Bild

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Ein Bild kann die zeichnerische, fototechnische oder grafische Wiedergabe oder Darstellung von Personen, Sachen, Situationen oder Vorgängen sein. Es ist entweder schwarz-weiß oder farbig, gegenständlich oder abstrakt, statisch (stehend) oder dynamisch (bewegt). Neben Zeichnung, Foto und Grafik sind Comic und Karikatur in Sprachlehrwerken zu finden. Neben dem Lehrbuch sind u.a. Film/Video/DVD, Wandbild oder Poster Bildträger, meist gehören sie zu den Begleitmaterialien. Hinzu kommen noch mit besonderer Zielsetzung Bildwörterbücher oder Bildgrammatiken.

Funktionen

Im Sprachunterricht hat das Bild vielfältige motivierende und stimulierende Funktionen:
Illustration, Vermittlung, Information, Erläuterung, Festigung und Anwendung, denn

  • es illustriert Texte und vermittelt Informationen, die auf den Inhalt eines Textes, auf Lexik oder Grammatik bezogen sein können,
  • es erleichtert Einführung, Festigung und Behalten von Lexik und grammatischen Strukturen,
  • es stellt den Bezug zur Realität her und liefert dabei häufig landeskundliche Informationen,
  • es unterstützt auf Situation und Kontext bezogenes Lernen, ohne dass die Muttersprache verwendet wird,
  • es gibt Anlass zur (gelenkten) Anwendung von Lexik und Grammatik in gesprochener und geschriebener Sprache und durchaus auch zum nichtsprachlichen Handeln,
  • es regt den kreativen Gebrauch und Transfer gelernten Sprachmaterials auf andere Situationen an, fordert und fördert auf diese Weise die Erprobung sprachlicher Fähigkeiten,
  • es erlaubt den Lernenden auf allen Sprachstandsstufen, das gesteuert oder ungesteuert erworbene Sprachmaterial zum Ausdruck eigenen Denkens einzusetzen,
  • es gibt Lehrenden die Möglichkeit, Fortschritte in Spracherwerb und -anwendung informell festzustellen.

Auswahlkriterien

Für die Auswahl oder Anfertigung von Bildern für den Sprachunterricht sollten generell einige Kriterien beachtet werden:

  • Die Bildsituation muss echt und ihre Darstellung klar, deutlich und übersichtlich sein. Sie sollte sich auf das Wichtigste konzentrieren und auf Überfülle von Einzelheiten verzichten, da diese leicht ablenken und verwirren.
  • Nicht nur offene Elemente (Personen, Gegenständen usw.), sondern auch verdeckte (z.B. körpersprachliche Signale, Schatten) sollten vorhanden sein. Die versteckten Elemente liefern zusätzlich Informationen, die eine Beschreibung des Bildes möglich machen, die über die gegenständlich Darstellung hinausgeht (z.B. zeitliche und örtliche Zuordnung, Begründungen dafür durch Schatten oder Hintergrund, für Verhaltensweisen auf Grund bestimmter Personen- oder Sachkonstellationen etc.).
  • Thema und Darstellung sollten so interessant sein, dass sie die Lernenden anregen, eigene Gedanken dazu zu äußern, sie weiterzuführen und das angebotene Sprachmaterial in anderen Zusammenhängen zu verwenden.

Ein Bild/Bilder sollte/n vor seiner/ihrer Verwendung im Unterricht nach verschiedenen Kriterien überprüft werden. Dies ist nützlich und hilfreich, da sich aus den Entscheidungen für die einzelnen Kriterien Aufgaben/Arbeitsaufträge herleiten lassen (z.B. farbige Gestaltung eines Schwarz-Weiß-Bildes, Auflösung einer Fotomontage).

Bild bsp1.jpg
Zeichnung von Traudl Mayer.

An diesem Bild können im lexikalischen Bereich z.B. die Nomen Kellnerin, Gast, Tisch, Glas, ggf. noch Gardine und die Verben sitzen, stehen, bringen, sich unterhalten erklärt werden.
Für die Grammatik bieten sich die Präpositionen an und hinter in Verbindung mit den entsprechenden Verben (sitzen, stehen) an. Sehr leicht lassen sich die Verben setzen, stellen mit dem Kasuswechsel bei den gleichen Präpositionen einführen. Die Verben legen – liegen und hängen und entsprechenden Präpositionen lassen sich anschließen.

Kreative Möglichkeiten

Die bei Anfängern bereits mögliche Bildbeschreibung wird sich zunächst auf die Wiedergabe der dargestellten Situation beschränken. Sie bietet die Gelegenheit zur wiederholenden Anwendung von Lexik und Grammatik.

Eine kreative Ausweitung ist durch die Frage nach dem möglichen Gesprächsthema und dem Vorher (mit Einübung des Perfektes) und dem Nachher gegeben. Ein Rollenspiel (Dialog) ist zudem denkbar, in dem Redewendungen wie ”Bitte ein/noch’n Bier.” ”Darf ich rauchen?” / ”Haste mal Feuer?” o.Ä. verwendet werden können.

Auch eine Darstellung aus einem anderen Sichtwinkel ist möglich: die Kellnerin oder einer der Beteiligten erzählt einer Freundin/einem Freund etwas über diese Situation (Monolog). Hierbei werden Imagination und Sprachverwendung gefordert.

Bild aus: Jung, Lothar: Notizen und Mitteilungen, S. 15.
Dieses Bild reizt eher dazu, spontane Einfälle der Lernenden zu provozieren und sie wie in einem Detektivspiel herausfinden zu lassen, worum es hier geht. Dabei wird Lexik aus der Arbeit am Bild geklärt. Das Ergebnis können ganz unterschiedliche Geschichten sein, in die persönliche Erinnerungen und/oder Vergleiche mit ähnlichen Situationen einfließen. Ein innerer Monolog der einzelnen Personen oder ein Rollenspiel (Interview) bieten sich danach durchaus an. Ein Bericht aus Sicht einer der Personen oder gar eines Unbeteiligten ist denkbar. Dieser zunächst mündliche Bericht kann dann schriftlich als Brief, eine kurze Zeitungsmeldung o.Ä. gegeben werden.

Eine Ausweitung etwa auf das Thema Sperrmüll/Müllvermeidung ist nicht ausgeschlossen. Daraus könnte sich ggf. auch eine Projektarbeit entwickeln.

Interessante Möglichkeiten bietet das ”wachsende” Bild, bei dem ein Bild in Einzelteile zerlegt, diese auf OHP-Folien kopiert, und bei der Projektion die Ausgangsfolie schrittweise durch die weiteren Folien ergänzt wird. So ”wachsen” mit dem Bild auch Sprachmaterial und Sprachanwendung.

Mehr spielerisch und den Unterricht auflockernd kann der Einsatz von Bildern aus Illustrierten sein, bei denen unter dem Motto ”Hier stimmt was nicht” zwei Bilder verglichen und vorhandene Fehler in einem der Bilder gefunden werden müssen. Dabei wird der Wortschatz mehr zufällig erweitert, es sei denn, es werden in Eigenarbeit Bilder gezielt für bestimmte Themen angefertigt.

Verwendung bei Fortgeschrittenen

Fortgeschrittene Sprachkenntnisse setzt die Arbeit mit Bildern von Künstlern voraus. Sie ist anregend und motivierend, denn sie bietet neben vielfältiger Sprachanwendung auch Einblicke in die bildende Kunst, in künstlerische Leistungen, Kunstästhetik usw. und füllt damit eine landes- und kulturkundliche Lücke.

Für den fachsprachlichen Unterricht sind u.a. Gebrauchsanleitungen geeignet, die häufig eine pragmatische Verbindung von Bild, Text, Wortschatz und Grammatik bieten.

In schriftlichen wie mündlichen Prüfungen sind Bilder verwendbar als Stimulus für die Zuordnung von Wörtern, Sätzen oder Textteilen (handlungs-/situationsbezogenes Sprachverstehen sowie adäquate Sprachverwendung) oder für gelenkte bzw. freie Textproduktionen (Sprechblasen ausfüllen, Beschreibungen, Geschichten, Vergleiche etc.).


Weblinks

Bibliographie

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