaft usw. führt zu einem verstärkten Bedarf an Fremdsprachenkenntnissen in Betrieben und Unternehmen aller Sparten. In der Aus- und Weiterbildung von Lehrenden für DaF ist diese Tatsache in qualifizierten und qualifizierenden Angeboten zu berücksichtigen.


Weblinks

Bibliographie

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Lehrwerke Deutsch als Fremdsprache für berufsorientierten Fremdsprachenunterricht Auswahlbibliographie

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