Lernstationen

Aus Wiki 99 Stichwörter
Wechseln zu: Navigation, Suche

Einleitung

Das Stationenlernen (auch Lernstationen) ist eine Unterrichtsmethode, welche sowohl der Lehrkraft als auch den Lernenden vielfältige Möglichkeiten der Unterrichtsgestaltung bietet, die vielfach genutzt werden sollten, da sie für beide Seiten zahlreiche Vorteile ermöglichen.

Verortung in der Didaktik

Die Lernstation als Unterrichtsmethode entstammt der konstruktivistischen Didaktik, welche das Lernen ansieht als „interaktiven Prozess, in dem Schüler und Lehrer unterschiedliche Funktionen und Aufgaben besitzen“. Gemäß einer konstruktivistischen Unterrichtsgestaltung, sollen Schüler ihre Lernumgebung maßgeblich selbst planen und durchführen, wobei der Lehrer lediglich eine beratende Funktion inne hat und die Schülerschaft in ihrer Aufgabenbewältigung unterstützt. Man geht davon aus, dass besonders eine Methodenvielfalt innerhalb der Lernstationen Lernende zu eigenständigem Lernen befähigt und das Wissen länger behalten wird. Darüber hinaus stammt diese Form des offenen Unterrichts aus dem Grundschulbereich, lässt sich aber dennoch ebenso in höheren Klassenstufen anwenden. Lernstationen können zu jeder Unterrichtseinheit herangezogen werden und stellen ein Mittel der Einführung, Einübung, Anwendung oder Wiederholung dar.

Merkmale und Aufgabenformate

Stationenlernen besteht in der Regel aus sechs Arbeitsphasen. Zunächst erfolgt die Planung und Konzeption von Thema, Lernzweck, sowie Lern- und Leistungszielen. Danach folgt eine praktische Vorbereitung und Bereitstellung der Arbeitsmaterialien und -hilfen. In einem dritten Schritt führt die Lehrperson die Lernenden in das neue Thema, Arbeitsregeln und Lernziele ein. Im Unterrichtsraum bearbeiten die Lerngruppen nun selbstständig die Arbeitsaufträge an den einzelnen Stationen zu unterschiedlichen Schwerpunkten. Die Lerner können die Reihenfolge der zu bearbeitenden Stationen selbst bestimmen oder der Lehrer legt eine bestimmte Reihenfolge und Zeitspanne fest, in der alle Aufgaben bearbeitet worden sein müssen. Am Ende des Stationenlernens werden die Ergebnisse kontrolliert und von den Lernern präsentiert und ausgewertet. Der Lehrer (Becker, 2006) beobachtet das Arbeitsverhalten der Lerner und steht ihnen für inhaltliche Fragen und Probleme zur Verfügung, Er wird zum language learning facilitator, zum Helfer im Lernprozess. Es gibt verschiedene Stationentypen: So gibt es Wahl- und Pflichtstationen, also Stationen, welche die Lerner im Laufe des Bearbeitens obligatorisch bearbeitet haben müssen und jene, welche den Präferenzen der Lerner entgegenkommen. An Außenstationen auf dem Flur, auf dem Schulhof oder in einer Bibliothek bekommen die Lerner eine vielfältige, anregende Lernumgebung zugestanden. In Parallelstationen wird ein- und dasselbe Lernziel an verschiedenen Stationen geübt. Um das unterschiedliche Arbeitstempo der Lerner nicht zu behindern, kann man Pufferstationen etablieren, in denen schneller arbeitende Schüler Lückentexte, Rätsel o.ä. bearbeiten können. Außerdem ist eine Servicestation empfehlenswert, an der die Lerngruppen Strategien und wichtige Informationen bekommen. An einer Kontrollstation können die Lerner nach Abschluss eines Auftrages ihre Ergebnisse mit Lösungsblättern vergleichen und selbstständig korrigieren. Die Aufgabenformate der Stationen können vielfältig sein. Die Lerner können durch einen Bildimpuls die kreative Textproduktion üben, aus Texten Argumente sammeln, in der Wortschatzarbeit Wörternetze zeichnen, in der Grammatikarbeit Zeitformen wiederholen, Aufgaben zur Übung von Diskursvokabular erarbeiten, oder in authentischen Texten ihr Leseverstehen trainieren.

Vor- und Nachteile

Eindeutige Vorteile des Lernens an Stationen sind, dass hier eine Förderung der Lernerautonomie erfolgt und die Schüler eine Sozial- und Teamkompetenz sowie eine ausgeprägte Methodenkompetenz ausbauen. Darüber hinaus sind Lernstationen handlungsorientiert und binnendifferenziert. In der Lerngruppe werden auch einzelne Schüler mit unterschiedlichen Lerntypen und Lerntempi gefördert. Für viele Schüler ist die regelmäßige Bewegung im Zirkel eine gute Möglichkeit, aus dem strikten Klassenraumklima herauszukommen und auf spielerische Weise in der Arbeit mit ihren Mitschülern motiviert zu werden. Nachteile des Stationenlernens sind der enorme Kraft- und Zeitaufwand und die Erfordernis einer sehr gründlichen Planung unter Beachtung der vielen Faktoren. Einzelne Schüler könnten sich im autonomen Lernen überfordert fühlen und auch die Materialschlacht ist nicht zu unterschätzen. So kann das Stationenlernen bei Schülern ebenso zu einem Motivationsverlust führen, wenn sie Aufgaben nicht selbständig lösen können und schnellere Schüler in ihrer Arbeit durch Materialmangel gebremst werden. Ein letzter schwieriger Punkt dieser Unterrichtsgestaltung stellt die Bewertung und Evaluation dar.

Quellen

http://home.arcor.de/arthur.froehlich/verweise/hauptseminar/documents/Judith_Becker-Stationenlernen.pdf
http://ganztag-blk.de/ganztags-box/cms/upload/ind_foerderung/Planungsvorschlag/lesematerial.pdf
http://methodenpool.uni-koeln.de/stationenlernen/stationenlernen_begruendung.html
Krieger, Claus, Georg (2005). Wege zu offenen Arbeitsformen: Leitfaden zur Unterrichtsgestaltung für die Sekundarstufe
Konzepte zur Selbststeuerung des Lernens: Methodenschulung, Planarbeit, Projektarbeit, Stationenlernen, Freies Arbeiten, Freiarbeit, Leistungsbeurteilung: Evaluation. Schneider-Verlag. Baltmannsweiler.