Kooperatives Lernen

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Kooperatives Lernen ist „eine Form der Organisation des Klassenzimmers, bei der Lernende in kleinen Gruppen arbeiten, um sich gegenseitig zu helfen“ (Slavin, 1995). Alle Gruppenmitglieder sind gleichberechtigt am Lerngeschehen beteiligt und tragen gemeinsam Verantwortung für das Lernergebnis. Die Betonung liegt deshalb auf der Entwicklung von Sozialkompetenz neben der Inhaltsvermittlung.

Grundlage

Ausgangspunkt für kooperatives Lernen bieten die Überlegungen, dass Lerninhalte von Schülern nur behalten werden, wenn diese für sie persönlich bedeutsam werden und eine aktive Auseinandersetzung mit ihnen erfolgt. Außerdem wurde durch einige Studien (z.B. Johnson & Johnson, 1999) nachgewiesen, dass sich die soziale Einbindung durch Kooperation positiv auf die Lernmotivation auswirkt, da der Einzelne das Gefühl hat, einer Gemeinschaft anzugehören, in die er seine eigenen Fähigkeiten gewinnbringend einbringen kann.

Ziele kooperativen Lernens

Primäres Ziel kooperativen Lernens ist es, Vermittlung von Fachwissen mit dem Erlernen sozialer Kompetenzen und der Gestaltung sozialer Beziehungen zu verbinden. Im Einzelnen bedeutet das z.B., dass den Schülern Kommunikationsfähigkeit, Konfliktlösefähigkeit (in Bezug auf andere) und Problemlösekompetenz (in Bezug auf Aufgaben) vermittelt werden soll. Außerdem sollen die Schüler durch das breite Methodenspektrum aktiviert und motiviert werden und durch vielfältige Ansätze und Strategien soll eine Verbesserung der Gruppenqualität insgesamt, aber auch der Einzelleistungen erfolgen. Außerdem soll durch Gruppenfeedback und den eigenen Beitrag zur Gruppenarbeit eine Stärkung des Selbstwertgefühls des Einzelnen herbeigeführt werden.

Fünf gemeinsame Merkmale (nach Sherman et al., 2007)

Positive gegenseitige Abhängigkeit (Interdependenz)

Die Gruppenmitglieder stehen insofern in einem gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnis, als jeder Einzelne das gemeinsame Ziel nur erreichen kann, wenn alle Gruppenmitglieder ihr Ziel erreichen. Eine alleinige Zielerreichung ist demnach nicht möglich.

Individuelle Verantwortlichkeit

Jedes Gruppenmitglied übernimmt Verantwortung für den eigenen und den Lernprozess der gesamten Gruppe.

Face-to-face Kommunikation

Die Gruppenmitglieder arbeiten unmittelbar zusammen und reden von „Angesicht zu Angesicht“ miteinander.

Heterogene Gruppen

Die einzelnen Mitglieder der Gruppe unterscheiden sich vor allem im Hinblick auf ihren Wissens- und Fähigkeitsstand aber auch im Hinblick auf Geschlecht, Einstellungen, sozialer und kultureller Herkunft.

Soziale Fertigkeiten

Soziale Fertigkeiten sind Voraussetzung, Inhalt und Ziel des kooperativen Lernens zugleich. Kommunikationsfähigkeiten werden gefördert und gefordert, die Schüler müssen sich gegenseitig akzeptieren und unterstützen.

Einige Vorteile für den Unterricht

  • Förderung kommunikativer Kompetenzen
  • Positivere soziale Beziehungen
  • Selbstständigkeit, Eigenverantwortung und Konfliktregulierung
  • Kritisches Denken wird angeregt
  • Steigerung von Selbstwertgefühl
  • Entwicklung alternativer Problemlösungen in sicherer Lernumgebung
  • Vielfalt von Wissenskonstruktionen


Wichtige Voraussetzungen für effektives kooperatives Lernen

Interdependenz der Schüler

Positive Interdependenz besteht, wenn alle Gruppenmitglieder auf ein Ziel hinarbeiten und dabei die Einzelergebnisse von den anderen abhängig sind. Dafür ist erforderlich, dass gleichzeitig jeder Einzelne individuelle Verantwortung für sein Handeln übernimmt, da sich die Gruppenarbeit aus für sich identifizierbaren Einzelbeiträgen ergibt. Interdependenz wird hergestellt durch:

Zielabhängigkeit

Die Gruppe muss ein gemeinsames klar definiertes Ziel erreichen, bei dem vorher festgelegt ist, was von den einzelnen Gruppenmitgliedern erwartet wird. Den Schülern muss klar sein, dass jeder Einzelne sein Ziel nur erreichen kann, wenn die gesamte Gruppe ihr Ziel erreicht.

Rollenabhängigkeit

Den Schülern werden innerhalb einer Gruppe verschiedene Rollen zugewiesen, die sie beim gemeinsamen Lernen erfüllen sollen z.B. Leiter, Berater, Entscheider, Impulsgeber

Ressourcenabhängigkeit

Jedes Gruppenmitglied bekommt nur Teile der notwendigen Informationen oder des Materials, so dass diese in Kooperation mit den anderen Mitgliedern vervollständigt werden müssen.

Kooperation in heterogenen Gruppen (s.o.)

Persönliche Verantwortungsübernahme (s.o.)

Verantwortungsübernahme kann außerdem dadurch hergestellt werden, dass man deutlich macht, dass sich die Gruppenleistung aus Einzelleistungen zusammensetzt und z.B. Leistungs- oder Wissensfragen gestellt werden, die durch einzelne beantwortet werden müssen. Eine Berücksichtigung individueller Lernfortschritte könnte z.B. durch die Vergabe von Punkten je nach Leistungszuwachs geschehen.

Die Lehrerrolle

Vorbereitung des Unterrichts

Arbeitsauftrag festlegen, Gruppen- und Rollenverteilung, Material- und Raumplanung

Durchführung

Hauptaufgabe der Lehrkraft ist das Beobachten. Schüler arbeiten weitgehend selbstständig und Fehler werden toleriert.

Nachbereitung, Auswertung

Ergebnissicherung und Reflexion der Gruppenprozesse zusammen mit den Schülern

Literatur

  • Berg, A. (2010). Lernen in heterogenen Gruppen. Frankfurt am Main: Lang.
  • Borsch, F. (2010). Kooperatives Lehren und Lernen im schulischen Unterricht. Stuttgart: Kohlhammer.
  • Brüning, L. (2006). Erfolgreich unterrichten durch kooperatives Lernen. Essen: Neue Deutsche Schule.
  • Johnson, D./Johnson, R./Holubec, E. (2005). Kooperatives Lernen – Kooperative Schule. Mühlheim: Verlag an der Ruhr.
  • Konrad, K. (2008). Kooperatives Lernen. 3. Aufl. Baltmannsweiler: Schneider-Verlag Hohengehren.
  • Rabenstein, K. (2007). Kooperatives und selbstständiges Arbeiten von Schülern. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften.
  • Slavin, R. (1995). Cooperative Learning. Boston: Allyn and Bacon.

Weblinks

Kooperatives Lernen
learn:line NRW, Kooperative Lernen
Kooperatives Lernen, Wikipedia
InTime, Cooperative Learning
ZUM Wiki, Kooperatives Lernen
SINUS-Transfer, Entwicklung von Aufgaben für die Kooperation von Schülern
Bildungsserver Berlin-Brandenburg, Kooperatives Lernen
Kooperatives Lernen: Theorie und Praxis