Diktat

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Das Diktat ist eine Übung des Hörens und des Schreibens: Wörter/Sätze/Texte, die gehört werden, sind in Schrift umzusetzen.

Das Diktat schult das Hörverstehen, die Fähigkeit zur Identifikation von Lautfolgen d.h. von Wörtern und Sätzen, die Rechtschreibung und Zeichensetzung, die Bedeutungserschließung aus dem Kontext und das Erkennen von Interdependenzen. Es ist keine Übung zur Lautdiskriminierung, zu Wortschatz und Grammatik.

Komplexe Anforderungen

Das Diktat fördert Fähigkeiten und Fertigkeiten, die bei bestimmten (Berufs)Tätigkeiten wie z.B. Gesprächsnotizen oder Mitschrift etc. nützlich und notwendig sind. Dennoch ist diese Arbeitsform für den Fremdsprachenunterricht nicht ganz unumstritten, da das Diktat sehr komplexe Anforderungen stellt:

  • Fähigkeit zum raschen und genauen Erfassen von Lautbildern,
  • Fähigkeit zur Umsetzung von Lautbildern in Schriftbilder,
  • Inhaltsverstehen zur Vermeidung kontextbedingter Fehler,
  • ggf. Erkennen von Satzstrukturen, wenn keine Satzzeichen diktiert werden, sowie
  • Angleichung der Schreibgeschwindigkeit an die Sprechgeschwindigkeit des Diktats.

Daraus ergibt sich, dass das Diktat mehr eine Übungsform zur Schulung bestimmter Fähigkeiten und Fertigkeiten als eine Prüfungsform bzw. ein Instrument zur Leistungsmessung ist. Gegen das Diktat als Prüfungsform sprechen auch die oft sehr unterschiedlich festgelegten Bewertungskriterien. So entstehen häufig z.B. Schwierigkeiten bei der Definition von ”leichten” oder ”schweren” Fehlern und deren Bewertung; selbst wenn jeder Fehler gleich gewertet wird, bietet oft die Frage nach der Relativierung Fehlerzahl zur Wortanzahl oder zu einer festgelegten Höchstpunktzahl Anlass zur Diskussion.

Einsatz im Unterricht

Als Vorbereitung auf längere Diktate, besonders bei Anfängern oder bei Gruppen mit besonderen Schwierigkeiten beim Hörverstehen und Schreiben, empfehlen sich tägliche Kurzdiktate von drei bis vier Sätzen aus dem jeweiligen Lektionstext. Es hat sich auch bewährt, das Diktat zunächst nur als Hörtext darzubieten, seinen Inhalt durch kurze Fragen zu erschließen, dann die Einzelsätze nachsprechen zu lassen und danach erst in die eigentliche Diktatphase einzutreten.

Diktattexte sollten inhaltliche, lexikalische und grammatische Ähnlichkeit mit den im Unterricht verwendeten Texten haben, jedoch in ihrem Schwierigkeitsgrad unter diesen Texten liegen. Ihre Länge kann zwischen 75 bis 200 Wörtern betragen. Passiver Wortschatz, Namen, Daten und Zahlen sind zu vermeiden, unbekannte Wörter müssen vor dem Diktat erklärt und angeschrieben werden.

Durchführung

Üblicherweise wird das Diktat dreimal zu Gehör gebracht: beim ersten Durchgang wird der Gesamttext präsentiert, damit das Inhaltsverstehen möglich ist, beim zweiten Durchgang wird in Wort- oder Satzgruppen zum Mitschreiben diktiert. Dabei werden Satzzeichen nicht diktiert, wenn Satzstrukturen erfasst werden sollen. Der dritte und letzte Durchgang bietet noch einmal den gesamten Text, dem eine in ihrer Länge vorher festgelegte Pause zur Korrektur folgt.

Nachfragen einzelner TeilnehmerInnen während aller dreier Durchgänge und in der Korrekturpause werden aus Gründen der Gleichbehandlung nicht beantwortet.

Zum Erhalt gleich bleibender Sprechgeschwindigkeit, Prosodie und zum Ausschluss übertriebener Artikulation sowie Gestik oder Mimik als ”Hilfen”, sind auf Tonträgern aufgezeichnete Diktate dem mündlichen Diktat vorzuziehen.

Gegenüber dem Diktat in Sinngruppen

Dass viele Studenten/vor ihrem Examen/Angst haben [Komma]/kommt vielleicht/oft daher [Komma]/ dass sie/ein Prüfer/prüfen soll [Komma]/ von dem....

hat das in Satzgruppen

Dass viele Studenten vor ihrem Examen Angst haben/kommt vielleicht oft daher,/dass sie ein Prüfer prüfen soll/von dem....

viele Vorteile. Es erhält den Satzzusammenhang, erleichtert damit das Verstehen, was hilft, Fehler durch Kontextanalyse zu vermeiden sowohl beim Ganzdiktat (der ganze Text muss geschrieben werden) als auch beim Lückendiktat (vorgegebene Lücken im Text, der den TeilnehmerInnen vorliegt, sind aufzufüllen). Auch fördert es das Erkennen von Satzstrukturen und übt damit die Interpunktion.

Das Lückendiktat

Bevorzugt wird das Lückendiktat, da sich hier Übungsschwerpunkte im Hinblick auf Schwierigkeiten der jeweilige Lernergruppe bilden lassen. Lücken im Schreibtext müssen genügend Platz zum Ausfüllen bieten (Beispiel 1), da sonst die Korrektur erschwert wird. Vorteilhafter ist es, Schreiblinien neben dem Text vorzusehen, der den Lernenden vorgelegt wird (Beispiel 2). Dies beansprucht vielleicht etwas mehr Platz, die Spaltenform erleichtert jedoch nicht nur für die Lernenden das Lesen. Bei der Korrektur durch die/den Lehrende(n) wird nicht instinktiv der gesamte Text mitgelesen. Die Anfertigung und Verwendung einer Korrekturschablone oder -folie ist einfacher, wodurch die Korrekturzeit verkürzt werden kann.


Beispiel 1

In der (ganzen) _____ Welt (stagniert) _____ der Verbrauch an (Stahl) _____ ;

die (Mitgliedstaaten) _____ der Europäischen (Gemeinschaft) _____ müssen (Überkapazitäten)_____

abbauen, so auch die Bundesrepublik. ...

Beispiel 2

In der XX Welt _______________________________
XX der Verbrauch an _______________________________
XX; _______________________________
die XX der Europäischen _______________________________
XX _______________________________
müssen XX abbauen, so auch die Bundesrepublik. _______________________________
aus: Jung, Lothar: Kaleidoskop Wirtschaft, S. 73.  



Bibliographie

Diktierregeln, Sonderdruck von DIN 5009. Hrsg. von DIN Deutsches Institut für Normung, 1997.
Heidermann, Werner. Diktate hören- schreiben – korrigieren.. Ismaning, 2002.
Macht, Konrad: Das Diktat: Ein zu Unrecht verdammtes Testinstrument. In: Gardenghi, Monica / O’Connel, Mary (Hrsg.): Prüfen, Testen. Bewerten im modernen Fremdsprachenunterricht. (Bayreuther Beiträge zur Glottodidaktik Bd. 6), Frankfurt/Main 1997, S.109–116.