Lernstrategien

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Lernstrategien

Lernstrategien erleichtern die Aufnahme, Verarbeitung und Speicherung neuen Wissens und sind Voraussetzung für ein effizientes, zielführendes und selbstgesteuertes Lernen. Lernstrategien helfen Lernaufgaben zu bewältigen und die dafür notwendige Lernumgebung zu schaffen. Sie werden vom Lernenden bewusst angewandt, können mit der Zeit jedoch automatisiert werden.

Kategorisierung der Lernstrategien nach Friedrich (1995)

Je nach Zuständigkeitsbereich unterteilt Friedrich die Lernstrategien in drei Kategorien.

Kognitive Strategien

Metakognitive Strategien

Strategien des Ressourcenmanagements


Kognitive Strategien bezeichnen die unmittelbaren Strategien zur Informationsverarbeitung, welche zum Einprägen, zur Wiederholung und zur Speicherung neuen Wissens angewandt werden.

Als Metakognitive Strategien bezeichnet man die Strategien zur Lernprozesssteuerung , wie die PLanung und Überwachung des Lernprozesses.

Strategien des Ressourcenmanagements sind Strategien zur Motivation und zur Gestaltung der Lernumgebung. Sie lassen sich in internes und externes Ressourcenmanagement unterteilen. Internes Ressourcenmanagement beinhaltet die Kontrolle von Motivation und Lernhingabe. Unter Externem Ressourcenmanegement versteht man die Gestaltung der Lernumgebung, das Zeitmanagement und die allgemeine Organisation des Lernens.


Primärstrategien und Stützstrategien

Aufbauend auf Friedrichs Systematisierung der Lernstrategien können jene auch hinsichtlich ihrer Lernsteuerung in zwei Gruppen unterteilt werden:

Primärstrategien

Stützstrategien

Primärstrategien (learning activities) regulieren die unmittelbaren kognitiven Prozesse der Wissensaufnahme und - Verarbeitung. Zu den Primärstrategien gehören die kognitiven Strategien und jene metakognitiven Strategien, die bewusst angewandt werden.

Stützstrategien (supporting activities) steuern die motivationalen, kontrollierenden und organisierenden Prozesse für den Lernvorgang und die Lernumgebung. Dazu gehören die unbewusst angewandten metakognitiven Strategien und die Strategien zum Ressoucenmanagement.

Organisieren, Reduzieren, Elaborieren und Wiederholen von Lernstoff

Die oben klassifizierten Lernstrategien können zusätzlich verschiedenen Phasen des Lernens zugeordnet werden.

Organisation

Reduktion

Elaboration

Wiederholung

Organisationsstrategien helfen bei der Strukturierung des Lernstoffes. Sie werden angewandt, um einen Überblick über die Thematik zu erhalten und Zusammenhänge und Hierarchien herauszubilden. Die Informationen werden gruppiert und je nach Methode z.B. hierarchisch oder tabellarisch geordnet. Ein beliebtes Beispiel hierfür ist die sogenannte Mind-Map. Die Mind-Map-Methode (nach Buzan und Buzan 1993) dient dazu, eigene Ideen zu ordnen und zentrale Aussagen eines Textes zu strukturieren. Bei der Erstellung einer Mind-Map steht das Problem oder die Fragestellung im Zentrum des Blattes, von dem einige (nicht mehr als 7) Hauptzweige abgehen, die für wichtige Teilaspekte oder Hauptgedanken zur Problemstellung stehen. Von den Hauptzweigen können kleiner e Zweige abgehen, um zusätzliche Gedanken festzuhalten oder die vorhandenen zu vertiefen. Zum besseren Verständnis und Übersichtlichkeit können diese zusätzlich farblich gestaltet werden.

Reduktionsstrategien verringern die Fülle an Informationen eines Lernstoffes und helfen dem/der Lernenden, Hauptaussagen bezüglich seines/ihres Lernzieles aus dem Text zu filtern. Hierzu wird selektives Lesen, das herausschreiben zentraler Begriffe und das Unterstreichen der wichtigsten Aussagen eines Textes angewandt. Eine weitere Methode ist das Zusammenfassen von Texten, in dem die wichtigsten Schlüsselwörter genannt und der Inhalt knapp und verständlich wiedergegeben werden.

Elaborationsstrategien fügen das neu zu Erwerbende in die schon vorhandenen Wissensstrukturen des/der Lerners/in ein. Neue Informationen werden mit schon Bekanntem verknüpft und so das Memorieren erleichtert. Hier werden Sprichwörter, Metaphern, eigene Erfahrungen und Assoziationen benutzt, um das neue "Material" mit Bedeutung zu füllen. Beliebt sind diese Methoden, die größtenteils aus der Mnemotechnik stammen, beim Lernen von Formeln, Auswendiglernen von Fakten und Vokabeln. Eine beliebte Methode hier ist das Erfinden von sogenannten Eselsbrücken, die oft und gerne beim Lernen von Vokabeln angewandt wird. z.B. tandem: lat. endlich ; Eselsbrücke dazu: " Endlich kommt ein Tandem"

Wiederholungsstrategien basieren auf der Neurologischen Erkenntnis, dass neue Informationen schnell aus dem Gedächtnis gelöscht werden, wenn diese nicht regelmäßig memoriert werden. Um die Übernahme des neuen Wissens in das Langzeitgedächtnis zu fördern werden daher regelmäßige Wiederholungen des Stoffes angewandt. Die Wiederholungsphasen sollten erst in kürzeren und später in längeren Abständen erfolgen.

Tiefenorientierte- und Oberflächenstrategien

Alle zuvor genannten Lernstrategien können in Oberflächen- und tiefenorientierte Lernstrategien unterkategorisiert werden.

Oberflächenorientierte Strategien beschreiben ein faktenorientiertes Lernen, das oft mit bloßem Auswendiglernen einhergeht. Sie haben einen geringen Aufwand, bieten jedoch nur kurzfristigen Lernerfolg Einige Methoden hierzu sind z.B. das Anwenden von Lernkarteien und einige Mnemotechniken.

Tiefenorientierte Lernstrategien setzen sich mit dem Lernstoff detailliert auseinander. Ziel ist vielmehr das Verstehen als das Auswendiglernen der Thematik. Sie erfordern einen größeren Aufwand und sind langwieriger als oberflächenorientierte Strategien, bieten aber einen nachhaltigen Lernerfolg und die Möglichkeit von späterem Transfer. Tiefenorientierte Lernmethoden sind z.B. Mind-Maps, das Zusammenfassen und in eigene Worte Fassen von Texten oder das Erstellen von Übersichten zu einer Thematik.

Literatur

  • Metzig,W. Schuster, M.(2003). Lernen zu lernen. Heidelberg: Springer
  • Nold, G. (Hrsg.) (1992). Lernbedingungen und Lernstrategien.Welche Rolle spielen kognitive Verstehensstrukturen? Tübingen: Gunter Narr
  • Schräder-Naef, R. (2002). Lerntraining in der Schule. Voraussetzungen-Erfahrungen-Beispiele. Hemsbach: Beltz

Weblinks