Szenisches Spiel

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Szenisches Spiel ist reproduktive oder reproduktiv-produktive Darstellung eines vorgegebenen Handlungs- und Sprachmusters oder dessen völlig freie dramatisierende Gestaltung. Es werden bewusst körperbezogene Mittel wie Gestik und Mimik usw. als Unterstützung sprachlicher Ausdrucksformen wie z.B. Prosodie, Gesang usw. einbezogen.

Szenische Umsetzung

Die szenische Umsetzung in enger Bindung an eine Textvorlage und Spielanweisungen (Regieanweisungen) sind z.B. Theater, Laienspiel, Revue usw. Eine lockere Verbindung zu einer Vorlage und stärker kreative und körperbezogene Umsetzung finden sich etwa bei Standbild, Pantomime und Scharade, Stegreifspiel, Tanz etc., bei denen Begriffe, Sätze oder (Text)Inhalte interpretierend dargestellt werden.

Daraus ergeben sich deutliche Unterschiede zu Rollenspiel und Simulation, mit denen szenisches Spiel nicht verwechselt oder gleichgesetzt werden darf.

Kreative Gestaltung

Die kreative Gestaltung von Inhalten stellt an die Beteiligten einmal Anforderungen an Sprachkönnen sowie Erinnerungsvermögen und zum anderen fordert sie viel Vorstellungskraft im Hinblick auf die Umsetzung in inhaltsadäquate Gestik, Mimik usw.

Funktion im Sprachunterricht

Für den Sprachunterricht bietet szenisches Spiel vielfache Möglichkeiten, da Lernende agierend und reagierend teilnehmen an der sprachlich angemessenen Wiedergabe von Handlungen, Haltungen, Stimmungen, Gefühlen usw. und den dazugehörigen prosodischen (Lautstärke, Tonfall, Sprechtempo, Redefluss, Sprechpausen) und körpersprachlichen (Gestik, Mimik) Ausdrucksmitteln. Gerade sie kommen im Sprachunterricht häufig zu kurz oder werden gar nicht berücksichtigt, sind aber wegen der durchaus bestehenden und kulturell bedingten Unterschiede von nicht zu unterschätzender Bedeutung.

Textmaterial

Meist werden nur Dialoge des Lehr- und Lernmaterials zu szenischem Nachspielen verwendet (dann auch noch auswendig gelernt, was möglichst vermieden werden sollte). Aber nicht nur sie, sondern auch einzelne Wörter, Sätze und ”normale” monologische Texte (Prosa wie Lyrik) eignen sich genauso gut wie Kurzszenen oder Szenenausschnitte für diese etwas andere Lerntätigkeit, die zu sprachlichem Handeln (schon bei der Planung und Vorbereitung) motiviert und das Behalten von Sprachmitteln (Syntax, Lexik) fördert.

Voraussetzungen

Einige Voraussetzungen allerdings sind zu beachten. So muss im Unterrichtsraum eine genügend große Spielfläche geschaffen werden (durch Beiseiteräumen des Mobiliars). Klare eindeutige Anweisungen müssen gegeben werden, die Inhalt, Handlung, Personen, Ort, Personen und ihre Zusammengehörigkeit, ihr Zusammenspiel und die Spielzeit betreffen. Nicht nur notwendige Requisiten sind bereitzustellen, sondern auch und vor allem sind sprachliche Voraussetzungen (wichtige Ausdrücke und Wendungen) zu schaffen.

Begonnen werden sollte mit kleinen Szenen zwischen jeweils zwei (wechselnden) Partnern, nach und nach sollten größere Szenen mit mehr MitspielerInnen folgen. Die/der Lehrende fungiert nur als HelferIn und führt nicht Regie; diese Aufgabe wird auch den Lernenden übertragen.

Szenisches Spiel ist eine Möglichkeit, lernergesteuertes und handlungsbezogenes Lernen in den Unterricht zu integrieren.

Weblinks

Theater spielen im Fremdsprachenunterricht: http://ludolingua.de/spielen-im-unterricht/

Bibliographie

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