Grammatiken

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Grammatiken sind die Beschreibung sprachlicher Regularitäten. Es kann unterschieden werden zwischen

  • wissenschaftlichen Grammatiken als sprachwissenschaftlicher theoretischer Darstellung einer Sprache und ihres Regelsystems unabhängig von den Benutzern dieser Sprache, sowie zur Information usw.
  • Gebrauchsgrammatiken und Lerngrammatiken, die die Sprache unter zielgruppen- und/oder fertigkeitsspezifischen Aspekten für das Sprachlernen und den Sprachunterricht darstellen.

Das Angebot von Grammatiken

Grammatiken für den Fremdsprachenunterricht, hier DaF, lassen sich etwa nach folgendem Schema beschreiben:

Grammatiken bsp1.jpg

Klassifizierungen

Typologische Klassifizierungen von Grammatiken nach Merkmalen sind nicht immer einfach, da meist mehrere zusammentreffen, die sich gegenseitig bedingen können (z.B. Zielsetzung, Gegenstand, Methode). Solche Merkmale können sein:

  • Gegenstandsbestimmung oder -auswahl (standardsprachlich, fachsprachlich etc.),
  • Methode (operational, klassifikatorisch usw.),
  • Beschreibungsaspekt (z.B. Dependenz-, Konstituenten-, Kasusgrammatik),
  • Darstellungsform (etwa formalisiert, visualisiert),
  • Zielsetzung (pädagogisch usw.),
  • Adressaten- und Benutzergruppe (Lerner, Lehrende, Wissenschaftler, Lehrwerksautoren).

Oft werden Grammatiken auch nach ihrer Beschreibungsabsicht charakterisiert. Dabei lassen sich die einzelnen Bezeichnungen nicht immer scharf voneinander trennnen. So ist im Grunde jede Grammatik eine deskriptive Grammatik, da sie den vorhandenen Sprachbestand oder einen ausgewählten Teil von ihm unter bestimmten Gesichtspunkten beschreibt.

Die Grammatik wird bezeichnet als  
normativ, präskriptiv sie setzt Normen für den zulässigen und unzulässigen Gebrauch der sprachlichen Mittel
deskriptiv sie beschreibt die vorhandenen Sprachmittel, bezieht jedoch wechselnde Sprachrealitität ein
formal sie erfasst nur beobacht-, beschreib- und ggf. messbare Erscheinungen und Beziehungen
funktional sie untersucht die kommunikativ-pragmatische Funktion grammatischer Kategorien und Strukturen
kommunikativ erfasst die Erscheinungen in ihrer funktionalen Zuordnung zu Sprechabsichten, -situationen und im Produktions sowie im Rezeptionsprozess
kommunikativ-didaktisch weist die zuvor genannten Kriterien auf, gewichtet die Sprachmittel nach ihrer kommunikativen Funktion und legt ihre Progression fest
pädagogisch ist als Lerngrammatik meist integrierter Bestandteil eines Lehrwerks, listet sprachliche Mittel im Bezug zu Redeabsichten und Sprechsituationen in einer bestimmten Progression auf. Sie versucht adressatengerechte Darbietung und berücksichtigt Lern- und Lehrschwierigkeiten, enthält Übungen, ist ggf. nur auf eine Fertigkeit bezogen.

Älteren Lehrwerken für DaF liegen überwiegend normativ-präskriptive, deskriptive und formale Grammatiken zu Grunde. Jüngere und jüngste Lehrmaterialen richten sich mehr an kommunikativ(-didaktisch)en und pädagogischen Grammatiken aus.

Weblinks

Bilbiographie

Kleineidam, Hartmut / Raupach, Manfred: Grammatiken. In: Bausch, Karl-Richard et al. (Hrsg.): Handbuch Fremdsprachenunterricht. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage, Tübingen und Basel 1995, S. 298–301.
Lewandowski, Theodor: Linguistisches Wörterbuch, Bd. 1–3. 5., überarbeitete Auflage, Heidelberg/Wiesbaden 1990.