Europäisches Sprachenportfolio

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Das Konzept des Europäischen Sprachenportfolios wurde vom Europarat in Strasbourg, entwickelt. Die ersten Erprobungen fanden zwischen 1998 und 2000 statt. Im Europäischen Jahr der Sprachen 2001 wurde das Europäische Sprachenportfolio europaweit vorgestellt. Inzwischen gibt es europaweit mehr als 80 Sprachenportfolios für die unterschiedlichen Zielgruppen.


Das Europäische Sprachenportfolio basiert auf dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen (GER). Alle Sprachkenntnisse werden auf Grundlage der im GER festgelegten sechs Niveaustufen (A1, A2, B1, B2, C1 und C2) eingeordnet. Dazu werden sogenannte „Can-Do“ Deskriptoren („Kann-Beschreibungen“) verwendet. Diese umschreiben in wenigen Worten, welche Sprachkenntnisse eine Person in der jeweiligen Niveaustufe hat.


Was ist das Europäische Sprachenportfolio

Es ist ein Lernbegleiter oder auch Lerntagebuch für alle, die Sprache lernen oder gelernt haben. Das Sprachenportfolio kann in jeder Lernsituation verwendet werden - also sowohl wenn man Sprache in einem Kurs, in der Schule oder zu Hause am PC lernt. Das Sprachenportfolio hilft dem Nutzer/der Nutzerin das Niveau der vorhandenen Sprachkenntnisse festzustellen und zu dokumentieren. Es zeigt Lerntipps auf und hilft beim Setzen von Lernzielen. Durch die langfristige und kontinuierliche Arbeit mit dem Sprachenportfolio wird der Lernprozess besser verstanden.


Ein Sprachenportfolio besteht aus drei Teilen:

  • dem Sprachenpass
  • der Sprachenbiographie
  • dem Dossier


Die Sprachenbiographie unterstützt den Benutzer/die Benutzerin bei der Reflektion und Planung des Lernprozesses. Es können die Vorkenntnisee und Spracherfahrungen sowie kulturelle Erfahrungen des Sprachelerners eingetragen werden. WEiterhin enthält die Sprachenbiographie Checklisten, mit denen u.a. die Einschätzung der Sprachkenntnisse erfolgen kann. Diese Checklisten sind für die Fertigkeiten Lesen, Hören, Schreiben, An Gesprächen teilnehmen und Zusammenhängendes Sprechen verfügbar. Language Biography


Das Dossier bietet dem/r Nutzer/in die Möglichkeit, Materialien und Dokumente, die für das ganz persönliche Sprachenlernen wichtig sind, zu systematisieren. Beispiele könnten z.B. Liedtexte, Musterbriefe, besonders Gelungenes etc. sein.


Der Sprachenpass bündelt die Informationen des Sprachenportfolios. Er enthält neben einer Aufstellung der erworbenen Prüfungen und Zertifikate vor allem eine Zusammenfassung des gesamten Spracherwerbs, also z.B. auch der einjährigen Wandertour durch die französische Schweiz oder dem mehrjährigen Gebrauch im Berufsleben, die beide zu nennenswerten Sprachkenntnissen geführt haben können, ohne formell nachweisbar zu sein. Gleichzeitig wird anhand der obengenannten Deskriptoren der Ist-Stand der Sprachkenntnisse für die Fähigkeitsbereiche Hören, Lesen, Schreiben, „Zusammenhängendes Sprechen“ und „An Gesprächen teilnehmen“ aufgeführt. Damit ist der Sprachenpass ein wichtiges Dokument, um die bei Bewerbungen üblicherweise aufgeführten Sprachkenntnisse zu untermauern. Aus „Abitur“, „Gut“ oder „fließend in Wort und Schrift“ wird eine auch für andere nachvollziehbare Einstufung. Das ist eine wesentliche Voraussetzung für das Verständnis von entsprechenden Bildungsabschlüssen und Zertifikaten und erlaubt den europaweiten Vergleich von Sprachkenntnissen über alle Bildungssysteme hinweg und unabhängig von der Art des Erwerbs.

Zielgruppen

Die meisten Sprachenportfolios europaweit gibt es für den schulischen Bereich. In Deutschland gibt es z.B. das vom Thüringer Kultusministerium entwickelte Sprachenportfolio.


Eine weitere grössere Zielgruppe sind die Migranten oder Zuwanderer. Die umfassendsten Erfahrungen im Einsatz eines Sprachenportfolios haben hier die Iren.


Die dritte Zielgruppe - wenn auch nicht ganz eindeutig abzugrenzen - sind die erwachsenen Lerner. In Deutschland gibt es das durch eine Arbeitsgruppe unter der Leitung des Thüringer Volkshochschulverbandes e.V. entwickelte "Europäische Sprachenportfolio für Erwachsene".


Inzwischen gibt es Bestrebungen Sprachenportfolio für spezifische Zielgruppen zu entwickeln - z.B. Sprachenportfolios für Universitätsstudenten in einer bestimmten Fachrichtung.

Weblinks

Informationen des Goethe-Instituts
Europäisches Portfolio der Sprachen (EPS), learn:line NRW)
ZUM Wiki
Wikipedia
Österreichisches SprachenKompetenzZentrum
Informationen für die Schweiz
Informationen des Europarats