Prüfen

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Prüfen ist der Versuch, durch entsprechende schriftliche und/oder mündliche Aufgabenstellungen oder Fragen Kenntnisse, Fähigkeiten und Leistungen einer Person oder Personengruppe auf einem bestimmten Gebiet so objektiv wie möglich festzustellen.

Prüfen dient  
  • vor einer schulischen oder beruflichen Ausbildung
der Zulassung, Aufnahme oder Einstufung nach Vorkenntnissen
  • während dieser Ausbildung
    (als Zwischenprüfung)
der Fortschrittskontrolle, Unterstützung und/oder Differenzierung
  • am Ende oder nach der Ausbildung
    (als Abschlussprüfung)
der Leistungskontrolle, Leistungsbewertung und/oder der Fortsetzung der Ausbildung.

Dies gilt in gleicher Weise für den gesteuerten Spracherwerb in einer Institution (Schule, Sprachschule, Sprachinstitut, Universität/Hochschule usw.).

Prüfen hat eine aktive und eine passive Seite: die prüfende Tätigkeit der Lehrenden und das Geprüft-Werden der Lernenden. Beide Seiten können durch Belastungsmomente beeinträchtigt werden:

Lernende unterliegen meist generell einer Prüfungsangst, die man aus den möglichen (und gefürchteten) Konsequenzen einer Prüfung, aus den bewusst gewordenen Wissenslücken oder der Angst vor der Person der Prüfenden und anderen Gründen herleiten kann. Sie macht Prüflinge häufig unsicher, zögernd, was sich wiederum in der Beurteilung durch Prüfende niederschlägt.

Weiterhin können durchaus auch klimatische Umstellungen (vor allem bei Eintreffen aus dem Heimatland kurz vor einer Prüfung), kulturelle Unterschiede insgesamt und in der anderen Art des Prüfens negative Auswirkungen haben. In der Prüfung sind Missverständnisse – auf beiden Seiten – nicht auszuschließen, die sich aus der falschen Interpretation sowohl sprachlicher als auch körpersprachlicher Signale ergeben können.

Lehrende unterliegen nicht selten Zeitdruck (z.B. zu viele Prüfungen in rascher Folge, schnelle Entscheidung über Bewertungen usw.) und einer dadurch entstehenden Überlastung, die sich, vor allem bei mündlichen Prüfungen, auf die Konzentrationsfähigkeit auswirkt.

Aber auch mehr irrationale Faktoren sind nicht ohne Einfluss auf das Prüfungsverhalten: Ärger, Ungeduld, Sympathie und Antipathie, die aus Vorwissen über die Person der/des zu Prüfenden herrühren oder die aus Vorurteilen erwachsen.

Prüfende sollten durch ihr Verhalten viele dieser Störfaktoren ausschalten (können), doch gelingt dies nicht immer. Das liegt vielleicht auch an der öfter anzutreffenden und nicht zu unterschätzenden mangelnden Erfahrung im Prüfen. Leider sind Prüfen, Prüfungsverhalten und Bewerten zudem in den wenigsten Ausbildungsgängen Bestandteil der Ausbildung.

Besonders hohe Anforderungen an Prüfende und deren Prüfungsverhalten stellt das (objektive) Prüfen mündlicher Leistungen. Es muss eine adäquate Relation zwischen Grundlagen, Niveau, Inhalt, Umfang und den kommunikativen Zielen der Prüfung und Frage- und Lenkungsverhalten sowie Bewertung bestehen. Für das Prüfen und die Bewertung mündlicher Leistungen können im Gegensatz zu schriftlichen Prüfungen (meist) keine Lösungs- und Bewertungsschlüssel vorgegeben werden, sondern oft nur sehr vage Bewertungsrichtlinien und -kriterien, so dass hier Prüfende in besonderem Maß gefordert sind. Siehe auch

Siehe auch

Einstufung, Leistungsmessung, Test, Prüfungen für DaF (überall dort auch weitere Literatur), Prüfungen für Englisch, Prüfungen für Französisch, Referenzrahmen

Weblinks

Bibliographie

Gardenghi, Monica / O’Connell (Hrsg.): Prüfen, Testen, Bewerten im modernen Fremdsprachenunterricht. (Bayreuther Beiträge zur Glottodidaktik 6), Frankfurt am Main 1997.
Grotjahn, Rüdiger (Hrsg.) : Leistungsmessung und Leistungsevaluation. Fremdsprachen lehren und lernen, 30. Jahrgang, Tübingen 2001.
Jung, Lothar: Problem: Beurteilungskriterien für mündliche Prüfungen. In: Deutsch als Fremdsprache 1/1995, S. 26–30.
Jung, Lothar: Die Bewertung mündlicher Prüfungsleistungen. In: Gardenghi, Monica / O’Connell (Hrsg.): Prüfen, Testen, Bewerten im modernen Fremdsprachenunterricht. (Bayreuther Beiträge zur Glottodidaktik 6), Frankfurt am Main 1997, S. 73–80.
Koch, Ariane: Bewertung mündlicher Leistungen im Fremdsprachenunterricht. In: Fremdsprachenunterricht 43(52)/1999/1, S. 9–10.