Moderationsmethode

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Moderation ist eine Methode, die etwa ab 1970 speziell für Planungs- und Entscheidungsbesprechungen in Arbeitsgruppen von Wirtschaft und Industrie entwickelt wurde. Alle Beteiligten sollen in die Arbeit eingebunden und die Entscheidungsfindung durch Visualisierung und Moderation erleichtert werden. Der Moderator als Gleicher unter Gleichen hat dabei keine führende oder leitende Rolle, sondern nur anregende und koordinierende Funktion.

Einsatzmöglichkeiten

Die Methode verbindet Gespräch, Diskussion und optische Mittel. Sie nutzt nicht nur Planungs- und Visualisierungstechniken, sondern auch Ergebnisse und Erfahrungen von Gruppendynamik, Gesprächsführung, Sozialpsychologie, Betriebs- und Organisationslehre u.a. Da sie bei allen Lernprozessen einsetzbar ist, die in Gruppen stattfinden, hat sie sich auch für die Erwachsenenbildung, z.B. Aus- und Weiterbildung von Lehrenden, als geeignet erwiesen. Sie kann aber durchaus auch im allgemeinen Unterricht und im Sprachunterricht zur Aktivierung und Beteiligung aller Lernenden in Groß- wie Kleingruppen eingesetzt werden.

Materialien

Als Material sind (im Minimum) erforderlich Flipcharts, Pinwand, Nadeln, farbige Pin-Karten, bunte Klebepunkte und Schreibstifte (Faserstifte, vorzugsweise schwarz und rot). Notfalls lässt sich die Flipchart durch die vorhandene normale Tafel und die Pinwand durchaus auch durch eine entsprechende Papptafel ersetzen. Ggf. können die Pin-Karten auch mit leicht wieder abzulösendem Tesa-Krepp an einem Tafelflügel (oder an der Tür) befestigt werden.

Farben und Schriftbild

Bei den Pin-Karten sind die Farben Weiß und alle nicht grellen Farben (z.B. also nicht Feuerrot, dafür Rosa) vorzuziehen. Mit gleichen Farben wird stets Gleichartiges gekennzeichnet, jeder Farbwechsel signalisiert einen Wechsel in Begriff, Bedeutung oder Ergebnis. Für die verschiedenen Formen der Pin-Karten hat sich folgendes Verwendungsschema bewährt:

Moderation bsp1.jpg

Bei den Schreibstiften dienen Schwarz für allgemeine Angaben und Rot zur Hervorhebung von Besonderheiten oder endgültigen Ergebnissen, mit Klebepunkten kann eine Bewertung oder Gewichtung (durch die Teilnehmer) vorgenommen werden.

Das Schriftbild sollte deutlich und auch auf größere Entfernung (durch entsprechende Schriftgröße) lesbar sein. Die Verwendung von Großbuchstaben sollte sich daher auf den Wortanfang (bei Nomen) beschränken, zu viele Großbuchstaben erschweren das Lesen; also nicht

Moderation bsp2.jpg

Einsatz im Unterricht

Diese Methode lässt sich z.B. in der Wortschatzarbeit einsetzen. Dabei können Oberbegriffe auf Kreise, jeweils dazugehörige Unterbegriffe auf Rechtecke und mit ihnen in Verbindung stehende Verben auf Ovale geschrieben werden.

Diese Karten können dann auch zur Wortschatzwiederholung verwendet werden, indem man sie mischt, an die Lernenden ausgibt, die dann die Zusammengehörigkeit rekonstruieren müssen. Daraus kann dann auch eine Textrekonstruktion entstehen.

Bei der Erschließung von Texten (Literatur, wie Sach- und Sachtexte) lassen sich durch entsprechende Pin-Karten Personen- oder/und Sachzusammenhänge optisch verdeutlichen, was später eine Hilfe für Textzusammenfassung oder -wiedergabe ist.

Als Beispiel sei hier die Umsetzung einer kurzen (vereinfachten) Gebrauchsanweisung für ein Gerät angeführt, das in einem Anfängerkurs für Elektrotechniker zu behandeln war. Die Schlüsselbegriffe wurden gemeinsam aus dem Text herausgezogen, an der Pinwand geordnet und mit Linien verbunden. Anhand dieser Karten wurde der Text sofort mündlich wiederholt. Am nächsten Tag zogen sich die Teilnehmer aus den gemischten Karten jeweils eine, die dann farblich zugeordnet unter entsprechender Kommentierung an der Pinwand zu befestigen waren. Die weitere Aufgabe war, anhand des Pinwandbildes in Gruppenarbeit/Rollenspiel einem Benutzer den Gebrauch des Gerätes zu erklären. In einem weiteren Durchgang war die gleiche Aufgabe bei abgedeckter Pinwand zu erfüllen.

Bibliographie

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