Binnendifferenzierung
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Binnendifferenzierung
(von Ralf Gotsche)
Binnendifferenzierung ist die Möglichkeit, den Lernprozess für verschiedene Lerner unterschiedlich zu gestalten:
Die unterschiedlichen Voraussetzungen der Lernenden werden berücksichtigt und die Lerner werden gefördert durch Lernverfahren, mit denen die Lerner den größten Lernerfolg haben.
Es kann in allen Sozialformen binnendifferenziert werden
- Einzelarbeit (EZ)
- Partnerarbeit (PA)
- Gruppenarbeit (GR)
- Plenum (PL)
- Hausaufgabe (HG)
Beispiele der Differenzierung nach Leistungsniveau
- EZ: Manche lösen nur ein Minimum, andere bearbeiten eine komplette Aufgabe z.B. von 10 Übungssequenzen sind 5 für alle verbindlich - 5 andere sind freiwillig zu lösen
- PA: Der "Bessere" erklärt und ergänzt Wissenslücken beim "Schwächeren"
- GR: Manche bekommen eher eine "große" Rolle, andere eher eine "untergeordnete". (z.B. im Rollenspiel)
- PL: Bessere Schüler dürfen ihre "fertigen und richtigen" Ergebnisse schon (verborgen) auf einer OHP-Folie oder dem umgedrehten Flip-Chart o.a. notieren (was dann später vor allen präsentiert wird). Manche Schüler dürfen in bestimmten Situationen sogar die Lehrkraft unterstützen - Hilfslehrer o.ä. sein)
- HG: Auf Freiwilligkeits-Ebene werden interessante Zusatz-HGs angeboten
Aufpassen: Auch die, die nur eine einfache Aufgabe haben, müssen Wertschätzung spüren, damit ihre Arbeit bzw. ihr Lernprozess Bedeutung gewinnt.
Beispiele der Differenzierung nach Themen
- geeignet z.B. methodische Formen wie Wortigel oder Mindmaps
- alle haben die gleichen Aufgaben, aber verschiedenen Themen (z.B. Thema Fußball für Jungen, Thema Freundschaft für Mädchen)
Differenzierung nach Aufgabenstellung:
Alle haben das gleiche Thema, aber verschiedene Aufgaben dazu:
- Manche haben eine einfachere - , andere eine anspruchsvollere Aufgabe z.B. müssen manche nur bestimmte Buchstaben/Wörter in einem Satz/Text markieren, andere müssen diese auf ein Medium übertragen
- Manche müssen ein Interview mit einem Erwachsenen führen, andere müssen "nur" eine (altersgerechte) Statistik dazu führen.
Differenzierung nach Lernwegen:
Es gibt verschiedene Lerntypen, die in ihren methodischen Stärken jeweils bedient werden müssen: .
a. Einteilung der Lernertypen nach sprachlichen Fertigkeiten:
- Sprechen: Lerner müssen selber viel sprechen, damit sie optimal lernen
- Hören: Andere müssen eine Sprache "intensiv" hören, damit sie ein "Gefühl" dafür bekommen.
- Lesen: Anderen fällte das Lernen leichter, wenn sie Texte, Dialoge etc. mehrmals still lesen können.
- Schreiben: Für andere festigt sich die Sprache am besten, wenn sie die Lerninhalte selber schreiben müssen.
b. Einteilung der Lernertypen nach sinnlichen Stärken:
- kognitive Lernertypen (Lernen geht über das Verstehen von Regeln - Grammatik muss erklärt werden.)
- visuelle Lernertypen (viele "sichtbare" Impulse, Bilder)
- haptische Lernertypen (es wird viel mit den Händen "erfahren" und gestaltet
- auditive Lernertypen (Lernen geht besonders gut über Hörerfahrungen und -erlebnisse s.o.)
- grobmotorische Lernertypen (Lernen geht leichter durch parallele körperliche Bewegung - i.Bes. in Rollenspielen oder auch "nur" pantomimischen Darstellungen
Differenzierung nach Lernpräsentation:
Auch Kinder entwickeln bevorzugte Strategien, die auf Grund ihrer unterschiedlich erfolgreichen Lernerfahrung berücksichtigt werden sollen:
- Manche präsentieren gerne vor der ganzen Klasse ihre Ergebnisse.
- Manche brauchen Tests, in denen sie durch konkurrierende Leistungsmessung zu Erfolgen motiviert werden.
- Manche brauchen einen "sinnvollen" Zusammenhang, innerhalb dessen sie Lernergebnisse gerne präsentieren.
- Manche fühlen sich schon durch einfache Herausforderungen gehemmt - für sind Still- und Freizeiten günstig, in denen sie Lehrkräfte mit "heimlichen" Lernerfolgen überraschen
Binnendifferenzierung in der Projektarbeit: "Eine Reise organisieren"
Differenzierung nach Sozialformen (mögliche Beispiele):
- Im Plenum werden z.B. Reiseziele gesammelt.
- In Gruppen werden die Vor- und Nachteile einzelner Reiseziele erarbeitet.
- In Partnerschaft werden wichtige Dialoge sprachlich eingeübt.
- Als Einzelarbeit müssen die Lerner aufschreiben, was sie auf die Reise mitnehmen möchten.
- Als Hausaufgabe müssen die Lerner ihre Angehörigen fragen, welche Souvenirs sie von der Reise mit nach Hause bringen sollen.
Differenzierung nach Leistungsniveau (mögliche Beispiele):
- In der Einzelarbeit soll jeder Lerner drei wichtige Sehenswürdigkeiten aus der Region des Reisezieles notieren. Die schwächeren Lerner finden vielleicht nur ein oder zwei Objekte; im Plenum können sie sie zuerst nennen; die stärkeren Lerner ergänzen mit zusätzlichen Hinweisen.
- In der Partnerarbeit muss der schwächere Schüler den stärkeren nach dem Weg zu einer Sehenswürdigkeit fragen.
- In der Gruppe können die starken Schüler die Resultate der Gruppenarbeit s.o. sprachlich präsentieren, während die schwachen Schüler auf Plakaten oder Prospekten visuelle Informationen anzeigen.
- Im Plenum wird ein landeskundlicher Fragebogen erarbeitet; die starken Schüler spielen Hilfslehrer und erfragen und überprüfen die Ergebnisse der schwächeren Schüler.
- Als Hausaufgabe können einzelne Schüler zusätzliche Informationen über eine wichtige Persönlichkeit oder Sehenswürdigkeit sammeln.
Differenzierung nach Themen:
- Verschiedene Interessensgruppen organisieren je einen Nachmittag oder Abend zu verschiedenen Themen (z..B. Museumsbesuch, Treffen mit wichtigen Persönlichkeiten, Besuch eines Fußballspiels, Discothekenbesuch o.a.), aber alle haben die gleiche Aufgabenstellung (z.B. Uhrzeiten nennen, Fahrplan erarbeiten, Preise erfragen, Kleidungstipps zu geben o.ä.).
Differenzierung nach Aufgabenstellung:
- 1. Beispiel: Innerhalb eines Themas (z.B. Interviews mit Einheimischen haben die Lerner verschieden schwierige Aufgaben zu erledigen: Die schwachen Lerner sammeln zu einer Sehenswürdigkeit "nur" ein paar Informationen, während die starken Reiseführer spielen müssen, d.h. einen Vortrag erarbeiten müssen.
- 2. Beispiel: Kofferpacken - Schwächere Schüler nennen, was man auf jeden Fall bei der Reise dabei haben sollte; stärkere Schüler müssen Vor- und Nachteile von verschiedenem Reisegepäck nennen.
Differenzierung nach Lernwegen:
- Lerner müssen entsprechend ihrer Neigung eine Aufgabe unterschiedlich erarbeiten: Manche schreiben einen fiktiven Reisebericht, manche lesen authentische Infos und fertigen ein Informationsplakat an, manche sprechen/spielen Musterdialoge vor, anderen hören und vergleichen Dialoge z.B. von Begrüßungsformen oder Jugendsprache und referieren darüber in der Klasse.
- Kognitiv orientierte Lerner erarbeiten Unterschiede zwischen Strukturen im Heimatland und Reiseland (z.B. sprachliche Unterschiede in der Syntax, Grammatik etc. oder Unterschiede in alltäglichen Gewohnheiten).
- Visuell orientiere Lerner sammeln Bilder über das Reiseziel und ergänzen sie mit Infos.
- Haptisch orientierte Lerner fertigen Collagen mit landeskundlichen Infos an.
- Auditiv orientierte Lerner erstellen ein kleines Hörspiel zu einer spannenden Situation im Zielland.
- Grobmotorisch orientierte Lerner spielen einen landeskundlichen Sketch.
Differenzierung nach Lernpräsentationen:
- Projektarbeit bietet automatisch sehr viele Varianten für die Lernpräsentationen entsprechend der unterschiedlichen Lernertypen
Weblinks
Wikipedia Binnendifferenzierung
Berliner Bildungsserver Binnendifferenzierrung
Bildungsserver Wiki
ZUM Wiki, Differenzierung und Individualisierung

