Sprachmittlung

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Definition

„Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen definiert Mediation als die Vermittlung zwischen Menschen, die nicht in der Lage sind, einander direkt zu verstehen. Im Deutschen hat sich hierfür der Begriff der „Sprachmittlung“ eingebürgert. Er schließt sowohl das Übersetzen und Dolmetschen („interlinguale Mediation“) als auch das Paraphrasieren in der Fremdsprache („intralinguale Mediation“) ein. Für die soziokulturelle Theorie hingegen bedeutet Mediation die Verwendung kultureller Werkzeuge, die es erst möglich machen zu lernen und sich zu entwickeln. Solche Werkzeuge sind beispielsweise Aufgaben, Portfolios und Medien, aber vor allem Sprache – und, für den Fremdsprachenunterricht besonders interessant, die Muttersprache.“ (Weskamp: 2008, S.6.)

Aus der Definition wird deutlich, dass Sprachmittlung zunächst das Übertragen von Texten in eine andere Sprache meint und auch häufig synonym zum Terminus Mediation gebraucht wird. Der Sprachmittler hat dabei die Funktion, zwischen den Gesprächsteilnehmern zu vermitteln, ohne seine eigenen Absichten und Einstellungen zu einem bestimmten Thema zum Ausdruck zu bringen.

Die Sprachrichtung variiert je nach kommunikativem Kontext. Es kann von der Muttersprache in eine Fremdsprache, von einer Fremdsprache in die Muttersprache oder auch von einer Fremdsprache in eine andere Fremdsprache übertragen werden (vgl. Caspari: 2008, S.60.).

Das Konzept der Sprachmittlung bezieht sich sowohl auf mündliche als auch auf schriftliche Ausgangstexte, die entweder mündlich oder schriftlich übertragen werden (vgl. ebd., S.60).

Formen der Sprachmittlung

Im Zuge der Globalisierung wird es immer wichtiger, zwischen Menschen verschiedener Kulturen zu vermitteln, die sich sprachlich nicht direkt verstehen können. Die Formen der Sprachmittlung sind sehr unterschiedlich und reichen von sehr genauen literarischen Übersetzungen über Konsekutiv-und Simultandolmetschen bis hin zu informellem Dolmetschen (vgl. ebd., S.60.).

Aber auch im Fremdsprachenunterricht spielt die Sprachmittlung eine zunehmen wichtige Rolle. Die Kultusministerkonferenz hat Sprachmittlung als relativ neues Konzept in den Fremdsprachenunterricht integriert und formuliert in den Bildungsstandards für die erste Fremdsprache für den MSA folgende Könnensziele:

„Die Schülerinnen und Schüler können mündlich in Routinesituationen und schriftlich zu vertrauten Themen zusammenhängende sprachliche Äußerungen und Texte sinngemäß von der einen in die andere Sprache übertragen. Die Schülerinnen und Schüler können in Alltagssituationen sprachmittelnd agieren, persönliche und einfache Sach- und Gebrauchstexte sinngemäß übertragen.“ (KMK: 2003, S.14.)

Laut Weskamp ist für die Sprachmittlung als kommunikative Fertigkeit vor allem wichtig, dass sich die Lehrperson stets über die Subjektivität der Resultate in einer zweisprachig vermittelten Kommunikation bewusst ist (vgl. ebd., S.6). Die Schüler haben ganz unterschiedliche Sprachkompetenzen und beide Sprachen unterscheiden sich in vielen Bereichen. Die Lehrperson sollte außerdem ein Wissen über kulturelle Hintergründe besitzen und ausbauen, um eine Aufgabentypologie von Sprachmittlung erstellen zu können (vgl. ebd., S.6). Zur Unterstützung des vorrangigen Ziels der sinngemäßen Übertragung und auch für das Schulen von Lernstrategien sollten beispielsweise interkulturelle Handbücher, Wörterbücher, etc. herangezogen werden (vgl. ebd., S.6.).

Die Sprachmittlungsaufgaben sollten außerdem stets in einem für den Schüler lebensnahen Kontext eingebettet sein, die Schüler sollten Sinn und Zweck der Aufgabe, in dem Fall die Übertragung der einen in die andere Sprache, verstehen (vgl.ebd., S.6.). Fragen nach der Gerichtetheit des Textes, der Genauigkeit des Übertragens, der Konzeption (mündlicher oder schriftlicher Charakter) müssen vorab für die Schüler klar sein, damit sie zielorientiert mit dem Text umgehen können.

Umgang mit der Muttersprache

Auch der Umgang mit der Muttersprache spielt bei der Sprachmittlung eine entscheidende Rolle. Soll die Muttersprache ganz ausgeklammert werden oder sollte sie zumindest teilweise, um ein besseres Verständnis zu erzielen, genutzt werden? Gerade bei Sprachanfängern kann das Übersetzen in die Muttersprache auch Sicherheit geben, den Text richtig verstanden zu haben und somit auch zu weniger Sprechangst und größerer Unabhängigkeit führen (vgl. ebd., S.7.). Das Maß ist hier entscheidend, denn wenn sich Schüler daran gewöhnen, dass der Lehrer immer auf Deutsch übersetzt, werden sie sich nicht anstrengen selbst in der Fremdsprache zu formulieren (vgl. ebd., S.7.). Andererseits kann die Muttersprache so eingesetzt werden, dass sie den Schülern (gerade den leistungsschwächeren) als Stütze und als Sicherheit dient.

Gerade für einen Sprachenvergleich, für das Schulen von Lernstrategien, für das Schaffen eines Sprachbewusstseins, und nicht zuletzt auch für das Ziel einer Mehrsprachigkeit bietet die Sprachmittlung einen wichtigen Ansatz.

Quellen:

  • Caspari, D. (2008): Didaktisches Lexikon „Sprachmittlung“, in: Praxis Fremdsprachenunterricht (5), 60.
  • Weskamp, R. (2008): Mediation – ein neuer Begriff in der Fremdsprachendidaktik, in: At work (14), 6–7.
  • Beschlüsse der Kultusministerkonferenz, 08.02.2013