Lesestrategien

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Eng verbunden mit den Lesestilen sind die Lesestrategien, Verfahren die zur Erschließung eines Textes und zum Verstehen seines Inhalts führen. Einige Strategien sollen hier dargestellt werden.

Verschiedene Lesestrategien

Textsorte bestimmen und Leseerwartung aufbauen

Eine erste Wahl von Lesestil und Lesestrategie wird bereits beim orientierenden Lesen getroffen, da dieser Lesestil erkennen hilft, um was für einen Text, um was für eine Textsorte es sich handelt. Ein literarischer Text sieht anders aus als ein wissenschaftlicher oder populärwissenschaftlicher Text, ein Werbetext anders als eine Wirtschaftsnachricht usw., sodass sich bereits erste Erwartungen zum Informationsinhalt einstellen und Vorwissen aktiviert wird. In begrenztem Maß lassen sich auch Voraussagen über die zu erwartende Sprache machen.

Hypothesen bilden, Vorhersagen machen

Weitere Voraussagen lassen sich anhand von Titel oder Überschrift, Illustrationen Unter- oder Zwischentiteln, Textausschnitten machen. Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass Überschriften nicht immer unbedingt auf den ersten Blick die in der Meldung enthaltene Information erkennen lassen. Eine Überschrift wie Es gibt auch Erfolge lässt die verschiedensten Hypothesen über den Inhalt des nachfolgenden Textes zu. Im Unterricht sollte diese Strategie mehr einen spielerischen Charakter haben, damit keineswegs demotivierende Misserfolgsstimmung bei den Lernenden auftritt, wenn Voraussagen nicht den Kern des Textes treffen.

Textaufbau und Gliederung erkennen

Das Erkennen von Textaufbau und Gliederung hilft bei der weiteren Verarbeitung des Textes, etwa beim kursorischen Lesen. Im Unterricht lässt sich dies durch Wiederzusammensetzen eines zerschnittenen Textes, durch Zuordnung von Textabschnitten zu Zwischenüberschriften bzw. von Zwischenüberschriften zu Textabschnitten o.ä. üben.

Fragen an den Text stellen

Neben den bekannten W-Fragen (Fragetechnik) lassen sich aus jedem Text heraus Fragen stellen, auf die die wichtigste Information, der Wert der Information (neu, bekannt, positiv, negativ etc.) oder der weitere Verlauf als Antwort gefunden werden muss. Fragen an den Text führen zum selektiven Lesen, das zur

Zusammenfassung

der wichtigsten Informationen führt, die durch Markierung, Randnotizen, Rastertabellen usw. erfolgen kann.

Für das totale Lesen kommen u.a. die syntaktische und morphologische Analyse und die Entschlüsselung lexikalischer Einheiten als Strategien in Frage, wobei gerade bei der Entschlüsselung lexikalischer Einheiten darauf hingearbeitet werden muss, dass nicht sofort das Wörterbuch (mit der oft zeitfressenden Sucharbeit) zu Rate gezogen wird, sondern das intelligente Erraten aus dem Zusammenhang wesentlich sinnvoller ist. Das Wörterbuch sollte erst dann befragt werden, wenn gar keine andere Möglichkeit mehr besteht, wegen eines unbekannten Lexems die gesamte Information zu verstehen.


Siehe auch

Lesen - Leseverstehen (dort weitere Literatur), Lesestile

Weblinks

Bibilographie

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