Koedukation

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Definition

Koedukativer Unterricht ist eine besondere Methode der gemeinsamen Erziehung beider Geschlechter unter bewusster Verarbeitung der geschlechtsspezifischen Sozialisation.“ (Scheffel, H. (1996), S.50) Die bewusste Aufnahme geschlechtsspezifischer Besonderheiten in den Unterricht bezieht den Abbau des geschlechtsspezifischen Rollenverhaltens und der Benachteiligungen der Frau in der Gesellschaft mit ein. Prof. Dr. Siegrid Metz Göckel definiert Koedukation als:„...gemeinsame Erziehung von Jungen und Mädchen mit dem Ziel, die Fähigkeit einer wechselseitigen Rollenübernahme zu erwerben, voneinander und miteinander als Individuen zu lernen und sich als solche zu verhalten, ...“ (Metz Göckel, 1997)

Etymologie

Der Begriff kommt aus dem Lateinischen und setzt sich aus den Wortstämmen „co-“(gemeinsam) und „educatio“(Bildung) zusammen und bezeichnet die gemeinsame Bildung und Erziehung von Mädchen und Jungen.

Abgrenzung Koedukation von Koinstruktion

Maria Anna Kreienbaum grenzt die Koedukation von Koinstruktion ab:

„Wenn man Jungen und Mädchen lediglich gemeinsam in ein Klassenzimmer bringt, bedeutet dies erst mal nur Koinstruktion. Koedukation verlangt darüber hinaus ein gemeinsames Unterrichtskonzept, das die Gemeinsamkeiten wie die Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen fruchtbar macht.“(Kreienbaum, M. (1992), S. 23)

Drei Ansätze der Koedukation

Im Allgemeinen kann man drei Ansätze der Koedukation unterscheiden.

Ansatz Mädchenparteilichkeit

Ein wichtiger Vertreter ist Scheffel (1996). Ziele bestehen vor allem darin, dass gelernt wird Stärken zu erkennen und sie weiterzuentwickeln, dass sich Raum genommen wird und dass sich von fremden Wertmaßstäben gelöst wird. Dabei werden aber Jungen systematisch benachteiligt.

Ansatz Jungenarbeit

Wichtige Vertreter sind hier Schulz & Seidensticker (1997) und Schmerbitz (1997). Zu den allgemeinen Zielen gehören:

  • Selbstwertgefühl stärken
  • Sensibilität und Nachdenklichkeit fördern
  • Veränderung des eigenen Körpers-, Sport- und Bewegungsverständnis
  • Freundschaft und Gemeinschaftsgefühl erfahren
  • Kommunikation- und Konfliktfähigkeit erlernen

Die große Gefahr in diesem Ansatz besteht in der systematischen Benachteiligung der Mädchen.

Ansatz Reflexive Koedukation

Hierbei geht es um einen reflexiven Koedukationsunterricht und Geschlechtsunterricht in allen Schulfächern, mit dem Ziel beiden Geschlechtern über Inhalte und Interaktionsformen breite Verhaltensmöglichkeiten auf egalitärer Basis zu ermöglichen.

Quellenangabe

  • Brehmer, I. (1992). Mädchenerziehung und Frauenbildung im deutschsprachigen Raum. Bad Heilbrun
  • D. & Balz, E. (Hrsg.), Sportpädagogik. Ein Arbeitstextbuch (S. 201-210). Hamburg: Czwalina
  • Faulstich-Wieland, H. (1991). Koedukation, enttäuschte Hoffnungen? (S. 136-148). Wiss. Buchges.: Darmstadt
  • Hartmann-Tews, I. & Rulofs, B. (2006). Handbuch Sport und Geschlecht. Schorndorf
  • Kreienbaum, M. (1992). Erfahrungsfeld Schule, Weinheim
  • Kugelmann, C. (2002). Geschlechtssensibel unterrichten - Eine sportdidaktische Herausforderung. In: Kugelmann, Claudia ; Zipprich, C. (Hrsg.) : Mädchen und Jungen im Sportunterricht. Beiträge zum geschlechtssensiblen Unterrichten. dvs. Bd. 125., S. 11-20.
  • Kugelmann, C., Röger, U. & Weigelt, Y. (2006). Zur Koedukationsdebatte: Gemeinsames oder getrenntes Sporttreiben von Mädchen und Jungen. In Hartmann-Tews, I. & Rulofs, B. (Hrsg.), Handbuch Sport und Geschlecht (S. 260-274). Schorndorf: Hofmann-Schneider.

Weblinks