Erstsprache

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Unter dem Begriff Erstsprache versteht man die Sprache, die der Mensch von Geburt an aufnimmt und erlernt. Die Erstsprache wird in natürlicher Umgebung und auf natürliche Weise erworben. Sie ist Voraussetzung für das Erlernen einer Zweitsprache. Der Begriff Erstsprache wird oft mit dem der Muttersprache synonym verwendet, allerdings ist letzteres eher der im familiären Gebrauch und mit Emotionen belegte Begriff. Außerdem entsteht durch die Verwendung des Wortes Muttersprache eine Verzerrung, da einerseits nicht nur die Mutter am Spracherwerb beteiligt ist und sich andererseits der Sprachgebrauch eines Individuums immer von dem der Mutter unterscheidet.


Bedeutung der Erstsprache für die Entwicklung des Menschen

Die Erstsprache ist die Sprache, in der das Kind aufwächst, die es von den Eltern lernt, in ihr fühlt es sich zuhause. Die Erstsprache ist eng mit dem Selbstbild und der Identitätsentwicklung des Menschen verknüpft. Der Erzieher sollte also die Erstsprache nicht als störenden Faktor sehen, was das Kind als Ablehnung erfährt.


Wortschatz

Wie viele Wörter genau der Wortschatz der Erstsprache eines Menschen umfasst, lässt sich nicht präzise feststellen. Man geht allerdings davon aus, dass ein erwachsener, gebildeter Mensch mit Englisch als Erstsprache über einen Wortschatz mit mehr als 50 000 Wörtern verfügt, die er nicht nur kennt, sondern auch aktiv anwenden kann. Auch bei Kindern lässt sich der Umfang des Wortschatzes nur schätzen. So schätzt man den Wortschatz eines zweijährigen Kindes zum Beispiel auf ca. 500 Wörter, die es aktiv verwendet, bei einem Dreijährigen sind es mehr als 1000 und bei einem Fünfjährigen bis zu 3000. Der passive Wortschatz eines sechsjährigen Kindes wird auf 14 000 Wörter geschätzt.


Spracherwerbstheorien

Der Sprachstand eines Menschen ist altersgemäß und sozialisationsbedingt ausgebildet. Es existieren zwei wichtige Theorien, die sich mit dem Erstspracherwerb auseinandersetzen. Zum einen gibt es den Behaviorismus, der besagt, dass ein Kind durch Nachahmung, also durch Nachsprechen von Gehörtem, zur Sprache kommt. Dabei spielt der Output eine entscheidende Rolle, da ein Kind die Sprache erwirbt, indem es sie selber hervorbringt. Die Tatsache, dass die menschliche Sprache ständig Aussagen bildet, die noch nie jemand hervorgebracht hat und damit auch nicht durch Imitation erworben werden konnte, ist dabei ein zu nennender Kritikpunkt. Zum anderen vertritt der Nativismus den Standpunkt, dass Kinder von Geburt an eine sogenannte Universalgrammatik, das heißt grammatikalische Grundregeln, besitzen, die Grundlage für den Spracherwerb sind. Obwohl der L1-Input quantitativ und qualitativ ungenügend sowie fehlerhaft ist und kaum negative Evidenz bietet, wird trotzdem ein vollständiges L1-System aufgebaut.


Sprachförderung in der Schule

Der Spracherwerb wird nicht nur im familiären Umfeld, sondern auch in der Schule und dort besonders durch die Hinführung zur Schriftsprache und später durch die Fachsprachen altersgemäß entfaltet. Somit wird auch das intuitive Sprachwissen gefördert.


Die Erstsprache eines Staates

Man spricht insbesondere auch von der Erstsprache eines Staates, wenn von den Einwohnern mehrere Sprachen verwendet werden. Erstsprache ist dann die, die als Amts-, Kommunikations- und Unterrichtssprache anerkannt ist.


Unterschiede zwischen Erst- und Muttersprache

Besonders in Minderheitensprachen mit starker Durchmischung der dominierenden Sprache gibt es viele Familien, in denen eines der oder beide Elternteile die Minderheitensprache besser beherrschen als die dominierende Sprache, diese unter sich auch normal gebrauchen. Die Kinder solcher Familien werden jedoch häufig dazu angehalten, die besser angesehene und vermeintlich nützlichere Sprache zu sprechen. Dies geschieht meist mit dem Hintergedanken, dass die Kinder später ein erfolgreiches Leben führen sollen. Die eigentliche Muttersprache wird dann oft nur „nebenbei“ erlernt und aktiv nicht mehr wirklich beherrscht.

Ein ähnlicher Effekt tritt oft auch bei Dialekten auf.


Quellen

Wikipedia Aitchison, Jean: Wörter im Kopf. Eine Einführung in das mentale Lexikon, Tübingen 1997. Barkowski/Krumm (Hg.) (2010): „Fachlexikon Deutsch als Fremd- und Zweitsprache“ Ahrenholz, Bernt (2008c): Erstsprache - Zweitsprache - Fremdsprache. In: Ahrenholz,B./Oomen-Welke,I. (eds.): Deutsch als Zweitsprache. (Deutschunterricht in Theorie und Praxis, Handbuch in 11 Bänden, hrsg. v. Winfried Ulrich, Bd. 9) Baltmannsweiler: Schneider Hohengehren, S. 2-15.


Weblinks