Kreativität

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Kreativität ist die schöpferische Kraft, mit der Anregungen innerhalb kurzer Zeit durch originelle Ideen in unkonventionelle Lösungen umgesetzt werden. Konkrete Aufgaben werden produktiv und gestalterisch auf neuen Wegen gelöst, was zu überraschenden und unerwarteten Ergebnissen führt.

Was ist Kreativität?

Kreativität beruht neben Intuition, Fantasie und Ideenreichtum u.a. auch auf reichem (Sach-)Wissen, das vielfältig genutzt werden kann. Im sprachlichen Bereich ist dieses Wissen mit großer sprachlicher Kompetenz gleichzusetzen.

Die Bereitschaft zur Kreativität wird ggf. von Umgebung und deren materiellen Bedingungen, Größe und Verhältnis der beteiligten Gruppe und der dadurch entstehenden Atmosphäre beeinflusst.

Kreativität lässt sich nur sehr unvollkommen beschreiben. Neben die genannten Voraussetzungen treten noch andere Eigenschaften, die Kreativität anregen oder ihr förderlich sind. So gehört etwa auch die Neugier auf alles, was neu oder unbekannt ist, dazu, wodurch dann schöpferische und erfinderische Kräfte angeregt werden, die ideenreich, fantasievoll, z.T. auch unkonventionell die Anregungen weiterführen und in Neues umsetzen.

Weiter müssen Fähigkeiten vorhanden oder entwickelt sein, Probleme zu erkennen und Lösungsmöglichkeiten zu suchen und zu finden. Dies bedingt rasch reagierendes (flexibles) Denkvermögen, das in schnelles aber auch vorausschauendes (kurz-/mittel bis langfristiges) Planen umgesetzt wird und zu spontanem, abwechslungsreichem, entdeckendem und originellem Handeln führt, das herkömmliche Wege umfunktioniert oder verlässt.

Äußerungen von Kreativität

Je nach zu Grunde liegender Anregung und persönlicher Anlage kann sich Kreativität in verschiedener Weise äußern: gedanklich/sprachlich, anschaulich/grafisch oder räumlich/ mathematisch.

Kreativität ist dann auszumachen, wenn aus einigen wenigen Materialien/Vorgaben in einem Denk- und Handlungsprozess etwas völlig Neues und Unerwartetes erstellt/ geschaffen wird. Ein kreativer Prozess durchläuft bei aller Spontaneität im Allgemeinen mehrere Stufen:

  1. Anregung: ein Problem, Stichwort etc. löst Denkakte aus;
  2. Bewusstmachung: erste Hypothesen zu einer möglichen Lösung werden aufgestellt, Strukturierung bzw. Umstrukturierungen beginnen;
  3. Eingebung: Einzelheiten zu einer Lösung oder ein Lösungsweg zeigen sich (unerwartet);
  4. Durchführung: Einzelheiten werden zu einer Lösung verbunden, der Lösungsweg begangen, wobei ständig neue Ideen auftauchen und nach ihrer Nützlichkeit für die Lösung verarbeitet oder verworfen werden.

Der Begriff

Bedauerlicherweise wird der Begriff Kreativität (und mit ihm das Adjektiv kreativ)sowohl in der Theorie und Praxis, der Didaktik und Methodik des Sprachunterrichts häufig falsch (und als modisches Schlagwort) verwendet. Falsch vor allem dann, wenn diese Begriffe auf Übungen/Übungsreihen oder Unterrichtsverläufe angewendet werden, an deren Ende als eigentlich selbstverständliches Lernziel die Beherrschung des Lernstoffes in mehr oder weniger vorgegebenem Rahmen steht, in dem keine Aktivierung des allgemeinen Wissens, persönlicher Ideen und Gestaltungsmöglichkeiten erwartet wird.

Kreative Übungen

Übungen, die Kreativität anregen, gehen von ”provozierenden” Aufgaben- und Problemstellungen aus, die sowohl Sach- als auch Sprachwissen aktivieren, Theorie und Praxis miteinander verbinden und zu persönlichkeitsbestimmmten Leistungen/Äußerungen führen. Durch interaktives Handeln in bestimmten Arbeitsformen (etwa Gruppen-, Projektarbeit, Brainstorming) tragen sie zur Sprach- und Wissenserweiterung bei.

Kreative Übungen sind vielfältig möglich, hier nur einige Beispiele:

  1. mit Einzelwörtern, die auf Karteikarten stehen, sind rasch kurze Sätze zu bilden (bereits bei Anfängern möglich);
  2. es sind neue oder versteckte Wörter zu finden: Norden – Dornen, Briefe – Fieber usw. oder Sie blickte auf den See. Hundewetter, sagte sie, ob Wolfgang wirklich kommt? [Seehund, Hunde, Wolf];
  3. Wortketten bilden: Gasthaus – Haustür – Türschloss – usw.
  4. Wörter durch andere nicht vorgegebene ersetzen, sei es als Einzelwörter oder in einem Kurztext: laufen – rennen. Er lief um die Ecke. Er rannte um die Ecke.
  5. Wörter grafisch verwandeln, z.B.: Kreativ bsp1.jpg
  6. Kreuzworträtsel erstellen, stellt eine Kombination von Lexik und Syntax dar, da für die zu ratenden Lexeme treffende Paraphrasen gefunden werden müssen;
  7. Karikaturen mit (witzigen) Bildunterschriften versehen;
  8. Assoziationen zu Wörtern, zeichnerischen Fantasiedarstellungen oder Bildern in wenigen Sätzen äußern;
  9. Quizfragen erfinden zu einem Themenbereich;
  10. Beobachtungsaufgaben mit Beschreibung;
  11. Simulationen;
  12. szenisches Darstellen von Wörtern, Sätzen, Texten [Scharaden];
  13. Erfinden von Szenen zu einem Thema, etwa Wir wohnen in einem Mietshaus, woraus sich Gespräche unter Hausbewohnern (Kinder, Erwachsene), Beschwerden, Streitgespräche, Vorbereitungen zu gemeinsamen Unternehmungen usw. erarbeiten und darstellen lassen, ggf. auch als ”Drehbuch” zu einem Video;
  14. Gebrauchsanweisungen schreiben zu Nonsens-Geräten oder wirklichen Geräten;
  15. Vollendung von No-end-Geschichten;
  16. Kurzgeschichten nach Kurznachrichten/Kleinanzeigen aus Zeitungen schreiben;
  17. Lesetagebücher mit Anmerkungen und Fragen zur Lektüre und Reisetagebücher führen (auch Reiseberichte oder Reisebriefe sind denkbar);
  18. literarische (Klassen-)Lektüre in ein ”Drehbuch” für eine szenische Darstellung (ggf. Video) umschreiben;
  19. Anregungen aus literarischer Lektüre in eigene Texte umsetzen;
  20. unabhängig von literarischer Anregung eigene Texte schreiben (wobei hierbei keine Korrektur im üblichen Sinn erfolgen darf, sondern nur Hilfestellung geleistet werden sollte!


Siehe auch

Schreiben


Weblinks

Bibliographie

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Wicke, Rainer E.: Kreative Textarbeit anhand eines unbekannten Gedichtes. In: Der deutsche Lehrer im Ausland, 50,2003,1, S.40-42. Wicke, Rainer E.: ”Rotkäppchen” oder wie es wirklich war. Kreative Textarbeit im DaF- Unterricht. In: Bildungsarbeit in Zweitsprache Deutsch 1998/2, S. 43–48.