Medienkompetenz

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Medienbegriff

Das wichtigste Medium und entscheidender Träger unserer Kommunikation ist und bleibt Sprache (mündliche Sprache und Schrift). Medien sind Mittel, Mittler, Vermittler, Brücken: Im fremdsprachlichen Unterricht fungieren sie als Mittler, um fremdsprachliche Welten ins Klassenzimmer zu holen und als Brücke für die Lernenden, an dieser Welt teilzuhaben. Medien machen allerdings noch keinen Unterricht, dienen lediglich als Werkzeug oder unterrichtlicher Baustein.

Medien im fremdsprachlichen Unterricht

Unterscheidungen

  • personale (Lehrerpersonal) und apersonale, technische (Geräte) Medien
  • didaktisierte, für den Unterricht "vorgefertigte" (Lehrbuch) und nicht didaktisierte, didaktisch "rohe" ( Film, neue Medien) Medien
  • auditive (Tonband, Sprachlabor), audiovisuelle (Film, Video, DVD), visuelle (Folien, Wandtafeln, Abbildungen, Bilder) Medien

Lehrbuch

Lehrwerke können wichtiger Teil des Fremdsprachenunterrichts sein, sollten aber nicht den wichtigsten Faktor der Unterrichtssteuerung ausmachen:

  • Vorteile: durchdachte didaktische Progression, Strukturierungshilfe, "Katalysator" für Lehrkraft, Vergleichbarkeit von Ergebnissen
  • Nachteile: kärgliche Erträge jahrelangen Unterrichts aufgrund von Organisation der Lernprozesse: Einführen, Üben, Transfer zu eigener Produktion; schematisch vorentworfen und lineare Lehrprozesse: Reduktion komplexer sprachlicher Äußerungen und kleinschrittig verlaufende Überprüfungen von Wissen, keine Selbstorganisation des Lernens, Mangel an Authentizität, Stereotypenbildung (Familienstruktur, Geschlechter, Kulturverhältnisse)
  • Tipps: nicht Medium, sondern Umgang damit bestimmt die Qualität des Unterrichts; Lehrbuch einer eigenen Didaktisierung unterziehen: Verfremdung von Texten, z.B. "jumbled lines" (unbekannter Lehrbuchtext wird kopiert, zerschnitten, muss rekonstruiert werden) und "mirror reading" (Text auf Overhead-Folie kopieren, spiegelverkehrt auf den Projektor, Rekonstruktion), Schüler lassen Lehrbuchfiguren etwas Spannendes widerfahren, weitere Figuren integrieren, auf die Bühne bringen; kritische Überarbeitung einer Lehrbuchlektion

Film

Film bietet ein fast unüberschaubares Potenzial für Schule und Unterricht:

  • Spracherwerb (native-speaker-Tempo, Dialekte, Soziolekte; Sehverstehen, Leseverstehen bei Untertiteln und Filmscripts, Schreiben = Verfassen von Filmrezensionen)
  • Filmerleben (Ermöglichung eines differenzierten Selbst- und Wertverhältnisses = Fremdverstehen, (inter-)kulturelle Kompetenz)
  • landeskundliches Wissen
  • Filmanalyse (Unterbrechungen, Auseinandernehmen, Verfremden: Filmanfänge, Schlusssequenzen untersuchen, Einzelszenen verlangsamen, mikroskopisch studieren, Standbilder analysieren)
  • Rekonstruktion von Film (Inszenierungskonzepte entwerfen, Castingvorschläge entwickeln, Drehbuchszenen (um-)schreiben, Szenen nachspielen und videographieren)

Neue Medien

Neue Medien können den Unterricht erheblich bereichern, insbesondere im Hinblick auf soziale Lernformen und handlungs- und produktorientierte Arbeitsformen:

Tutorielle Programme (geschlossen)

  • Lernsoftware (z.B. Grammatikübungsprogramme mit vorgefertigten Antworten) = individuell (ohne Lehrperson), aber gesteuert und kleinschrittig lernen; kaum Mehrwert gegenüber traditionellen Arbeitsbüchern

Konstruktive Programme (offen)

  • elektronische Wörterbücher, Thesauri, Webeditoren, Spiele = authentisch, kommunikativ, z.B. DWDS = direkter Online-Link zum größten digitalen Wörterbuch der dt. Gegenwartssprache zur automatische Erstellung von Kontext-Sätzen
  • Blended Learning: offene Online-Programme, Sprachlernprogramme mit tutorieller Betreuung (z.B. AVE des Instituto Cervantes; Öffentlicher Projektverbund Sprachchancen)

eTandem

  • kostenlose Vermittlung von Tandem-Partnern vieler Sprachen und Niveaus

White Boards (Verlinkung zu Wiki 99 Stichwortverzeichnis)

  • Interaktive Tafelfunktion

E-Mail, WWW, Hypertext (Hypermedia)

  • Recherche (Geschichte, landeskundliche Kontexte, Bilder)

Blogs

  • kostenlose Webseiten, auf denen problemlos Artikel (posts) im WWW veröffentlicht werden können, mit Kommentar- und Suchfunktion; Artikel, Bilder, Videoclips, Word/pdf- Dokumente können hinzugefügt werden
  • digitale Öffnung des Unterrichts; Förderung ziel- und ergebnisorientierten fremdsprachlichen Arbeitens in schriftlicher Form in realer und ernsthafter Publikumssituation (motivierend und lernfördernd, da authentisch); Focus, um (im Unterricht) erarbeitete Ergebnisse zusammenzufassen und zu reflektieren
  • Lehrerblogs: Arbeitserleichterung z.B. wenn mit anderen Lehrerblogs verlinkt, um Arbeitsmaterialien gemeinsam zu nutzen (http://donathlk.wordpress.com), digitales Klassenbuch, detailliertes Unterrichtsplanungsinstrument
  • Lernerblogs: Arbeitstagebuch (z.B. Lesetagebuch), Publikationsmedium für Rechercheergebnisse, digitales Portfolio (http://donathsf.wordpress.com); autonomer Lernprozess

Podcasts (Videocasts)

  • Hör-Sehdateien im MP3 Format z.B Nachrichten, Radiosendungen; durch einfache Aufnahmesoftware kostenlos auch selbst zu erstellen und im Netz zu veröffentlichen (www.podhost.de)
  • Förderung Hörverstehenskompetenz: authentische Hörtexte zu unterschiedlichsten Themen, gesprochen von native speakers
  • Förderung ziel- und ergebnisorientierten fremdsprachlichen Arbeitens in mündlicher Form (selbst erstellte Podcasts) in realer Kommunikationssituation (und evtl. Publikumssituation); Aussprache und freies Sprechen üben

Wikis

  • methodischer "Werkzeugkasten" auf der Wikis -Plattform, informelles Lernen orientiert an kollaborativen Prozessen; Übertragbarkeit auf Unterricht: Lehrer legt Klassen/Kurswiki an (http://wikispaces.com)

Moodle (LMS = Learning Management System)

  • internetgestützte Lernplattform mit Zugangskontrolle
  • "Rückgrat" einer Unterrichtseinheit: begleitende Materialsammlung für selbstgesteuertes Lernen, Übungs- und Wiederholungs-, Differenzierungsangebote, Abbildung kompletter Unterrichtssequenzen; Begleitung von Abschnitten der Schullaufbahn mit Portfolio-Elementen; Ansätze zum Lernen durch Lehren (LdL) = Schüler erstellen Kurselemente

www.mz.jena.de/moodle lpm-moodle-saar.de

Quellen:

  • Bach, Gerhard / Timm, Johannes-Peter (Hrsg.) (2009): Englischunterricht. Tübingen: Francke (S.121-147).
  • Decke-Cornill, Helene / Küster Lutz (2010): Fremdsprachendidaktik. Tübingen: Narr (S.93-108).
  • Roche, Jörg (2005): Fremdsprachenerwer, Fremdsprachendidaktik. Tübingen: Francke (S.242-256).