Film

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Film ist nicht nur Sammelbegriff für unverarbeitetes oder verarbeitetes Aufnahmematerial sondern bezeichnet auch das projizierte Laufbild eines Stummfilms, der nur die Handlung zeigt, oder eines Tonfilms, der Bild, Geräusche, Sprache und Musik wiedergibt.

Nach Inhalt, Herstellungsweise oder Verwendungszweck sind u.a. zu unterscheiden:

  • Spielfilm, der in bestimmter Länge eine durchgehende Handlung wiedergibt (Historienfilm, Buchverfilmung, Liebesgeschichte, Kriminalgeschichte, Horrorfilm etc.),
  • Kurzfilm: kurzer, nicht ausführlicher, nur auf das Wesentliche beschränkter Film,
  • Dokumentarfilm/Kulturfilm/Wissenschaftlicher Film: Film, der mit dokumentarischen Aufnahmen Ereignisse, Verhältnisse, Vorgänge oder Abläufe aus Zeitgeschehen, Kultur, Wissenschaft etc. möglichst genau und den Tatsachen entsprechend zu schildern bemüht ist,
  • Industriefilm: Film, der u.a. spezielle Vorgänge, Abläufe der industriellen Fertigung usw. festhält, sei es zum Zweck der Schulung, Produktionserfassung und -darstellung oder der Fehlersuche oder aus anderen Gründen,
  • Zeichentrickfilm, der aus einer Folge von gefilmten Zeichnungen besteht, entweder als Spielfilm, Kurzfilm oder auch Werbefilm hergestellt,
  • Unterrichtsfilm: Film, der als Lehr- und Lernmittel eingesetzt wird und dafür unter fachlichen, didaktischen und methodischen Gesichtspunkten angefertigt ist. Als Sonderform kann dem Unterrichtsfilm der Unterrichtsmitschnitt / die Unterrichtsmitschau zugerechnet werden zur Analyse des Lernverhalten der Lernenden aber auch, vor allem in der Aus- und Weiterbildung von Lehrenden, zur Analyse ihres Lehrverhaltens.
  • Werbefilm: kurzer Film, mit dem für etwas Reklame gemacht wird.

Filme sind ein bedeutendes Informations-, Suggestions- und Verständigungsmedium, das durch optisches und akustisches Angebot vielfältige Möglichkeiten im Unterrichtseinsatz bietet, nicht nur in Sachfächern, sondern auch in Sprachlernfächern. So sind Spielfilme, auch in Ausschnitten, und Kurzfilme (vor allem im Anfängerbereich) geeignet für den allgemeinen Spracherwerb als Anlass für Seh-Hör-Übungen, als Nachsprech- oder Sprech- bzw. Gesprächsübungen, als Möglichkeit, bei ausgeschalteter Tonspur zum Erfinden von Gesprächen (und anschließendem Vergleich mit dem ‘Originalton’), für landeskundliche Information und ggf. für interkulturelle Vergleiche und vieles mehr. Dokumentarfilme/Kulturfilme/Wissenschaftliche Filme bieten neben landeskundlichen Informationen und dem allgemein sprachlichen Angebot oft auch inhaltlich und sprachlich Material für fachsprachlich orientierten Unterricht, während Unterrichtsfilme zumeist aufgrund ihrer zuvor festgelegten Zielsetzung ganz bestimmte Inhalte und sprachliche Phänomene vermitteln, meist auch mit entsprechendem Übungsangebot. Werbefilme lassen sich sehr vielseitig im Sprachunterricht einsetzen, da sie nicht nur stereotype Wendungen, Vergleiche, Phraseologismen, Wortspielereien, bildhafte Sprache u.a. bieten, sondern motivierender Anlass sind zum Gespräch über das Thema Werbung, deren Inhalte, die Gestaltung und Wirkung der Werbung, über das Verhalten der Beworbenen (Lernende wie andere Personen). Natürlich kann auch der Vergleich zwischen Werbung hier und dort (Land A/Land B), das Pro und Contra zum Arbeitsthema, u.U. zum Thema von Projektarbeit gemacht werden.

Filmeinsatz im Unterricht kann generell die Fähigkeit der Lernenden fördern, konzentriert und kritisch zu sehen und zu hören in der Verbindung des Seh-Hör-Verstehens, das neben der Schulung der ganz speziellen beobachtend-hörenden Verstehensfähigkeit viele Anlässe zu sprachlicher Tätigkeit der Lernenden bietet. Weiterhin beziehen Filme die Realität in den Unterricht, d.h. den Spracherwerbsprozess ein: neben ganz allgemeinen aber auch speziellen landeskundlichen Informationen lassen sich sprachliche Verhaltensmöglichkeiten in bestimmten Situationen als Vorbild oder als Anregung vorführen, die Verbindung von Sprache, Gestik und Mimik wird sichtbar, die sonst aus dem Lernprozess weitgehend ausgeklammert ist.

Filme können auf Lernende motivierend und bei entsprechender didaktisch-methodischer Verarbeitung auch motivationserhaltend wirken. Filme dürfen daher nicht nur sporadische Lückenfüller sein, sondern sie müssen funktionell in den Unterricht integriert werden. Dies kann in der Motivationsphase sein, in der das Interesse an einem bestimmten Thema, Ereignis etc. geweckt und Aktivitäten hervorgerufen werden sollen, die über den Augenblick der Filmdarbietung hinaus wirken. Der Bezug zu bisherigem Lernstoff und der Übergang zu den neuen Lerninhalten wird in der Erarbeitungsphase geschaffen durch Frage- und Aufgabenstellungen zu Filminhalt, -geschehen und Stoff entsprechend der zur Verfügung stehenden Unterrichtszeit.

Von der Unterrichtszeit hängt auch die Art der Darbietung ab.
1. Es kann der Film nach vorbereitender Arbeit einmal im Ganzen vorgeführt werden. Danach werden die vermittelten Inhalte besprochen, diskutiert, ergänzt und die Ergebnisse gesichert.
2. Bei sehr komplexen Inhalten und Handlungsabläufen kann eine Erst- und Zweitpräsentation nützlich sein. Nach der ersten Präsentation sollte eine grobe Strukturierung erfolgen, Beobachtungs- und Arbeitsaufgaben sind für die zweite Präsentation zu stellen. Nach der zweiten Präsentation folgt eine Feinstrukturierung, bei der weitgehend über die Ergebnisse der zuvor gestellten Aufgaben das aufgefüllt wird, was zuvor ausgelassen wurde.
3. Der Film wird zunächst als Ganzes vorgeführt, wodurch nicht nur ein Gesamteindruck, sondern auch die Grobstruktur des dargestellten Sachverhaltes vermittelt wird, die festgehalten werden sollte. Im zweiten Durchgang wird der Film in Einzelsequenzen entsprechend den festgehaltenen groben Strukturabschnitten dargeboten und bearbeitet.
4. Aufgrund filmimmanenter Strukturen, die sich in filmgestalterischen Maßnahmen (Schnitte, Rückblenden, Zwischentitel, optische oder akustische Zeichen usw.) zeigen, kann der Film in einem ersten Durchgang in entsprechenden Abschnitten vorgeführt und bearbeitet werden. Die Einzelergebnisse werden zusammengefasst und durch die nochmalige Darbietung des Films ohne Unterbrechungen gesichert.
Es kann sich an alle diese Phasen jeweils eine allgemeine Diskussion bzw. ein Gespräch über den Film und Aufnahmetechniken, sein Thema, die Art der Darstellung, die Darsteller, über Verhaltensweisen, mögliche andere Lösungen, die Filmmusik und ihre Funktion, Filmplakate usw. anschließen, bei denen das durch den Film vermittelte Sprachmaterial, aber auch Gestik, Mimik und landeskundliche Informationen aktiv angewendet werden.

Wieweit filmästhetische Erziehungsaufgaben in den Sprachunterricht gehören, mag dahingestellt bleiben. In erster Linie können Filme authentische Sprache in landeskundlich originären Situationen und Verhaltensweisen vermitteln und zur Schulung des Seh-Hör-Verstehens beitragen.

Wenn auch das in vieler Hinsicht überlegenere Video mit seinen technischen Möglichkeiten die Vorführung von Filmen mit Filmvorführgeräten abgelöst hat, gilt dennoch auch für Video-Filme das, was für herkömmliche Filme galt. Die weiter fortschreitende Entwicklung in Richtung Multimedia wird auch auf dem Gebiet des Filmeinsatzes im Sprachunterricht zu weiterführenden didaktisch-methodischen Überlegungen zwingen.


Weblinks

FWU Institut für Film und Bild

Bibliographie

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