Entdeckendes Lernen

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Unter Entdeckendem Lernen (engl. learning by discovery) werden selbstgesteuerte Lernprozesse verstanden, bei denen der Lernende Informationen über Sachverhalte durch aktives Fragen und Beobachten sucht, dabei bereits erworbenes Wissen aktiviert und daraus im heuristischen Sinne über Hypothesenbildung und -überprüfung zu neuen Informationen kommt. Der Lehrer nimmt dabei eine beobachtende und helfende Funktion ein.

Geschichte des Entdeckenden Lernens

Seit der Reformpädagogik gibt es Unterrichtskonzepte, die im Sinne des Entdeckenden Lernens aktive, intrinsisch motivierte, selbsttätige und selbstgesteuerte Prozesse des Denkens und Handelns der Schüler fordern wollen. Der Begriff geht auf J.S. Bruner zurück, der sich damit in den 1960er- und 1970er-Jahren gegen die damals in den USA dominanten behavioristischen Lerntheorien und ihre Auswirkungen in geschlossenen Curricula wandte.

Forschungsdebatte

Bruners Forderung zur Entwicklung von wirksamen Unterrichtskonzepten für Entdeckendes Lernen löste in den USA eine Kontroverse mit J.S. Ausubel aus. Dieser ist der Meinung, dass der Lernende nicht alles neu entdecken muss, sondern auch auf das gesammelte Wissen der menschlichen Kultur zurückgreifen kann. Entdeckendes Lernen wird gezielt initiiert, wobei der Grad der Strukturierung durch den Lehrer ein wichtiges Kriterium auf der Skala vom „völlig ungelenkten“ bis „angeleitetem Entdecken“ ausmacht. Inzwischen haben Unterrichtsforschungen und -praxis gezeigt, dass Lernende ungelenkte Entdeckungsprozesse nicht selbstständig steuern können; deshalb führen Verfahren ungelenkten Entdeckens nicht zu optimalen Lernergebnissen, worauf bereits Ausubel hinwies.

Intendierte Auswirkungen auf den Lernprozess

Der Vorzug Entdeckenden Lernens ist nicht nur die Freude am Entdecken, sondern auch ein sich entwickelndes Verständnis für die Zusammengehörigkeit von Informationen. Selbstentdecken lehrt, Informationen so zu erwerben, dass sie für das Problemlösen fruchtbarer werden als Stoff, der als fertiges Endprodukt im Gedächtnis gespeichert wird. Beim Entdeckenden Lernen wird der Lernende Konstrukteur und ist damit nicht fremdgesteuerter Rezipient dessen, was andere ihm darbieten („instruktionalistischer Unterricht“).

Durchführungsmöglichkeiten des Entdeckenden Lernens

Entdeckendes Lernen kann in allen Klassenstufen eingesetzt werden. Der Einsatz von Lenkungsmaßnahmen muss auf die Lerner individuell abgestimmt werden. Hierzu zählen unterschiedliche Möglichkeiten der Lernhilfe und der Vermittlung von Lernstrategien: z.B. Bereitstellen einer vorbereiteten Lernumgebung mit Lernmaterialien für freie Arbeit (z.B. Montessori-Pädagogik).

Kriterien für den entdeckenden Lernprozess:

1. Herausfordernde Situation zum Beobachten, Fragen und Vermuten

2. Herausarbeitung der Problemstellung mit eigenen Lösungsansätzen

3. Ergebnis formulieren und festhalten und dabei mit bisherigem Wissen verknüpfen

4. Rückbesinnung auf den Gang der Problemlösung und Transfer: Übertragung des Gedankens auf andere Situationen


Bibliografie

  • Foster, J.: Entdeckendes Lernen in der Grundschule. München 1993.
  • Glöckel, H.: Vom Unterricht – Lehrbuch der allgemeinen Didaktik. Bad Heilbrunn 1992.
  • Gudjons, H.: Handlungsorientiert lehren und Lernen. Schüleraktivierung Selbsttätigkeit Projektarbeit. 7. aktualisierte Auflage. Regensburg 2008.
  • Jank, W.; Meyer H. (Hrsg.): Didaktische Modelle. Frankfurt am Main 1991.
  • Neber, H. (Hrsg.): Entdeckendes Lernen. Weinheim 1973.
  • Schaub, H; Zenke, K.G. (Hrsg.): Wörterbuch Pädagogik. München 2007.
  • Winter, H.: Entdeckendes Lernen im Mathematikunterricht. Einblicke in die Ideengeschichte und ihre Bedeutung für die Pädagogik. 2. Auflage.Braunschweig; Wiesbaden 1991.


Weblinks