Fragetechnik

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Fragetechnik ist die Fähigkeit, Fragen inhaltlich, formal und logisch so zu stellen, dass Kommunikation zwischen den Gesprächspartnern in Gang gebracht und weitergeführt wird. Im Unterricht führt sie dazu, dass Lerninhalte im Gespräch verarbeitet und angewendet werden. Richtige Fragetechnik muss erlernt und geübt werden.

Ziele

Lehrende lenken durch richtige Fragetechnik nicht nur den Unterrichtsverlauf, sondern leiten auch die Lernenden zur eigenen Fragetechnik an.

Sowohl vorgeplante Fragen als auch improvisierte in der richtigen Form und am richtigen didaktischen Ort regen zur Mitarbeit an und sind Anlass dazu, dass eigene Erfahrungen und Meinungen eingebracht werden.

Geringe oder gar ausbleibende Mitarbeit der Lernenden ist sehr oft die Reaktion auf Fragen, die als banal, überflüssig, autoritär oder disziplinierend usw. empfunden werden. Auch das Gefühl, von Lehrenden nicht ernst genommen zu werden oder dass diese sich nicht genügend vorbereitet haben, zeitigt gleiche Wirkung.

Im Anfängerunterricht

Im Anfängerunterricht sind Fragen häufig bevorzugtes und vorherrschendes Mittel, die Lernenden zu aktivieren. Dies um so mehr, als für echte Gespräche die Sprachkenntnisse der Lernenden zunächst noch nicht ausreichen. Wichtig ist, dass Fragen weder zu schwer noch zu leicht sind und dass sie in logischem Zusammenhang mit dem Lernstoff stehen. Bei Texten als Grundlage sollten die Fragen so gestellt und verknüpft sein, dass die Antworten nicht etwa nur eine satzweise Wiederholung des Textes ergeben, sondern dass der Text verarbeitet und im Rahmen der Möglichkeiten der Lernenden umgeformt wird. Es sollten auch keine Antworten in ganzen Sätzen verlangt werden, wenn wie sprechüblich nur eine Ergänzung allein genügt; so sollte etwa auf die Frage ”Wer hat das gemacht?” die Antwort ”Ursula.” genügen und nicht etwa ”Ursula hat das gemacht.” gefordert werden.

Auch wo sich die Übung bestimmter Grammatik (z.B. Inversion, Gliedsätze) anzubieten scheint, sollte darauf verzichtet und auf Sprechüblichkeit geachtet werden: ”Wer hat den Film gesehen?” ”Ich.” und nicht ”Ich habe den Film/ihn gesehen.” oder ”Warum kommt er denn nicht?” nicht ”Er kommt nicht, weil er krank ist.”, sondern ”Weil er krank ist.”.

Die sog. Journalisten- oder W-fragen sind im Anfänger- wie Fortgeschrittenenunterricht durchaus gerechtfertigt.

Bei Anfängern wird es dabei hauptsächlich darum gehen, Texte inhaltlich zu erschließen. Schon dabei sollte man nicht versäumen, von Anfang an zu zeigen, auf welche Inhalte die einzelnen W-Fragen abzielen und welche grammatischen Hilfen u.U. der Text bietet, wie z.B. die nachfolgende sicher unvollständige Aufstellung zeigt:

Fragewort Frageziel Hilfe im Text
Wer ...? Personen, Institutionen Eigennamen, Nomen, Pronomen; Nominativ/Subjekt
Was ...? Handlungen, Zustände Verbalnomina (-heit, -keit etc.), Pronomina, Nominativ/Subjekt
Wen ...? Personen, Institutionen Eigennamen, Nomen, Pronomen; Akkusativ/Objekt
Wem ...? Personen, Institutionen Eigennamen, Nomen, Pronomen; Dativ (ohne/mit Präposition)/Objekt
Was ...? Institutionen, Handlungen, Zustände Eigennamen, Verbalnomina (-heit,-keit etc.) Pronomina Akkusativ/Objekt
Wann ...? Zeitangaben Adverbien, Präpositionen + Nomen
Warum...? Gründe, Begründungen Kausalsätze, Adverbien, Präpostionen + Nomen (wegen, bedingt durch, zwecks)
Wo ...? Ortsangaben Adverbien, Präpositionen + Nomen
Wie ...? Angaben zur Art und Weise Modalangaben/Adverbien,Modalkonjunktionen (indem, dadurch ... dass), Präpositionen + Nomen (mithilfe von, mit, durch, anhand von, indem, dadurch dass)

Beispiele für Fragereihen, die durchaus auch bei Anfängern möglich sind, seien hier angeführt:

(n = Person/Institution; y = Handlung, Geschehen):

    WAS geschieht? / ist / geschehen?
    WER ist / war an y / beteiligt?
    WANN geschieht / ist / y / geschehen?
    WO geschieht / ist / y / geschehen?
    WARUM geschieht / ist / y / geschehen?
    WIE geschieht / ist / y / geschehen? usw.

oder

    WER tut / hat / y ? / getan?
    WAS tut / hat / n ? / getan?
    WANN tut / hat / n y ? / getan?
    WO tut / hat / n y ? / getan?
    WIE tut / hat / n y ? / getan?
    WARUM tut / hat / n y ? / getan?
    WOZU tut / hat / n y ? / getan?
    [WEN betrifft / hat / y ? / betroffen?]
    [WEM nützt / schadet / hat / n mit y? / genützt / geschadet?] usw.

Aber auch der Text selbst kann Gegenstand der Fragen sein – dies mehr im Unterricht mit Fortgeschrittenen, da hier die Sprachkenntnisse entsprechende Äußerungen erlauben. Es können neben der o.a. schon angeführten Grammatik noch andere ”Signale” für die Beantwortung der Fragen eine Rolle spielen:

Fragewort Frageziel Hilfe im Text
Wer ...? Thema, Inhalt Überschrift, Titel, Zwischentitel, Stichwörter
Wie ...? Form (sachlich, kritisch, satirisch, kommentierend) Art und Weise (voraussagend, hinweisend, aktuell, analysierend, kommentierend, berichtend) Textsorte, Lexik, Syntax
Wer ...? Autor Namen, Hinweise
Warum ...? Gründe (Aktualität, Wiederaufnahme, Erinnerung) Kausalangaben/-sätze, Zeit-, Ortsangaben, Hinweise, Rückgriffe
Wozu ...? Absichten (berichten, informieren über, beeinflussen) Modalverben, Modalangaben/-sätze
Wann ...? Zeitpunkt der Publikation und Aufnahme durch Hörer/Leser, Situation vorher – zugleich – nachträglich Zeitangaben

Gefragt werden könnte:

    WAS wird ge(be)schrieben/gesagt/berichtet?
    WIE wird y ge(be)schrieben/gesagt/berichtet?
    WER hat y ge(be)schrieben/gesagt/berichtet?
    WARUM wird y ge(be)schrieben/gesagt/berichtet?
    (Warum wird y von n ge(be)schrieben/gesagt/berichtet?)
    WOZU wird y ge(be)schrieben/gesagt/berichtet?
    WO wird y ge(be)schrieben/gesagt/berichtet?
    Wann wurde y ge(be)schrieben/gesagt/berichtet?
    WANN wird y gelesen/gehört?
    VON WEM wird y gelesen/gehört? usw.

Im fortgeschrittenen Unterricht

Auch bei Fortgeschrittenen ist zu beachten, dass Fragen dem logischen Aufbau des Textes folgen. Es muss in Fragen und Antworten lexikalische und grammatische Über- oder Unterforderung vermieden werden. In den Antworten sollte Sprechüblichkeit statt Grammatikübung vorherrschen.

Siehe auch

Frage

Weblinks

Bibliographie