Lesestile

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Lernende bringen in den DaF-Unterricht Lesegewohnheiten, d.h. Lesestile und Lesestrategien aus ihrer Lernerfahrung ein, sei es aus ihrer Muttersprache oder einer anderen Fremdsprache. Die Anwendung von Lesestilen und Lesestrategien ist nicht nur abhängig von der Vertrautheit mit ihnen, sondern auch von der Leseerfahrung und den meist besonderen Leseinteressen der Lernenden. Sie können ihre Lesegewohnheiten durchaus erfolgreich auf das Lesen in der deutschen Sprache übertragen, was aber nicht immer der Fall sein muss. Zu Störungen kommt es vor allem dann, wenn diese Lesegewohnheiten aus einer unbestimmten Scheu vor der neuen Sprache nicht auf diese Sprache, das Deutsche, übertragen oder ihr angepasst werden. Hier muss der Leseunterricht helfend eingreifen.

Die verschiedenen Lesestile

Nicht nur im Sprachunterricht, sondern auch in der Praxis des Alltags sind immer größere Mengen an Texten lesend zu bewältigen, sodass ein Wort-für-Wort-Lesen und Wort-für-Wort-Nachschlagen (sieht man von wenigen Fällen ab) nicht mehr in Frage kommt, da der Zeitaufwand in keinem vernünftigen Verhältnis zum Ergebnis steht.

Lernende sollten schon im Anfängerunterricht mit Lesestilen vertraut gemacht werden und lernen, sie zunächst gelenkt, später in freier Entscheidung einzusetzen je nach ihrem Interesse an einem Text und der ihnen für das Lesen verfügbaren Zeit.

So erlaubt das orientierende Lesen, von einem Stichwort, einem Titel, einer Überschrift ausgehend, einen Text einer bestimmten Textsorte oder Kategorie zuzuordnen. Häufig wird dabei schon darüber entschieden, ob überhaupt und dann in welcher Weise dieser Text weitergelesen wird.

Beim kursorischen Lesen kommt es nur darauf an, die wesentlichen Informationen im Text, den wichtigsten Gedankengang zu erfassen.

Das selektive (auch: selegierende) Lesen ist ein von besonderen Interessen geleitetes Lesen, bei dem es darauf ankommt, einem Text alle jene Informationen zu entnehmen, die auf Grund einer vorher vom Lesenden festgelegten Fragestellung wichtig sind. Es kann sich dabei um Zahlenangaben (etwa Abfahrt- und Ankunftszeiten im Fahrplan), Entwicklungstendenzen (z.B. im Börsenbericht), Einzelinformationen (Namen wichtiger Personen, Produkte usw.) und anderes handeln.

Totales (detailliertes, intensives) Lesen wird dann notwendig, wenn es darum geht, alle Informationen, Haupt- und Nebeninformationen, zu verstehen (z.B. bei Vertragsentwürfen oder Verträgen, Gebrauchsanweisungen), damit es weder zur folgenschweren Missverständnissen noch Fehlern oder Fehlhandlungen kommt.

Über diese sehr pragmatisch und am ‚”Lesenutzen” orientierten Lesestile hinaus ist noch das unterhaltsame, ästhetische Lesen zu nennen, das immer dann stattfindet, wenn es um Texte geht, die Lesende zur Unterhaltung und zum ästhetischen Genuss lesen, d.h. wenn sie Literatur lesen, ohne an den literarischen Text mit vorgefassten Fragen, Interpretationsabsichten o.Ä. heranzutreten.

In der Unterrichts- wie Alltagspraxis werden diese Lesestile und die mit ihnen verbundenen Lesestrategien nicht immer in strenger Trennung eingesetzt werden, da sich bei einem orientierenden oder kursorischen Lesen rasch ein Interesse an mehr Informationen einstellen kann, was zu selektivem oder totalem Lesen führen kann.

Weblinks

Siehe auch

Lesen - Leseverstehen (dort auch entsprechende Literaturangaben)