Motivation

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Motivation ist die Anregung und Förderung der positiven Antriebskräfte, die im Menschen vorhanden sind. Auf Lernende bezogen bedeutet dies, ihre Lernbereitschaft anzuregen, zu fördern, zu steigern und zu erhalten.

Lernen und Lernerfolg werden gefördert durch das Zusammentreffen von intrinsischer Motivation, also dem aus dem Inneren des Lernenden kommenden Antrieb, eine Sache um der Sache willen zu tun und nicht aus zweckbestimmten Gründen, und positiver extrinsischer Motivation, die von außen kommt (z.B. Lob und aufbauende Kritik; Sympathie zu einer Person).

Lernerfolg führt zu optimistischer Einstellung hinsichtlich der eigenen Fähigkeiten und des eigenen Könnens, stärkt damit das Selbstbewusstsein und führt zu erhöhter Freude am Lernen, motiviert zu weiterem Lernen und bringt neue Lernerfolge.

Motivation findet im Unterricht auf (wenigstens) drei Ebenen statt. Auf der inhaltlichen Ebene ist besonders wichtig die Wahl der Themen, die die Alters-, Erfahrungs- und Interessenorientierung von Lernenden berücksichtigen muss. Themen müssen verknüpft, Schwerpunkte herausgestellt und ihre Anwendbarkeit und Anwendung im Transfer gezeigt werden.

Die zweite Ebene ist die didaktisch-methodische, auf der die Akzentsetzung in Themen und Lernzielbezug und die Bildung von Phasen entsprechend den Lernaktivitäten eine ebenso wichtige Rolle spielen wie Beginn und Ende einer Lehr- und Lerneinheit (”Einstieg”/ ”Ausstieg”). Hinzu kommt abwechslungsreiche Unterrichtsgestaltung in den Lehr-, Sozial- und lerneraktiven Arbeitsformen und Verdeutlichung der Lerninhalte durch Einbezug der unterschiedlichen Medien. So können die verschiedenen Lerntypen angesprochen und die unterschiedlichen Eingangskanäle (auditiv, visuell, reproduktiv, medial, personenorientiert bzw. ihre Kombinationen) lernverstärkend nutzbar gemacht werden.

Die dritte Ebene ist die Verhaltensebene. Hier soll und muss die/der Lehrende nicht nur über die geordnete und verständliche Art und Weise der Stoffdarbietung und Vermittlung, sondern auch durch sein Verhalten sein Interesse an den Lernenden zeigen und durch sein Vorbild anregend wirken. Sehr häufig wird der motivierende affektive Faktor, der sich aus dem Lehrverhalten und der Lehrpersönlichkeit ergibt, unterschätzt (auch im Unterricht mit Erwachsenen).

Anerkennung und Lob sollten überwiegen und Tadel oder Kritik in positiver und aufbauender Form geäußert werden.

Bei Kritik oder Tadel sollte durchaus auch berücksichtigt werden, dass Lernende auf Grund psychischer oder physischer Belastungen einmal nicht in der Lage sind, die von ihnen selbst und von Lehrenden erwartete Leistung zu erbringen. Lernbiologisch begründete Ausfälle (Denkblockaden durch Hormonausschüttungen, die auf Angst beruhen können etc.) dürfen nicht unbeachtet bleiben.

Lernpsychologische Faktoren (z.B. Fortschreiten vom Einfachen oder Bekannten zum Schwierigen oder Unbekannten, vereinfachende Verknüpfungen) spielen ebenso eine wesentliche Rolle, wie die Notwendigkeit individueller Zuwendung und Förderung und das Achten auf und die Einbeziehung von (spontanen und zum Thema gehörigen) Lernerbeiträgen.

Ökonomisches Lehren und Lernen fördern Motivation. Bezogen auf den Unterricht in Deutsch als Fremdsprache heißt das z.B. beim Lernen der Zahlen zunächst die Zahlen von 1 bis 20 lernen zu lassen, dann nur die vollen Zehnerzahlen 30–90, am Beispiel von 21, 22 die weitere Bildung zu zeigen, danach nur die Hunderterzahlen (100, 200 etc.) anzuschließen, weiterhin an 1000, 2000 die Bildung der Tausenderzahlen und an zwei, drei Beispielen Zahlenbildung wie 101, 220, 1100 usw. demonstrieren.

Im Bereich der Lexik sollte u.a. dem Lernen von Wortfeldern, -gruppen, Wortverbindungen wie auch Konnotationen (Vater – Papi – alter Herr; Diskothek – Schuppen etc.) mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Der Wortschatz eines Textes kann vorweg zu einem Teil auch durch vorherige Situierung oder ggf. durch ein Kreuzworträtsel behandelt werden. Als Vorbereitung zu Übungen des hörenden Verstehens haben sich Kreuzworträtsel durchaus als interesseweckend gezeigt.

Empfehlenswert für die Wortschatzarbeit ist die Lernkartei, ein Kästchen mit mehreren (mindestens fünf) Fächern, das sich Lernende selbst anfertigen können. Dabei wandern Kärtchen mit den zu lernenden Wörtern vom ersten Fach (”neu”) ins zweite Fach (”behalten”), wenn sie beim ersten Durchgang behalten wurden. Von dort wandern sie bei einer Wiederholung entweder zurück ins erste Fach (”vergessen”) oder weiter ins dritte, von dort ins vierte oder zurück ins zweite (”zu wiederholen”) und so fort, bis sie schließlich im fünften Fach angelangt sind (”endgültig beherrscht”). Bei dieser Art des Wörterlernens motiviert der optisch sichtbare Erfolg.

In der Darbietung von Grammatik lassen sich etwa Adjektivattribute und Einführung von Relativsätzen (z.B. das rote Fahrrad / das Fahrrad, das rot ist), bestimmte Präpositionen und entsprechende Gliedsätze (z.B. wegen des Regens / ... weil es regnet; durch Erhitzen ... / ... indem ... erhitzt wird) miteinander verbinden und beispielhaft die syntaktischen Eigenheiten der Gliedsätze darstellen. Die Behandlung des Perfekts in raschem Anschluss an das Präsens stellt keine Überforderung dar, sondern kommt dem Erzählwunsch vieler Lernender nur entgegen. Da die Hilfsverben haben/sein schon zu Anfang bekannt sind, lässt sich etwa mit dem Beispiel Ich bekomme (den Brief) über Ich habe (den Brief) gestern bekommen ein Einstieg in das Perfekt finden, das dann mit den weiteren in den (Anfangs-)Lektionen vorkommenden Verben erweitert und systematisiert werden kann. So verliert die Perfektbildung mit ihren Unregelmäßigkeiten/Ausnahmen ihren Schrecken und wird fortschreitend erfasst, was zu weniger Fehlern und damit zu mehr Lernerfolg führt.

Motivierend ist auch die individuelle Fehlertherapie im Anschluss an die diversen Hausaufgaben, Prüfungsarbeiten usw. Zusätzlich zur Behandlung allgemein auftretender Fehler im Unterricht sollten Beratungsgespräche treten, bei denen neben den Korrekturhinweisen auch Lösungsstrategien und Lernhilfen vermittelt werden, die einen positiven Lerneffekt mit sich bringen.

Für die Übungsarbeit im Unterricht können die (im Lehrbuch) vorgegebenen Übungen durch zusätzliche ergänzt werden, die Lernende selbst parallel zu den vorhandenen Übungen oder unabhängig von ihnen gestalten (z.B. Quiz, Rätselfragen zu einem Text, Interviews, z.B. Was hast du gestern gemacht? Hast du ...? Bist du ...? zur Verwendung des Perfekts).

Motivierend für die mündliche Arbeit ist das Erzählen in Tandemgruppen oder auch das Gespräch in Dreiergruppen. Hierbei sollten die TeilnehmerInnen immer erst den voraufgegangenen Beitrag (unter Kontrolle der anderen TeilnehmerInnen) kurz zusammenfassen, ehe ein eigener Beitrag geleistet wird. Dies schult nicht nur das Zuhören, sondern führt sowohl zur logischen Fortsetzung des Gesprächs, als auch zur stärkeren Ordnung und Gliederung eigener Gedanken und Argumente. Motivierend ist dabei die Erfahrung, Gedankengänge anderer erfassen, auf sie eingehen und entsprechend reagieren zu können. Sprechhemmungen werden so abgebaut und die Teilnahme an mündlicher Arbeit wird motiviert. Positiv wirkt sich dieses ”Training” zudem auf schriftliche Arbeiten aus.

So lassen sich zu diesen hier nur als Beispiele angeführten Möglichkeiten noch viele andere finden, vor allem, wenn man Lernende und deren Fantasie beteiligt.


Bibliographie

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