Evaluation

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Evaluation Evaluation (von lat. valere stark sein, wert sein), die, -/-en: Auswertung, Beurteilung, Bewertung

Evaluation als Instrument des kompetenzorientierten Fremdsprachenunterrichts

Evaluation lässt sich in zwei Teilbereiche gliedern: Fremdevaluation und Selbstevaluation

Fremdevaluation

(informelle) Tests: Klassenarbeiten

Bei der Leistungsmessung durch Tests unterscheidet man grundlegend zwischen summativer und formativer Leistungsmessung. Summative Tests stellen bspw. Ergebnisse des Lernens am Ende eines Ausbildungsabschnitts dar. In der Schule häufiger zu finden ist die formative Leistungserhebung. F. Tests bewerten den Prozess des Lernens in Bezug auf einen längeren Zeitraum. Weiterhin unterscheidet man zwischen einer norm- oder bezugsgruppenorientierten Bewertung einerseits und einer kriterienorientierten Bewertung andererseits. Bei erstgenanntem Faktor wird die Einzelleistung innerhalb des Leistungsspektrums einer Gruppe bewertet. Die Kriterienorientierung wird unabhängig von der Lerngruppe angewandt, es gelten die gleichen, vorab festgestellten Kriterien für alle. Die konventionelle Form der Leistungsbewertung von Klassenarbeiten, Referaten, etc. ist die Benotung. Schließlich können drei Gütekriterien von Tests festgelegt werden: Objektivität (Grad der Unabhängigkeit der Bewerter), Reliabilität (Reproduzierbarkeit der Testresultate innerhalb von Toleranzgrenzen), Validität (misst das Testverfahren das, was es zu messen gibt, z. B. inwiefern sind bestimmte Testaufgaben geeignet, einen Lernstoff zu erfassen). Auch die Lernstandserhebung (siehe unten) sollte diesen Gütekriterien gerecht werden.

(formelle) Tests: Lernstandserhebung

Definition

Die Lernstandserhebung besteht aus formellen standardisierten Tests, sogenannten Vergleichsarbeiten, die eine wichtige Grundlage für eine systematische Schul- und Unterrichtsentwicklung darstellen. Vergleichsarbeiten informieren Lehrerinnen und Lehrer darüber, ob und wie Schülerinnen und Schüler einer Lerngruppe über Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten verfügen und inwieweit in den untersuchten Teilbereichen die fachlichen Anforderungen der nationalen Bildungsstandards und der Lehrpläne erfüllt wurden. Durch diese Standardisierung ist es möglich, einzelne Schulen miteinander zu vergleichen und somit deren pädagogische Arbeit besser einschätzen zu können.

Ziele der Lernstandserhebung

Neben der zielgerichteteren Unterstützung und Umsetzung der Lehrpläne und nationalen Bildungsstandards und der Stärkung der diagnostischen Kompetenz der Lehrkräfte ermöglicht die Lernstandserhebung, den Lern- und Förderbedarf im jeweils überprüften Fachbereich festzustellen und somit den Unterricht und die schulische Arbeit in dieser Hinsicht weiterzuentwickeln. Damit verbunden ist natürlich auch die Sicherstellung und Verbesserung der Lehrqualität im Allgemeinen.

Selbstevaluation

Begriffsbestimmung

Bei der Selbsteinschätzung bzw. Selbstevaluation versucht der Lerner seine Lernfortschritte und den Lernstand selbst zu erfassen und zu beurteilen. Selbsteinschätzung wird als eine metakognitive Strategie betrachtet, die vom Lerner gezielt im Unterricht trainiert werden kann. Man unterscheidet Monitoring, als metakognitiven Vorgang bei dem man seinen Lernprozess zeitgleich bewusst betrachtet und überprüft, von self – assessment, das eine retrospektive Sicht auf den Lernprozess darstellt.

Bedeutung

Innerhalb des Sprachlernprozesses und bei der Leistungsmessung spielt neben Fremd- bzw. Lehrpersoneneinschätzung auch die Selbstevaluation eine wichtige Rolle. Um eine immer größere Lernerautonomie zu erlangen, muss der Lernende sein Niveau beurteilen können. Das sogenannte self – assessment ist ein wichtiger Bestandteil der neueren Entwicklung in der Didaktik. Moderne kognitiv – konstruktivistische Modelle beziehen in den Unterricht eine Metaebene der Reflexion über die erbrachten Leistungen durch den Lerner selber mit ein.

Es soll den Lerner zur immer selbständigeren Gestaltung des Lernens befähigen.
Voraussetzungen für das Erlernen von self – assessment

Self – assessment basiert auf kognitiven Fähigkeiten und Persönlichkeitsfaktoren. Darüber hinaus benötigt es begleitendes Fördern, es ist an den Lernkontext gebunden. Schüler bedürfen erst einmal reichhaltigen Inputs durch die Lehrperson, um schrittweise die Kompetenz dazu entwickeln zu können. Besonders anfangs ist für eine produktive Selbsteinschätzung auch der Vergleich mit einer von anderen Personen (Lehrperson, andere Schüler) vorgenommenen Einschätzung wichtig. Gegenwärtig ist diese Art der Reflexionskultur noch im Anfangstadium, in den gängigen Lehrmaterialien finden sich wenig Anregungen dazu. Um Selbstevaluationskompetenz bei seinen Schülern zu fördern, ist der Lehrer auch auf eigene Kreativität angewiesen (z. B. Merkblätter mit Anhaltspunkten zum Nachdenken über Erreichtes, Aufgaben zur Bestimmung des Lernstandes)

Evaluationsverfahren im frühen Fremdsprachenunterricht

Definition

Feststellung des Lernfortschritts in der Primarstufe anstelle von Bewertung mit Noten.

Hintergrund/ Aktuelle Tendenz

Der Gemeinsame europäische Referenzrahmen für Sprache sieht vor, dass jeder Bürger außer seiner Muttersprache zwei weiteren Sprachen mächtig ist. Um das zu erreichen, sollte der Fremdsprachenunterricht bereits im Vorschulalter beginnen. Die Evaluation des Lernprozesses ist ein wichtiges Hilfsmittel, um ein transparentes Sprachenlernen zu ermöglichen.

Ziele

Je nach beteiligten Personen können verschiedene Ziele festgestellt werden: für Kinder bestehen diese in der Information des Kindes über den eigenen Lernfortschritt. Das Wissen um den Fortschritt kann zur Motivation beitragen. Weiterhin kann durch Feststellen des Lernfortschritts die Eigenleistung und die Leistung der Mitschüler besser eingeschätzt werden und Hilfe in der Lerngruppe angeboten werden. Eltern bekommen die Möglichkeit, über die Entwicklung des Kindes informiert zu sein. Lehrer können auf Basis eines regelmäßigen Evaluationsverfahrens den Fremdsprachenunterricht als Forschungsfeld betrachten und anhand von Ergebnissen gegebenenfalls Unterrichtsmethoden anpassen.

Vorgehensweise

Bei der Feststellung des Lernfortschritts in der Fremdsprache sollten LehrerInnen die Ziele des frühen Fremdsprachenunterrichts, wie Interesse an der Sprache wecken, kommunikatives Handeln lernen, interkulturelle Sehweisen erfahren, berücksichtigen. Die ganzheitliche Entwicklung des Kindes steht dabei im Vordergrund. Bewertet werden Ausdrucksvermögen, Kreativität, soziales und sprachliches Handeln, aber nicht formale sprachliche Aspekte. Die Bewertung soll mündlich erfolgen.

siehe auch

Selbstevaluation

(verwandte Begriffe: Bildungsstandards; Qualitätsforschung)

Weblinks

Literaturverzeichnis

  • Bausch, Karl Richard (2009): Handbuch Fremdsprachenunterricht. Stuttgart: UTB.
  • Küster, Lutz/ Decke-Cornill Helene (Hgg.) (2010): Fremdsprachendidaktik. Eine Einführung. Tübingen: Narr Verlag, S. 198 ff.
  • Nieweler, Andreas (2006): Fachdidaktik Französisch. Stuttgart: Ernst Klett Verlag.