Mnemotechniken

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Mnemotechniken sind assoziative Merk- und Lernhilfen, durch die sich Lernstoff leichter einprägen und abrufen lässt. Dies geschieht vor allem durch räumliche Vorstellungen, Bilder, Merksprüche, Reime usw.

Rückblick

Mnemotechniken wurden bereits in der Antike entwickelt (Simonides 556–468 v. Chr.), später weiterentwickelt und als ”Gedächtniskunst” vor allem zur Stützung der freien Rede eingesetzt. Nach Untergang des römischen Reiches gerieten M. in Vergessenheit, lebten zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert vorübergehend wieder auf, wurden in jüngerer Zeit wieder entdeckt und als Lernhilfen empfohlen.

Assoziationen

Bei Mnemotechniken werden (sehr vereinfacht gesagt) beide Gehirnhälften aktiviert zur Verknüpfung von bildlichen und verbalen Informationen zu mnemotischen ”Bildern”. Diese Assoziationen sind jederzeit abrufbar. Bei der Erstellung dieser Bilder können verschiedene Verfahren wirksam werden: 1. Der Ersatz durch rhetorische, etymologische oder historische Sinnbilder, 2. der Ersatz unbekannter Personen durch bekannte, die bestimmte Ähnlichkeiten aufweisen, 3. der Ersatz durch ähnlich klingende Wörter und 4. der Ersatz durch optische Zeichen, die in keinem Zusammenhang mit den einzuprägenden Wörtern oder Sätzen stehen.

Techniken

Die wichtigsten Techniken sind:

  1. die Loci-Technik (auch Simonides-Technik), bei der Wörter oder Sachverhalte bestimmten Orten oder Plätzen zugeordnet werden zugeordnet werden, die dann im Geiste abgeschritten werden: z.B. Brille – Schlafzimmer – Nachttisch, Buch – Arbeitszimmer – Schreibtisch usw. Beim geistigen Abschreiten der Plätze werden die entsprechenden Assoziationen wieder wach;
  2. die Geschichtentechnik, bei der Begriffe (z.B. auch Vokabellisten) zu einer zusammenhängenden Geschichte verknüpft werden, was zwar einige Fantasie erfordert, aber nachgewiesenermaßen das Behalten positiv beeinflusst. Je bizarrer oder unsinniger diese Geschichte ist, desto größer ist die Behaltensfähigkeit;
  3. die Schlüsselworttechnik, bei der über Schlüsselwörter Informationen assoziativ zu einem Bild gespeichert werden. Diese Kennwörter sind meist bekannte konkrete Begriffe, denen Informationen beigefügt werden. Es lassen sich Begriffe aber auch den Buchstaben des Alphabets oder Zahlen zuordnen, wobei ggf. noch Reimtechnik hinzukommen kann (so z.B. der bekannte Geschichtsmerkvers drei – drei – drei bei Issos Keilerei). Der individuellen Erfindungsgabe sind hierbei keine Grenzen gesetzt;
  4. die Abkürzungstechnik, bei der Wörter verkürzt werden zu Buchstabenfolgen (etwa Deutsch als Fremdsprache zu DaF, Unbekannte Flugobjekte zu Ufos), kommen dann ggf. noch witzige Nebenbedeutungen hinzu, lässt sich der Begriff noch besser merken (so etwa Bundesangestelltentarif zu BAT mit ”Bar auf Tatze”);
  5. die Analysetechnik, die Wörter und Begriffe nach ihrer Bedeutung, ihrer Herkunft oder auch Zusammensetzung analysiert und ggf. mit bereits Gelerntem verknüpft (z.B. ließen sich die Regeln für die Bildung der Partizipien der deutschen Verben über die Analyse der Zusammensetzung Stamm, trennbarer Verbzusatz, untrennbare Vorsilbe, ge und Endung t oder en vereinfacht durch ge-stamm-t, zu-ge-stamm-t, vor-stamm-t, stammier-t für die schwachen Verben und ge-stamm-en, zu-ge-stamm-en, vor-stamm-en für die starken Verben einprägen.

Die Verwendung mnemotechnischer Verfahren unterliegt individuellen Fähigkeiten und Vorlieben.

Weblinks

Bibliographie

Kürsteiner, Peter: Gedächtnistraining. Mehr merken mit Mnemotechnik. Grundlagen der Gedächtniskunst. Namen, Zahlen, Vokabeln behalten, praxisnahe Übungen. 2. Aktualisierte Auflage, Überreuther 1999
Schulz, Jeanette: Gedächtnistheorien und Mnemotechniken. Eine künstlerisch-wissenschaftliche Betrachtung. Springer Verlag, Berlin 1995. Sperber, Horst G.: Mnemotechniken im Fremdsprachenerwerb. Mit Schwerpunkt “Deutsch als Fremdsprache”. (Studien Deutsch 9), München 1989.
Yates, Frances A.: Gedächtnis und Erinnern. Mnemonik von Aristoteles bis Shakespeare. 3. Auflage, Akademie Verlag, Berlin 1994.