Prävention von Unterrichtsstörungen

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Unterrichtsstörungen sind Ereignisse, die den Lehr-Lern-Prozess beeinträchtigen, unterbrechen oder unmöglich machen. Sie sind aufgrund der vielfältigen Widersprü-che in der Schulpraxis unausweichliche und bis zu einem gewissen Grad normale Begleiterscheinungen von Unterricht.


Was ist Unterrichtstörung?

Eine mögliche Art der Störung beim Lernen ist die sogenannte Unterrichtsstörung. Dieser Begriff spielt in der Schule aktuell eine wichtige Rolle und man misst ihm eine bestimmte Bedeutung bezüglich der Wirkung der Beziehung zwischen Lehrern und Schülern zu. Es gibt unterschiedliche Definitionen des Begriffs; aber eine der wich-tigsten Definitionen stammt vom Pädagogen Reiner Winkel, der in den 90er Jahren den Begriff Unterrichtsstörung in seiner Arbeit „Der gestörte Unterricht. Diagnosti-sche und Therapeuten Möglichkeiten“ eingeführt hat. Danach liegt Unterrichtsstörung vor, „wenn der Unterricht gestört ist, d.h. wenn der Lehrer und das Lernen stockt, aufhört, pervertiert, unerträglich oder inhuman wird“

Nach dieser Theorie spielt das Verhalten vom Lehrer, aber insbesondere auch der Schüler, eine zentrale Rolle. Schließlich entstehen Unterrichtsstörungen durch schlechtes Verhalten im Lauf des Unterrichts, so dass die natürliche Abfolge des Un-terrichts beeinflusst wird. Die Störungen können sich auf folgende Weisen manifes-tieren:

a. Konzentrationsstörungen b. Aufmerksamkeitsstörungen c. Hyperaktivität d. Aggressivität


Die möglichen Ursachen

Wir können sagen, dass es vier potenzielle unterschiedliche Störfaktoren gibt:

a. Die Gründe der Unterrichtsstörung können sehr unterschiedlich sein. Grundsätzlich ist die Rolle des Lehrers jedoch sehr wichtig, da der Lehrer einen guten Unterrichtsplan schreiben und auf diese Weise die Schüler motivieren und inspirieren kann. Gleichzeitig steht der Lehrer in der Verantwortung, mögliche Störungen frühzeitig zu erkennen und dagegenzuwirken sofern die Ursachen bekannt sind.

b. Die soziale und kulturelle Herkunft der Studenten ist auch von Bedeutung. Das heißt, wenn sie aus Familien kommen, in denen sie nicht motiviert und gefördert werden, kann es für Schüler sehr schwierig sein, ein gutes Unterrichtsverhalten zu zeigen. Je weniger Unterstützung die Schüler von ihren Familien erfahren, desto komplizierter ist es, aufmerksam und aktiv am Unterricht teilzunehmen.

c. Es kann auch sein, dass manche Schüler an verschiedenen physischen Problemen, wie zum Beispiel der Dyslexie oder einer undiagnostizierten Fehlsichtigkeit leiden, die sie daran hindern, ihre Aufgaben in der Schule konzentriert zu erledigen und somit zum Störfaktor werden.

d. Das Schulumfeld ist ebenfalls von Bedeutung. Wenn die Schüler wahrnehmen, dass die Grenzen in der Schule nicht deutlich sind, oder dass die Maßnahmen gegen schlechtes Verhalten keine Wirkung haben, kann das zu schlechtem Unterrichtsver-halten führen.


Arten der Unterrichtsstörung

Unterrichtsstörungen können sowohl von den Schülern hervorgerufen werden aber auch durch das Verhalten der Lehrer.

a) Unterrichtsstörungen durch den Schüler: Verbales Störverhalten (Schwatzen, Zwischenrufe, etc.), mangelnder Lerneifer (Desinteresse, Unaufmerksamkeit, Nebenbeschäftigungen, etc.), motorische Unruhe (Zappeln, Kippeln, etc.), aggressives Verhalten (Wutausbrüche, Beleidigungen, etc.)

b) Unterrichtsstörungen durch den Lehrer: schlechte Erklärungen, keine Unterrichtsstruktur, schlecht vorbereitet, ist ungeduldig, missmutig, uninteressiert, verhält sich inkonsequent, (re)agiert willkürlich, lässt zu viel durchgehen, achtet nicht auf die Vorgänge in der Klasse, spricht zu lange und zu monoton, provoziert, bevorzugt und benachteiligt bestimmte Schüler


Lösungen - Prävention von Unterrichtstörungen

„Das Geheimnis eines erfolgreichen Lehrers liegt in der Prävention und Antizipation. In Klassen mit wenigen Störungen minimieren Lehrer die Wahrscheinlichkeit des Auftre-tens von Störungen durch proaktive Strategien.“

In den Buch von Gert Lohmann "Mit Schülern klarkommen" stellt Lohmann eine Mat-rix auf, die insgesamt zwischen 12 ausgeführte Handlungsfelder differenziert, zwi-schen drei Dimensionen: Beziehung, Disziplin-Management und Unterricht auf der Vertikalen und vier Makrostrategien auf der Horizontalen. Die vier Makrostrategien lauten: - Prävention in der Planungsphase - unterstützende Antizipation im Unterricht selbst - Intervention in der Aktion - verändernde Problemlösung in der nachträglichen Reflexion. Nach Gert Lohmann kann man Unterrichtsstörungen gerade durch Prävention zuvorkommen. Es gibt verschiedene Präventivstrategien, die ein Lehrer verfolgen kann.

„Ein Gramm Prävention wiegt mehr als ein Pfund Intervention."

Durch die übersichtliche Aufstellung von Lohmann kann man schnell erkennen, auf welcher Ebene ein Lehrer mit welchen Mitteln auf das Unterrichtsgeschehen einwirken kann und somit Unterrichtsstörungen vorbeugen kann. Weitere Tipps von Lohmann, die Unterrichtsstörungen vorbeugen können, sind:

- Motivationen, Ermutigungen, Belohnungen

- Schüler in den Unterricht einbinden

- negative Emotionen vermeiden

- Methodenwechsel

- außerschulische Lernorte

- Experten und Abwechslung im Unterricht

Weiterhin führt Lohmann aus, wie Lehrkräfte durch das Schreiben eines Unterrichtstagebuchs Selbstreflexionskompetenz in der strengen Trennung von Beschreibung und Interpretation gewinnen können.


Auch Nolting (2007) stellt vier Bereiche der Prävention von Unterrichtsstörungen auf:

- vorausplanende Prävention: positiv formulierte Regeln und gute Organisation (vorbereitete Umgebung)

- Prävention durch breite Aktivierung: möglichst viele Kinder durch interessan-te Inhalte und Methodenvielfalt aktivieren

- Prävention durch Unterrichtsfluss: Wartezeiten vermeiden, eigene Störungen unterlassen und den Unterricht wenig unterbrechen

- Prävention durch Präsenz- und Stoppsignale: Signale (nonverbal, verbal) sen-den.

Weitere Präventionsmodelle finden man auch bei Kounin (1976).


Quellen

Lohmann, G.: Mit Schülern klarkommen. Professioneller Umgang mit Unterrichtsstörungen und Disziplinkonflikten, Berlin 5. Auflage 2007

http://www.fachdidaktik-einecke.de/7_Unterrichtsmethoden/8_profession_umgang_mit_stoerungen.pdf

http://www.ph-heidelberg.de/wp/konrad/download/ab_behinderung.pdf

http://www.zweigstelle.studienseminar-koblenz.de/medien/pflichtmodule_unterlagen/2010/18/Unterrichtsst%F6rungen.pdf

http://www.guterlehrer.de/Unterrichtsstoerung.html