Spiele

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Der Begriff Spiel ist nicht leicht und einheitlich zu definieren, da er sich aus vielen Teilaspekten zusammensetzt. So werden Pädagogen und Soziologen, Psychologen, Verhaltensforscher oder Informatiker auf Grund ihrer Sicht und der Untersuchung von bestimmten Aspekten und/oder Funktionen des Spiels zu unterschiedlichen Definitionen kommen.

Definition

Spiel lässt sich vereinfacht als eine Tätigkeit beschreiben, die sowohl zweckgebunden zur Erzielung eines realen oder imaginären Gewinns als auch zweckfrei zum Vergnügen, zur Entspannung, zum Zeitvertreib von einer Person oder auch mehreren Personen ggf. nach vorher festgelegten, aber durchaus veränderbaren Regeln oder auch ohne Regeln ausgeübt wird.

Anwendung im Unterricht

SpielteilnehmerInnen müssen sich im Spiel handelnd mit MitspielerInnen und dem Spielgegenstand auseinandersetzen. So werden Lernprozesse in Gang gesetzt oder verstärkt, die u.a. zu sozialen, intellektuellen, sprachlichen Kompetenzen führen.

Für den Fremdsprachenunterricht ist das wichtigste Lernziel von Spielen die ggf. zwar thematisch/inhaltlich gelenkte, aber individuell gestaltete, spontane und akzeptable Äußerung, d.h. die Anwendung von Sprachmaterial, das im Unterricht und außerhalb des Unterrichts erworben wurde, im Rahmen einer natürlichen Kommunikationssituation.

Spiele bieten eine Reihe von Vorteilen. Sie sind unabhängig von den jeweiligen Lernabschnitten (Lektionen) einsetzbar. Sie bieten eine Abwechslung zu anderen Unterrichtsformen (z.B. Frontalunterricht) und fungieren als Lernhilfen, sind jedoch kein ständiger Ersatz für andere Unterrichtsformen.

Sie tragen dazu bei, das Gruppenklima und das Sozialverhalten zu verbessern oder auch Lernhemmungen und mangelnde Motivation zu beseitigen. Durch Spiele können lernpsychologisch weniger anregende Lern- und Übungsformen ergänzt oder gar ersetzt werden. Konventionelle Arbeits- und Übungsformen lassen sich unter Berücksichtigung der Situation der jeweiligen Lernergruppe durchaus spielerisch gestalten, ohne dass die eigentliche Lernaufgabe verloren geht.

Auswahl

Die Auswahl geeigneter Spiele oder Spielformen ist organisatorische Aufgabe der Lehrenden. Die zahlreichen Spielesammlungen für den Sprachunterricht bieten für Interaktionsspiele (z.B. Sprachlernspiele wie Satzschlangen, Memory, Simulations- und Rollenspiele oder szenische Spiele) vielfältige Anregungen und Hilfen.

Sie nehmen aber Lehrenden nicht die Überlegungen und Entscheidungen darüber ab,

  • welches Lernziel erreicht werden soll,
  • welches Spiel am besten dafür geeignet ist,
  • wieweit es die Interessen der Lernenden trifft,
  • welche Spiel- und Sprachvoraussetzungen und -erfahrungen vorhanden sind,
  • welche Regelvorgaben und andere (sachliche und sprachliche) Erläuterungen vorweg notwendig sind,
  • ob und wieweit die Spielleitung den Lernenden übertragen werden kann,
  • nach welchen Kriterien die Spielgruppen zusammenzustellen sind,
  • wie ggf. sprechgehemmte Lernende gefördert werden können,
  • welches Spielmaterial notwendig ist und
  • ob es ggf. in gemeinsamer Arbeit vorbereitend erstellt werden kann/muss.

Durchführung

Allerdings sollte Spiel wirklich Spiel bleiben und als solches auch von den Lernenden empfunden werden. Dies schließt alles aus, was dem Charakter des Spiels zuwiderläuft, so etwa umständliche und schwer verständliche Spielanweisungen, die Lust und Freude am Spiel nicht aufkommen lassen. Spielregeln und Spielverfahren sollten handelnd erläutert und vorgestellt werden. Dabei kann eine dem Niveau der Lernenden angepasste sprachliche und inhaltliche Vorbereitung einfließen. Der Spielverlauf selbst sollte den Lernenden überlassen bleiben und nicht durch ständige korrigierende Eingriffe gestört werden. Lehrende sollten (falls sie nicht Mitspielende sind) möglichst nur im Hinblick auf eine spätere sprachliche Auswertung den Spielverlauf still beobachten (etwa Aussprache, Morphologie, Syntax, textkonstituierende Elemente usw.). Ein Mitschnitt (Tonband, Video) kann dabei gute Dienste leisten, sofern nicht durch die Technik Hemmungen bei den Lernenden hervorgerufen werden.

Sitzordnung

Eine besondere Rolle bei Spielen kommt der Sitzordnung zu. Sie muss Kommunikation und Interaktion zwischen den Lernenden erlauben und fördern. Die (leider meist) übliche Sitzordnung in Reihen hintereinander ist durch Kleingruppen, face-to-face- Gruppen, kreis- oder hufeisenförmige Sitzordnung zu ersetzen.

Einerseits tragen diese offenen Sitzordnungen dazu bei, Ängste und Sprechhemmungen abzubauen, andererseits können sich Ängste und Hemmungen bei einzelnen TeilnehmerInnen auch erst einstellen wegen der ggf. neuen und ungewohnten Situation, die den ”Schutz” der herkömmliche Sitzordnung nicht mehr bietet. Durch entsprechende Mischung der Gruppen, Anpassung der Spielformen an das jeweils schwächste Gruppenmitglied, jedoch mit allmählicher Steigerung der Anforderungen oder Übertragung bestimmter Spielaufgaben auf betroffene TeilnehmerInnen können Ängste und Hemmungen abgebaut werden.

Weblinks

Gesellschaftsspiele im DaF-Unterricht bei Ludolingua: http://ludolingua.de/ sowi
Texte und Tipps zum Spielen im Unterricht: http://ludolingua.de/spielen-im-unterricht/
Gruppenspiele - Hits für Kids: http://www.gruppenspiele-hits.de/index.html
Tipps und Spiele zum Thema "Redensarten" im Unterricht http://homepage.ruhr-uni-bochum.de/Jutta.Mahlke/motto-uibsp.htm

Bibliographie

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