Selbstevaluation

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Definition

Selbstevaluation ist ein individueller Prozess, der den Lernenden in das Zentrum des Lernvorgangs rückt. Seine Leistungen werden nicht durch den Lehrenden eingeschätzt, sondern durch den Lernenden selbst.
Lernen ist ein individueller, subjektiver Prozess, zu dem auch die Einschätzung der eigenen Leistungen gehört, was den Lernprozess unterstützt. Erworbene Kompetenzen werden selbst beurteilt, eine subjektive Einschätzung der Leistungen trägt zu einer genaueren Analyse des Lernverhaltens bei, Ursachen für bestimmte Lernschwierigkeiten können so schneller erkannt werden.

Ziele und Bedeutung

Der Lernende wird motiviert, aktiv am Sprachenunterricht teilzunehmen. Er ist nun mehr als ein Objekt, das mit Input gefüllt wird und dessen Leistungen durch Fremdevaluation bestimmt werden. Die selbstständige Evaluation der eigenen Leistungen kann im Bestfall zu einer gesteigerten Selbständigkeit im Lernprozess, also zum autonomen Lernen, anregen. Somit kann der Lernprozess individuell gestaltet werden, und die Voraussetzungen für ein bewusstes Lernen sind optimal eingeleitet. Sicherlich darf der Prozess der Selbstevaluation nicht soweit gehen, dass Lernende ihre Noten eigenständig bestimmen, denn das kann in diesem Bereich schnell zu einem unehrlichen Umgang mit den eigenen Leistungen führen. Selbstevaluation soll eher ergänzend wirken und Perspektiven für den weiteren Lernverlauf schaffen.

Rolle des Lernenden

Durch Selbstmanagement des eigenen Lernprozesses muss der Lernende bewusst seine Fortschritte oder Misserfolge bewerten. Wenn er sich seine Schwächen und Stärken bewusst macht und sie durch genaue Beobachtung definiert, dann kann er gezielter an seinen Schwächen arbeiten und seine Stärken ausbauen. Aufgaben können nun individuell auf die Bedürfnisse des Lerners abgestimmt werden, die Lernmotivation wird durch aktive Teilnahme gefördert.

Rolle des Lehrenden

Die Aufgabe des Lehrenden erfährt eine Veränderung. Er ist nun eher ein Begleiter des Lernprozesses eines Schülers, anstatt diesen zu steuern und zu definieren. Er wirkt nun mehr unterstützend in der Kompetenzbestimmung und steht dem Lernenden beratend zur Seite. Der Lehrende muss geeignete Lernsituationen schaffen und Aufgaben präsentieren, die der Lernende in Bezug zu seiner Selbstevaluation setzen kann.

Instrumente

Fragebogen und Lerntagebücher sind die klassischen Instrumente der Selbstevaluation im Fremdsprachenunterricht. Beide bieten Grundlagen, an denen sich der Lernende orientieren kann, um seine Leistungen einzuschätzen. Die Fragestellungen im Fragebogen können offen oder geschlossen sein. Eine offene Fragestellung erfordert vom Lernenden, eigene Antworten auf die gestellten Fragen zu finden, was meist sehr zeitaufwendig ist. Die geschlossene Form lässt Lernende aus vorgegebenen Antworten wählen und ist weniger zeitintensiv, dafür lässt sie aber auch weniger eigene Ansichten des Schülers zu.
Das Lerntagebuch soll den Lernprozess des Lernenden dokumentieren. Es ist vom Lernenden geschrieben und dient auch mehr ihm als dem Lehrenden. Der Lernende kann seinen Lernprozess somit besser kontrollieren und ihn bewusster gestalten.

Sprachenportfolio

Im Sprachenportfolio sollen Sprachlernende ihre eigenen Fortschritte in der Fremdsprache festhalten und für sich selbst (und teilweise auch für andere) ihren Spracherwerbsprozess und die Sprachkompetenzen sichtbar machen. Gleichzeitig fördert das Portfolio als pädagogisches Mittel das autonome Lernen. Das Portfolio enthält neben - in der Fremdsprache verstandenen und verfassten Texten, beispielsweise Checklisten („ich kann mich vorstellen, einen Weg beschreiben, meine Emotionen ausdrücken “), die durch die im Dossier gesammelten Schülerproduktionen belegt werden können. Die eigene Sprachbiografie wird so vom Lerner selbst beschrieben und belegt - zu diesem Zwecke finden auch Zertifikate über fremdsprachliche Kompetenzen und Niveaustufen (DELF,DALF,TOEFL usw.) Anwendung. Das Dokumentieren und das Reflektieren des Sprachenerwerbs und der Ergebnisse soll motivierend wirken und erlaubt eine individualisierte Evaluation.

Das Europäische Sprachenportfolio

Das Europäische Sprachenportfolio orientiert sich an dem Anspruch des Europarates, Respekt und vertieftes Verständnis der Bürger Europas fördern, die kulturelle und sprachliche und kulturelle Vielfalt Europas zu schützen und für sie zu werben. Sprachenlernen wird dabei als lebenslanger Prozess angesehen, die Entwicklung sprachlicher und interkultureller Kompetenzen ist damit individuell und soll auch unabhängig stattfinden. Transparenz und Kohärenz von Sprachlernprogrammen sowie die Zertifizierung sprachlicher Kompetenzen soll erreichte Standards vergleichbar machen. Die Sprachbiografie und die beigefügten authentischen Lernerdokumente sind insofern unabhängig, als sie auch außerhalb formeller Bildung produziert und rezipiert werden können.

siehe auch

Evaluation

Literatur

Christiane Fäcke: Fachdidaktik Französisch; 2010; Narr Francke Attempo Verlag GmbH + Co.KG, Einheit 14:Leistungsbewertung, Einheit 5, S.75f.


Weblinks