Bewertung

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Verfahren, Einzel- oder Gesamtleistungen mündlicher/schriftlicher Arbeiten nach einer mehrstufigen Notenskala (z.B. 1 = sehr gut / 2 = gut / 3 = befriedigend / 4 = ausreichend / 5 = mangelhaft / 6 = ungenügend) oder einer Punkteskala (15/10 [bester Wert] bis 0 Punkte [schlechtester Wert]) zusammenfassend zu bewerten. Teilleistungen können dabei auch durch zusätzliche Faktoren gewichtet werden. Auf diese Weise erhalten sie gegenüber den anderen größere Bedeutung, z.B. Inhalt gegenüber formaler Richtigkeit usw.

Bewertungskriterien

Die jeweils zu Grunde liegenden Bewertungskriterien sind von Ziel(en) und Art der Aufgabe(n) abhängig.

Die Bewertung zeigt nicht nur die individuelle Leistung und den individuellen Fortschritt, sondern auch den Stand innerhalb einer Lerngruppe. Sie kann durchaus auch Mittel zur Motivation sein.

Bei mündlicher Kommunikation

Bei themen- und leistungsgebundener mündlicher Kommunikation kann die Bewertung graduell abgestuft sein nach den Bereichen

  1. Verstehen und Verständnis eines Sachverhalts,
  2. Fähigkeit im freien Sprechen (formale Richtigkeit, angemessener Ausdruck und Reaktion) und
  3. Aussprache und Intonation.

Oder sie kann auch nach den Kriterien

  1. Verstehen/Verständnis von Äußerungen und Inhalten,
  2. situations- und/oder inhaltsadäquate Reaktion,
  3. Reaktionsverhalten,
  4. Fähigkeit, Inhalte zu verarbeiten, darzustellen und/oder zu vermitteln,
  5. Wahl des angemessenen Ausdrucks,
  6. Richtigkeit und Angemessenheit in Morphologie und Syntax,
  7. Aussprache, Intonation und Sprechgeschwindigkeit

vorgenommen werden.

Bei schriftlicher Produktion und Grammatik

Bei schriftlichen Leistungen sind die Kriterien entsprechend der Art der Aufgabe festzulegen.

Bei Grammatiktests ist die Erfüllung oder Nichterfüllung der jeweiligen grammatischen Aufgaben ausschlaggebend; die Relation der richtigen Lösungen zur Gesamtzahl der zu erbringenden Lösungen führt zur Einordnung in ein zuvor festgelegtes Bewertungsschema.

Bei gelenkter oder freier Textproduktion

Anders sieht es bei Aufgaben aus, die gelenkte oder freie Textproduktion verlangen, z.B. Textkommentar, Textwiedergabe, -zusammenfassung, Brief, Aufsatz. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch für die Bewertung die jeweiligen Kommunikationsbereiche und die in ihnen üblichen Textsorten. Das eine oder andere Kriterium der folgenden, sicher ergänzungsbedürftigen Aufstellung wird je nach Lernziel ein größeres oder geringeres Gewicht bei der Bewertung erhalten.

1. Inhalt
a) bei Textwiedergabe, -zusammenfassung o. Ä.: Vollständigkeit und Richtigkeit der Wiedergabe des wichtigsten Inhalts in seinem logischen Zusammenhang
b) bei Brief, Aufsatz etc.: Bezug zum Thema und logischer Aufbau der Darlegung

2. Sprache
a) der Aufgabe angemessene Ausdruckswahl
b) Vollständigkeit der Äußerungen
c) Verwendung adäquater Vertextungsmittel
d) Richtigkeit in Morphologie, Syntax und Orthografie

3. Stil
a) Angemessenheit besonderes im Hinblick auf den Kommunikationsbereich (also etwa: private, geschäftliche, fachliche, wissenschaftliche Kommunikation) und dabei übliche Textsorten (Brief, Geschäftsbrief, Berichte, Gebrauchsanweisung, Konstruktionsbeschreibung etc. oder wissenschaftlicher Aufsatz, Forschungsbericht usw.)
b) Angemessenheit im Hinblick auf die Kommunikationsabsicht (Mitteilen, Berichten, Beschweren, Darstellen etc.)

4. Form
Angemessene Einhaltung bestimmter üblicher formaler Regeln (z.B. Briefnormen, Gliederung, Kapitelüberschriften etc.)

Besonders schwierig ist die Übersetzung zu bewerten, vor allem längerer, ggf. auch literarischer Texte, wie sie im Unterricht mit sehr fortgeschrittenen Lernern oft üblich sind. Außer den o.a. formalen und sprachlichen Kriterien beeinflussen auch das richtige Erfassen von Inhalten, Gedanken und kulturellem Hintergrund und deren adäquate Wiedergabe sehr stark die Bewertung.


Weblinks

Bibliographie

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