Hausaufgabe

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Hausaufgabe ist jede Arbeit, die Lernende nach Aufgabenstellung(en), die die/der Lehrende vorgegeben hat, mündlich, schriftlich oder lesend außerhalb des Unterrichts ohne Anwesenheit des/der Lehrenden durchführen soll.

Für und Wider

Es ließen sich eine Reihe von Argumenten sowohl für als auch gegen die Effektivität der Hausaufgabe anführen. So lange jedoch in empirischen Untersuchungen ihre Ineffektivität nicht nachgewiesen wird, muss davon ausgegangen werden, dass eine sinnvoll gestellte Hausaufgabe den Lehr- und Lernprozess unterstützt und fördert.

Als positive Funktionen der sinnvoll gestellten Hausaufgabe kann angenommen werden, dass

  • der Lernstoff einer Unterrichtsstunde produktiv nachbereitet, gefestigt und angewendet wird,
  • dabei Lernzuwachs erreicht wird (etwa mit einer Aufgabe, bei der in der Grundform vorgegebene Adjektive bei der eigenständigen Beschreibung eines Bildes verwendet werden sollen statt der Ergänzung nur fehlender Adjektivendungen in vorgegebenen Sätzen),
  • Methoden selbstständigen Arbeitens erworben werden,
  • vor allem kooperative oder kollektive Anfertigung der Hausaufgabe interessante Kommunikationsprozesse zwischen den Lernenden auslösen kann.


Negative Auswirkung hat eine Hausaufgabe, die

  • nur reproduktiven, automatisierenden Charakter hat (so z.B. Ergänzungs- und Einsetzübungen, Umwandlungsübungen, etwa Verbformen aus dem Präsens ins Perfekt umzuwandeln usw.), wie dies zumeist, aber nicht nur, im Anfängerunterricht der Fall ist,
  • in keinem Zusammenhang mit dem behandelten Stoff steht,
  • unklar gestellt oder zu schwierig ist, so dass sie nicht ohne fremde Hilfe gelöst werden kann,
  • nur dazu dient, das von den Lernenden beenden zu lassen, was die/der Lehrende im Unterricht nicht mehr erledigen konnte,
  • möglicherweise den Charakter einer Strafarbeit trägt.

Aufgabenstellungen

Bei der Stellung jeder Hausaufgabe sind einige wichtige Punkte zu beachten, damit sie von Lernenden als sinnvoll und nützlich angesehen werden kann. Die Hausaufgabe sollte

  • selbstverständlich mit dem behandelten Lernstoff eng zusammenhängen, da sie integrativer Teil des Unterrichts ist,
  • eine fantasievolle, produktive Anwendung des Lernstoffs fördern,
  • vor allem rechtzeitig vor dem Ende der Unterrichtseinheit gestellt werden, damit ggf. klärende Rückfragen möglich sind,
  • durch vorherige mündliche Behandlung im Unterricht Rückgriffe erlauben (z.B. bei Grammatikaufgaben: beispielhafte Übungen; bei Textarbeiten: Inhaltszusammenfassungen, Ausdrucksvariation oder Formulierungshilfen usw.),
  • so gestellt sein, dass Anforderungen und Arbeitsablauf klar sind,
  • ohne fremde Hilfe durchzuführen sein,
  • ein ausgewogenes Verhältnis zwischen mündlichen, schriftlichen Aufgaben und Leseaufgaben aufweisen,
  • in ihrer Menge die Arbeitsbelastung der Lernenden (durch andere Fächer etc.) berücksichtigen (Zeitaufwand sollte ca. 30 Minuten nicht überschreiten),
  • durchaus auch kollektives und kooperatives Arbeiten fördern oder durch Aufteilung auf mehrere Lernende (vor allem bei Leseaufgaben) die Belastung der einzelnen Lernenden verringern,
  • differenzierend nach Lerntempo, -interesse usw. gestellt werden,
  • methodisch abwechslungsreich und damit motivierend gestaltet werden (Aufgabenblätter, Informationsaufgaben, Eigentätigkeit usw.),
  • Freude bereiten und nicht als Strafe empfunden werden,
  • u.U. (etwa Kurse mit Berufstätigen) auch auf der Basis der Freiwilligkeit erbracht werden können und so die Eigenverantwortung der Lernenden ansprechen,
  • den Lernenden zeigen, dass sie mit der Anfertigung ihrer Hausaufgabe einen positiven Beitrag zum Unterrichtsablauf leisten,
  • Anlass zum Lob positiver, nicht aber zur Hervorhebung negativer Leistungen sein,
  • grundsätzlich außerhalb des Unterrichts kontrolliert und korrigiert werden, da nur so für Lernende die Bedeutung der Hausaufgabe ersichtlich wird und der/dem Lehrenden Rückschlüsse auf Lerndefizite möglich sind, die im nachfolgenden Unterricht ausgeglichen werden können,
  • durch die konsequente nachfolgende Besprechung solchen Lernenden, die aus unterschiedlichen Gründen die Hausaufgabe nicht anfertigen konnten, Möglichkeit zur Wiederholung bieten,
  • nur dann im Unterricht kontrolliert werden, wenn sie sich auf den weiteren Unterrichtsablauf bezieht oder den Einstieg in das nachfolgende Unterrichtsthema möglich macht.

Vorbereitung und Nachbereitung

Jede Hausaufgabe lässt sich grob gesehen zwei Bereichen zuordnen, entweder der Nachbereitung, was überwiegend der Fall ist, oder der Vorbereitung.

Der Nachbereitung dient z.B.

  • jede Abschreib-, Ergänzungs-, Umwandlungs-, Erweiterungsaufgabe,
  • entweder eine Übung aus dem Lehrwerk oder ein Arbeitsblatt, ein Lückentext usw.,
  • die mündliche oder schriftliche Beantwortung von Wiederholungsfragen zu einem bearbeiteten Text,
  • die Textrekonstruktion, auch anhand eines Textgerüstes,
  • Textzusammenfassungen oder Inhaltsangaben mit eigenen Worten,
  • Strukturierung eine behandelten Textes durch Überschriften,
  • Ergänzung eines unvollständigen Textes.

Vorbereitung wird durch jede Hausaufgabe erreicht, die Eigenaktivität verlangt, also etwa

  • eigenständiges Sammeln von Informationen zu einem Thema,
  • Vergleichen und Auswerten,
  • selbstständiges Lesen,
  • Aufstellen von Hypothesen zu einem vorgegebenen Thema,
  • Referieren zu einem Themenbereich usw.

Eine vorbereitende Hausaufgabe führt zu einem stärker lernerzentrierten Unterricht, in dem die/der Lehrende mehr eine Koordinations-, Moderations- oder Helferrolle übernimmt.

Die Hausaufgabe kann durchaus auch als Mittel zur Erfolgskontrolle angesehen werden. Doch wird sie nicht nur den Lernerfolg der Lernenden feststellen, sondern sollte auch Lehrende dazu anregen, sich selbstkritisch mit dem eigenen Lehrverhalten und -verfahren auseinanderzusetzen, vor allem dann, wenn sehr viele Fehlleistungen in der Hausarbeit der betroffenen Lernergruppe auftreten.

Weblinks

Bibliographie

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Kurtz, Gunde: ”Hausaufgaben” wirkungsvoll selbst gestalten. Anregungen für zielgerichtetes selbstständiges Lernen. In: Fremdsprache Deutsch 8: Lernstrategien, 1/1993, S. 39–43.
Müller-Bülow, Edeltraut: Berücksichtigung individueller Unterschiede der Schüler bei Hausaufgaben. In: Fremdsprachenunterricht 23/1979, S. 436–439.
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