Simulation

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Simulation ist ein Training von Entscheidungen an Konflikt- oder Problemsituationen, wie sie in Wirklichkeit existieren. Es geht dabei darum, am konkreten Einzelfall eine Situation zu analysieren, Fakten herauszustellen, Zielvorstellungen zu finden und Probleme zu lösen. Informationen müssen gesammelt, ausgewertet und in die Entscheidungen einbezogen werden, wobei Alternativen zu berücksichtigen sind.

Rolle der Teilnehmer

TeilnehmerInnen an einer Simulation übernehmen alle Pflichten, Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Funktionen ihrer Rollen, mit denen sie sich identifizieren müssen. Sie sind an einer sich ständig verändernden Situation aktiv und passiv beteiligt.

Trotz gewisser Ähnlichkeiten mit dem Rollenspiel ist es nicht mit diesem gleichzusetzen oder zu verwechseln.

Wesentliches Ziel einer Simulation ist es, nach Lösungsstrategien für ein Problem zu suchen und vor allem die notwendigen Entscheidungen zu treffen. Dies verlangt und fördert Kooperation und Fähigkeit zur Diskussion.

Sprachtraining

Im Sprachunterricht bietet diese aus anderen Arbeitsbereichen stammende Arbeitsform bei fortgeschrittenen Lerngruppen, ganz besonders in fachspezifisch orientierten Kursen, realitätsnahes Sprachtraining in (Klein)Gruppen und im Plenum.

Simulationen sind Instrumente selbstgesteuerten Lernens. Die TeilnehmerInnen müssen im Rahmen eines Themas frei von jeder Lenkung sowohl ihre Sach- als auch in besonderem Maß ihre Sprachkenntnisse einsetzen, um zu vertret- und begründbaren Entscheidungen zu kommen. Passive (Lesen und Auswerten) und ganz besonders aktive (Sprechen und ggf. Schreiben) Sprachanwendung kennzeichnen diese Arbeitsform.

Thema

Für eine Simulation muss ein realitätsbezogenes Thema vorliegen, das jedoch nicht in seinem ganzen Umfang, sondern nur in einem modellhaften Ausschnitt erfasst wird. Die im Thema enthaltenen Probleme und Konflikte sind in Arbeitsgruppen zu lösen. Der spätere Vergleich der Einzelentscheidungen im Plenum führt zu einer Entscheidung und zur Problemlösung, die allerdings im Gegensatz zur Wirklichkeit keine Konsequenzen nach sich zieht.

Phasen

Eine Simulation sollte in drei Phasen verlaufen:

  1. Vorbereitung
    Thema/Situation/Problem werden vorgegeben und mögliche Ziele angesprochen. Gruppen werden gebildet und Rollen verteilt unter Mitwirkung der Beteiligten. Zeitlimits zur Einarbeitung und ggf. bis zur Beendigung der Simulation werden vorgegeben.
  2. Durchführung
    Die Ausgangslage wird analysiert und mit zur Verfügung stehenden Material verglichen, ggf. ist weiteres Material zu beschaffen. Verschiedene Lösungsmodelle werden erarbeitet, verglichen und in die akzeptabelste Entscheidung zusammengeführt.
    Die Entscheidungen der einzelnen Gruppen werden im Plenum diskutiert und zu einer endgültigen Entscheidung zusammengefasst.
  3. Auswertung
    Der gruppen- wie gesamtspezifische Verlauf der Simulation wird analysiert, Vor- und Nachteile, Schwächen und Stärken werden herausgestellt, was zu Verbesserungsvorschlägen für weitere Arbeit dieser Art führt.
    Sprachliche Probleme, die sich während der Arbeit ergeben haben, können anschließend behandelt werden.

Weblinks

Bibliographie

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