Binnendifferenzierung

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Binnendifferenzierung ist die Möglichkeit, den Lernprozess für verschiedene Lerner unterschiedlich zu gestalten:

Die unterschiedlichen Voraussetzungen der Lernenden werden berücksichtigt. Die Lerner werden durch Lernverfahren gefördert, mit denen sie den größten Lernerfolg haben.


A. Sozialformen

Es kann in allen Sozialformen binnendifferenziert werden:

  • Einzelarbeit (EZ)
  • Partnerarbeit (PA)
  • Gruppenarbeit (GR)
  • Plenum (PL)
  • Hausaufgabe (HG)

B. Leistungsniveau

Beispiele der Differenzierung nach Leistungsniveau (kombiniert mit der Differenzierung in Sozialformen):

  • EZ: Manche Lerner lösen nur ein Minimum, andere bearbeiten eine komplette Aufgabe z.B. von 10 Übungssequenzen sind 5 für alle verbindlich – 5 andere sind freiwillig zu lösen.
  • PA: Der „Bessere“ erklärt und ergänzt Wissenslücken beim „Schwächeren“.
  • GR: Manche bekommen eher eine „große“ Rolle, andere eher eine „untergeordnete“. (z.B. im Rollenspiel).
  • PL: Bessere Lerner dürfen ihre „fertigen und richtigen“ Ergebnisse schon (verborgen) auf einer OHP-Folie bzw.über Laptop auf einer Projektionsfläche oder auf dem umgedrehten Flip-Chart notieren (was dann später vor allen präsentiert wird). Manche Lerner dürfen in bestimmten Situationen auch die Lehrkraft unterstützen, in dem sie z.B. als Hilfslehrer beratend-umhergehend andere Teilnehmer unterstützen.
  • HG: Auf Freiwilligkeits-Ebene werden interessante Zusatz-HGs angeboten.

Aufpassen: Auch die, die nur eine einfache Aufgabe haben, müssen Wertschätzung spüren, damit ihre Arbeit bzw. ihr Lernprozess Bedeutung gewinnt.

C. Themen

Beispiele der Differenzierung nach Themen:

  • alle haben die gleiche Aufgabenstellung (z.B. in einem Lesetext Partizipien markieren), aber verschiedenen Themen (z.B. Thema Fußball eher für Jungen, Thema Freundschaft eher für Mädchen)
  • besonders geeignet bei methodischen Formen wie Assoziogramm oder Mindmaps

D. Aufgabenstellung

Differenzierung nach Aufgabenstellung:
Alle haben das gleiche Thema, aber verschiedene Aufgaben:

  • Beim Thema „Einkaufen“ müssen z.B. manche Lerner ein Interview führen; manche entwickeln eine passende Statistik; andere recherchieren im Internet nach Kaufgewohnheiten.
  • Manche Lerner markieren in einem Text die Präsensformen von Verben, andere markieren nur Partizipien und/oder Hilfsverben.
  • Manche Lerner markieren in einem Text bestimmte Buchstaben/Wörter, andere übertragen diese auf ein Medium.
  • ! Häufig übernehmen "gute" Lerner anspruchsvollere Aufgaben, was eine Überschneidung mit der "Differenzierung nach Leistungsniveau" (siehe B.) darstellt; allerdings kann/darf es vorkommen, dass starke Lerner aus persönlichem Interesse bewusst nur einfache Aufgabenteile übernehmen.

E. Lernwege

Differenzierung nach Lernwegen:
Es gibt verschiedene Lernertypen, die in ihren methodischen Stärken jeweils bedient werden müssen:

a. Einteilung der Lernertypen nach sprachlichen Fertigkeiten:

  • Sprechen: Lerner müssen selber viel sprechen, damit sie optimal lernen.
  • Hören: Andere müssen eine Sprache „intensiv“ hören, damit sie ein „Gefühl“ dafür bekommen.
  • Lesen: Anderen fällt das Lernen leichter, wenn sie Texte, Dialoge etc. mehrmals still lesen können.
  • Schreiben: Für andere festigt sich die Sprache am besten, wenn sie die Lerninhalte selber schreiben müssen.

b. Einteilung der Lernertypen nach (i.Bes. sinnlichen) Stärken:

  • kognitive Lernertypen: Lernen geht für sie über das Verstehen von Regeln - Grammatik muss erklärt und verstanden werden.
  • visuelle Lernertypen: „Sichtbare“ Impulse (Bilder, Grafiken) bilden für sie eine herausragende Lernhilfe.
  • haptische Lernertypen: Sie erfahren und gestalten viel mit den Händen (besonders wichtig im Elementar- und Primarbereich).
  • auditive Lernertypen: Lernen geht für sie besonders gut über Hörerfahrungen und -erlebnisse s.o.
  • grobmotorische Lernertypen: Lernen geht leichter durch parallele körperliche Bewegung) z.B. durch Rollenspiele, pantomimische Darstellungen und motorische Lernspiele (Bewegungsspiele). - Nachweislich bei Kindern wird der nachhaltige Lernerfolg überproportional stark durch unterstützende Körperbewegungen gefördert.
  • "dramatisierende" Lernertypen: Lernen wird durch die Bildung von Spannungsbögen interessanter und persönlicher; z.B. wird eine Vokabel /ein Redemittel in verschiedenen emotionalen Zuständen ausgedrückt (sprachlich/visuell/grobmotorisch) und mit unbewusstem Vorwissen verknüpft.
  • "verbindende" Lernertypen: Fremdsprache wird mit dem Erwerb altersgerechten Fachwissens aus anderen Fächern verknüpft; z.B. CLIL = Content and Language Integrated Learning.

F. Lernpräsentation

Differenzierung nach Lernpräsentation:
Schon Kinder entwickeln bevorzugte Strategien, die auf Grund ihrer unterschiedlich-erfolgreichen Lernerfahrung berücksichtigt werden sollen:

  • manche präsentieren gerne vor der ganzen Klasse ihre Ergebnisse.
  • manche brauchen Tests, in denen sie durch konkurrierende Leistungsmessung zu Erfolgen motiviert werden.
  • manche brauchen einen „sinnvollen“ Zusammenhang , innerhalb dessen sie Lernergebnisse gerne präsentieren.
  • manche fühlen sich schon durch einfache Herausforderungen gehemmt – für sie sind Still- und Freizeiten günstig, in denen sie Lehrkräfte mit „heimlichen“ Lernerfolgen überraschen.


Beispiel einer Binnendifferenzierung im Unterrichtsprojekt: "Eine Reise organisieren"

A. Differenzierung nach Sozialformen (mögliche Beispiele):

  • Im Plenum werden z.B. Reiseziele gesammelt
  • In Gruppen werden die Vor- und Nachteile einzelner Reiseziele erarbeitet
  • In Partnerschaft werden wichtige Dialoge sprachlich eingeübt
  • Als Einzelarbeit müssen die Lerner aufschreiben, was sie auf die Reise mitnehmen möchten.
  • Als Hausaufgabe müssen die Lerner ihre Angehörigen fragen, welche Souvenirs sie von der Reise mit nach Hause bringen sollen.

B. Differenzierung nach Leistungsniveau (mögliche Beispiele):

  • In der Einzelarbeit soll jeder Lerner 3 wichtige Sehenswürdigkeiten aus der Region des Reisezieles notieren. Die schwächeren Lerner finden vielleicht nur ein oder zwei Objekte; im Plenum können sie sie zuerst nennen; die stärkeren Lerner ergänzen mit zusätzlichen Hinweisen.
  • In der Partnerarbeit muss der schwächere Lerner den stärkeren nach dem Weg zu einer Sehenswürdigkeit fragen;
  • In der Gruppe können die starken Lerner die Resultate der Gruppenarbeit s.o. sprachlich präsentieren, während die schwachen Schüler auf Plakaten oder Prospekten visuelle Informationen anzeigen
  • Im Plenum wird ein landeskundlicher Fragebogen erarbeitet; die starken Lerner spielen Hilfslehrer und erfragen und überprüfen die Ergebnisse der schwächeren Schüler.
  • Als Hausaufgabe können einzelne Lerner zusätzliche Informationen über eine wichtige Persönlichkeit oder Sehenswürdigkeit sammeln.

C. Differenzierung nach Themen:

  • verschiedene Interessensgruppen organisieren je einen Nachmittag oder Abend zu verschiedenen Themen (z. B. Museumsbesuch, Treffen mit wichtigen Persönlichkeiten, Besuch eines Fußballspiels, Discothekenbesuch o.a.), aber alle haben die gleiche Aufgabenstellung (z.B. Uhrzeiten nennen, Fahrplan erarbeiten, Preise erfragen, Kleidungstipps geben o.ä.)

D. Differenzierung nach Aufgabenstellung:

  • 1. Beispiel: Innerhalb eines Themas (z.B. "Präsentation von Sehenswürdigkeiten") haben die Lerner unterschiedlich schwierige Aufgaben zu erledigen: Schwächere Lerner sammeln zu den Sehenswürdigkeiten „nur“ einige Basis-Informationen und visualisieren sie auf einem Plakat, während starke Lerner "Reiseführer spielen", in dem sie z.B. einen angemessenen Vortrag über eine Sehenswürdigkeit erarbeiten.
  • 2. Beispiel: "Koffer für die Reise packen" - Schwächere Lerner nennen, was man auf jeden Fall bei der Reise dabei haben sollte; stärkere Lerner müssen die Vor- und Nachteile der Reisegepäck-Stücke nennen.

E. Differenzierung nach Lernwegen:

  • Lerner müssen entsprechend ihrer Neigung eine Aufgabe unterschiedlich erarbeiten: Manche schreiben einen fiktiven Reisebericht, manche lesen authentische Infos und fertigen ein Informationsplakat an, manche sprechen/spielen Musterdialoge vor, anderen hören und vergleichen Dialoge z.B. von Begrüßungsformen oder Jugendsprache und referieren darüber in der Klasse
  • kognitiv orientierte Lerner erarbeiten Unterschiede zwischen Strukturen im Heimatland und Reiseland (z.B. sprachliche Unterschiede in der Syntax, Grammatik etc. oder Unterschiede in alltäglichen Gewohnheiten)
  • visuell orientiere Lerner sammeln Bilder über das Reiseziel und ergänzen sie mit Informationen
  • haptisch orientierte Lerner fertigen Collagen mit landeskundlichen Materialien und Informationen an
  • auditiv orientierte Lerner erstellen ein kleines Hörspiel zu einer interessanten Situation im Zielland
  • grobmotorisch orientierte Lerner spielen einen landeskundlichen Sketch oder mimen stereotypische Verhaltensweisen des Ziellandes (z.B. Begrüßungs- oder Tischrituale)
  • "dramatisierende" Lernertypen drücken im Rollenspiel (z.B. Tourist im fremden Land) eine missverständliche Vokabel (oder ein Redemittel) in unterschiedlichen emotionalen Stimmungen aus, die vom anderssprachigen Adressaten absichtlich nie verstanden wird
  • "verbindende" Lernertypen besuchen entsprechend ihres Sprachniveaus und ihrer Neigung fremdsprachlichen, projektbezogenen Sachunterricht (z.B. Geschichte, Geografie, Politk, Kunst/Musik/Literatur aus dem Reiseland), deren Ergenisse in die Projektpräsentation integriergt werden

F. Differenzierung nach Lernpräsentationen:

  • Projektarbeit ermöglicht zahlreiche Varianten für die Lernpräsentationen (= Plakate, szenische Darstellungen, Referate u.v.m.) Um die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Lernschritte evtl. homogen präsentieren zu können, empfiehlt es sich, wichtige Situationen des Projektverlaufs von Anfang an mit einer Videokamera aufzunehmen. Der Film fasst somit unterschiedliche Präsentationsarten zusammen.

Weblinks

Wikipedia Binnendifferenzierung
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