Sprachliche-kommunikative Kompetenzen

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Definition

Unter kommunikativer Kompetenz wird die Fähigkeit verstanden, die Gesetzmäßigkeiten des Sprachgebrauchs zu verstehen und dementsprechend in der Praxis einzusetzen. Sprachliche Kompetenzen werden von der Sprachfähigkeit, als die Fähigkeit, Sprache zu produzieren, in dem ein Sprachangebot angeeignet und verarbeitet wird, und der Sprachkenntnis, die eine Reflexion über die Wirkung und Wahrnehmung der Sprache innerhalb eines konkreten Kontextes einer Sprachgemeinschaft voraussetzt, unterschieden. In dieser Sprachkenntnis ist auch das Wissen von der Wandelbarkeit des Sprachgefüges von Bedeutung (Heterogenität der Sprache). Darin findet sich die Dialektik zwischen Sprachwissen und „Weltwissen“ wieder, in welchem eine bestimmte Sprachgemeinschaft ein ihr eigenes Wissen von Symbolen, Denkfiguren, Deutungs- und Handlungsmustern sprachlich erfasst. Generell geht es dabei um das Erkennen und Wahrnehmen der alltäglichen Funktion der Sprache, welche unsere kommunikative Handlungsfähigkeit beeinflusst.

Ziele und Bedeutung

Demnach ist das Lernen einer Fremdsprache auch interkulturelles Lernen, denn um das Sprachwissen einer Fremdsprache zu erwerben, ist die Auseinandersetzung mit der eigenen und der fremden Kultur gleichzeitig erforderlich. In dieser Hinsicht muss der Lernende sich über die sprachlichen Schwierigkeiten bewusst sein, denn die Wahrnehmung sprachlichen Handelns im Alltag ist je nach Sprachgemeinschaft verschieden. Dabei besteht das Ziel dieser Kompetenzen, die unterschiedlichen Funktionen der Sprache im Alltag zu differenzieren und sie bewusster in ein sprachliches Handeln zu integrieren, um eine Sensibilisierung gegenüber der Sprache zu entwickeln.

Rolle des Lehrenden

Der Fremdsprachlehrer hat hierbei die Aufgabe, den Lernenden ein Bild des Wissensbestands der Fremdsprache, d.h. kulturelle und soziokulturelle Faktoren mit in den Lernprozess zu integrieren und somit sowohl das sprachliche als auch das nichtsprachliche Wissen zu vermitteln, damit weniger Missverständnisse auf interkultureller Ebene entstehen. Der Lehrer dient hier zunächst als Vorbild, danach zieht er sich immer mehr zurück und hilft den Lernenden, selbsttätig und selbstständig sich Wissen anzueignen und zu erschließen, außerdem kulturelle und individuelle Unterschiede in Handlungsmustern reflektieren zu können.


Sprachlich-kommunikative Probleme, die im Fremdsprachenunterricht auftreten können

Ein zentrales Problem im Fremdsprachenunterricht ist, dass im Unterricht zu wenig gesprochen wird und die Beiträge meistens sehr kurz sind. Oft handelt es sich dabei um Ein-Wort- Beiträge. Das Ziel dabei ist, davon wegzukommen und die mündliche Kommunikation innerhalb der Lerngruppe zu steigern. Besonders in den höheren Klassen wird das Augenmerkmal auf die Schriftlichkeit gelegt und das kann zu einer Verkümmerung der mündlichen Kommunikationsfähigkeit führen. Demzufolge sollte die sprachliche Kommunikation im Vordergrund stehen. Der Fremdsprachenunterricht sollte authentisch sein und demzufolge müssen wir von den didaktischen Dialogen wegkommen und authentische Anlässe innerhalb des Unterrichts schaffen. Es wurde beobachtet, dass wenn die Botschaft und nicht die sprachliche Kodierung im Vordergrund stehen, junge Menschen dazu tendieren, sich mehr in der Kommunikation einzubringen.


Lösungsvorschläge, wie die sprachlich-kommunikativen Probleme gelöst werden können

Es gibt zahlreiche Methoden, welche die sprachliche Kommunikation fördern können. Zum einen könnte man die Schülern einen Fragebogen zu persönlichen Situationen, aktuellen Themen, wie beispielsweise aus der Mode, aus dem Film- oder Musikbereich, beantworten lassen. Die Interessen der Schüler werden hier geweckt und die Motivation innerhalb des Unterrichts ist damit erhöht. Nachdem die Schüler den Fragebogen beantwortet haben, könnten sie diesen in kleinen Gruppen oder vor der Klasse präsentieren. Die Ergebnisse von Hausarbeiten eignen sich auch sehr gut dafür, im Unterricht vorgetragen zu werden. Somit kann die sprachliche Kommunikation gestärkt werden. Zum anderen können Rituale in regelmäßigen Abständen eingebaut werden. Hier können sich die Schüler über z.B. Kinofilme, aktuelle Lieblingssänger, aktuelle Lektüre etc. austauschen. Diese können in Partner- oder Gruppenarbeit verrichtet werden. Hier wird nicht nur die sprachliche Kommunikation gefördert, sondern auch die sozialen Kompetenzen. Das erzeugt ein angenehmes und angstfreies Lernklima.


Instrumente

Leistungstests in Form von Lernstandsbeurteilungen und -bewertungen stellen die gängigste Form der Messung von sprachlich-kommunikativen Kompetenzen dar. Das CLILA-Projekt zum Beispiel hat als Ziel, Erhebungs- und Bewegungsinstrumente im integrierten Fremdsprachen- und Sachunterricht von Grundschülern zu erarbeiten.


Portfolioarbeit im Fremdsprachenunterricht

In der Fremdsprachendidaktik gibt es noch heute wenig fachbezogene, berufsspezifische Anleitungen in der Fremdsprachendidaktik für Fremdsprachlehrer. Die Brücke zwischen Standardisierung und Individualisierung der Lernenden soll der Fremdsprachlehrer daher mit themenorientiertem Unterricht herstellen, welcher eine gewisse Autonomie des Lehrers erfordert. Nur so kann der Fremdsprachlehrer die Schüler gemäß ihrer Sprachlernkompetenz fördern. Die Portfolioarbeit dient dem Gespräch zwischen Schülern, Lehrkraft und Eltern als Produkt von erlernten Inhalten und sprachlich-kommunikativen Kompetenzen und zeigt durch die Selbstevaluation den Lernfortschritt und über welche Kompetenzen der Schüler verfügen und ist aus diesem Grund ein wesentlicher Bestandteil der alternativen Lernstandsbewertung.

Das DESI-Projekt (Deutsch Englisch Schüler International)

Das DESI-Projekt ist ein Zusammenschluss aus Bildungsforschern, Erziehungswissenschaftlern und Fachdidaktikern, die in einem interdisziplinären Konsortium von 2001 bis 2006 eine repräsentative Schulleistungsstudie im Auftrag des Kultusministeriums durchgeführt haben. Ziel dieser Studie war es, die Kompetenzentwicklung der Schülerinnen und Schüler einer neunten Jahrgangsstufe im Fach Englisch beschreiben und analysieren zu können. Als Ergänzung zu den Studien TIMSS und PISA sollte die DESI-Studie mit Test- und Fragebögeninstrumenten, darunter Befragungen und Videoaufzeichnungen, die Wirksamkeit von Schule und Unterricht erforschen, um einen Beitrag zur Weiterentwicklung des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens (GER) zu leisten.


Siehe auch

Literatur

  • T. Flächer (2011): Portfolioarbeit im gymnasialen Fremdsprachenunterricht: themenorientierter Unterricht mit dem Europäischen Portfolio der Sprachen. Internationaler Verlag der Wissenschaften. Frankfurt am Main, S. 26 - 33.
  • R. Fiehler (2003): Modelle zur Beschreibung und Erklärung altersspezifischer Sprache und Kommunikation, in: R. Fiehler/C. Thimm (Hg.): Sprache und Kommunikation im Alter. Radolfzell: Verlag für Gesprächsforschung, S. 38 – 56, Aufsatz (Sammelwerk), (http://www.verlag-gespraechsforschung.de/2004/alter/038-056.pdf) .
  • F.J. Meißner/B. Tesch (2009): Spanisch kompetenzorientiert unterrichten. Grundlagen und Beispiele zur Aufgabenkonstruktion, Stuttgart: Klett, ISBN 978-3-7800-1069-8.
  • O.-M. Blume (2006): “Faire parler- Sprechen fördern”, in: Der Fremdsprachliche Unterricht. Französisch, Nr. 84, S. 18 – 22.

Weblinks