Tafel

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Tafel und Kreide sind klassische Hilfsmittel zur Veranschaulichung im Unterricht mit dem Vorteil vielseitiger Einsetzbarkeit. Sie sind in fast allen Klassenräumen vorhanden; auf Grund der technischen Entwicklung werden sie jedoch häufig als ”museal” angesehen und in ihren Möglichkeiten unterschätzt.

Formen von Tafeln

Tafeln gibt es in verschiedenen Formen (Wand- oder Standt., ein- bis dreiflügelig, fest montiert oder höhen- wie seitenverschiebbar, mit oder ohne Hilfslinien) und aus verschiedenen Materialien (Holz, Kunststoff, Glas) als Schreibt.; aus Metall als Schreib- und Magnethaftt., sowie aus Stoff (z.B. Flanell) als Haftt. zum Anheften von Gegenständen z.B. mit Klettenband.

Funktion im Unterricht

Arbeit und Darstellung an der Tafel müssen logisch in den Unterrichtsablauf integriert sein und dürfen ihn nicht unterbrechen oder stören. Voraussetzung dafür ist ihr Einbezug in die Unterrichtsvorbereitung. Es müssen klare Vorstellungen darüber vorhanden sein, welcher Unterrichtsstoff zu welchem Zeitpunkt und in welcher Art und Weise an der Tafel dargestellt werden soll (WAS? WANN? WIE?).

Tafelarbeit

Für die Tafelarbeit sind einige Punkte (die aber leider häufig vernachlässigt werden) als selbstverständlich anzusehen:

  • Reinigung der T. vor Unterrichtsbeginn (Ausnahme: vor dem Unterricht angefertigtes T.-bild),
  • Bereitlegen des Arbeitsmaterials wie (farbige) Kreide(n), Schwamm oder Tuch, Haftelemente etc.
  • Auch muss auf gut lesbares Schriftbild (Deutlichkeit, Schriftgröße in Abhängigkeit von der Raumgröße)
  • sowie auf richtige Einteilung der verfügbaren T.-fläche geachtet werden: die Hauptinformationen sollten immer auf dem Mittelteil der T. stehen, während rechter und linker T.-flügel für zusätzliche Informationen oder Dokumentation usw. verfügbar sind. Natürlich können dort auch u.U. verdeutlichende Anmerkungen und Hinweise, kurze Übungssequenzen oder auch Zeichnungen erscheinen. Es sollte aber eine einmal eingeführte Anordnung nicht willkürlich abgeändert werden.
  • Wichtig ist die richtige Arbeitshaltung der/des Lehrenden, die/der auf Sichtkontakt mit den Lernenden und Sprechbegleitung seiner T.-arbeit achten sollte, da beides den Vermittlungsprozess unterstützt.
  • Fehler dürfen keinesfalls an der T. stehen bleiben.
  • Den Lernenden muss genügend Zeit zum Abschreiben (oder auch Abzeichnen) bleiben; eine Kontrolle des Abgeschriebenen ist von Zeit zu Zeit anzuraten, damit nicht fehlerhaft Abgeschriebenes den Lernprozess stört.

Negatives und Positives

Vermieden werden sollte es, eine/n Lernende/n an der Tafel arbeiten zu lassen, z.B. einen Text mitschreiben zu lassen (etwa Diktat). Dies ist eine Leistungskontrolle eines Einzelnen vor der ganzen Gruppe, deren psychologische Folgen nicht vorher- und absehbar sind. Sehr häufig wird ein derartiges – oft negatives – Zurschaustellen als Disziplinierungsmaßnahme empfunden, die weder bei Kindern, Jugendlichen noch Erwachsenen angebracht ist.

Überlegter Einsatz der Tafel fördert die Einsicht in den Lernstoff und erhöht dessen Einprägsamkeit. An der Tafel kann vieles geboten werden: Information, Dokumentation, Klärung und Veranschaulichung, Ergebnissicherung, Signale zu und Steuerung von sprachlichem Handeln; ggf. lässt sie sich auch bei der Leistungskontrolle einsetzen.

= Beispiele

Einige Beispiele sollen Möglichkeiten der Verwendung der Tafel zeigen.

Informationen über den Arbeitsablauf sind wichtig etwa für Seminare, Gruppenarbeit, Arbeit mit Arbeitsblättern usw. Diese Informationen sollten während der gesamten Arbeitszeit an der T. verbleiben, damit sich die Lernenden immer über die Phase informieren können, in der sie stehen bzw. die folgt. Die beiden Außenflügel sollten aber frei bleiben für notwendigen Anschrieb während der Arbeit:

Abbildung 1

Tafel bsp1.jpg

Die folgenden während des Unterrichtsgespräches entstandenen Tafelbilder zur Grammatik zeigen Bedeutungsklärung und Veranschaulichung bestimmter grammatischer Regelmäßigkeiten. Die Darstellung ist zugleich Dokumentation und weiter Anlass für sprachliches Handeln (Satzbildung mit vorgegebenen Satzteilen in Frage und Antwort).

Abbildung 2

Tafel bsp2.jpg

Abbildung 3

Tafel bsp3.jpg

Bei der Präsentation von unbekannter Lexik ist häufig eine Trennung der einzelnen Wortarten in Spalten zu beobachten, was sicher berechtigt sein kann. Der Anschrieb der Lexik in der Reihenfolge ihres Vorkommens in einem Text erlaubt nicht nur die Erklärung aus dem Kontext, sondern erleichtert auch die Einprägsamkeit. Zusätzlich ist ein derartiges Wortgerüst eine Hilfe bei weiterer Arbeit (mündlich/schriftlich; Fragen zum Text, Nacherzählung, Zusammenfassung usw.).

Abbildung 4

Tafel bsp4.jpg

Das folgende T.-bild veranschaulicht und klärt semantische Schwierigkeiten im zweisprachigen Unterricht Deutsch für Italiener:

Abbildung 5

Tafel bsp5.jpg

Auch für Ausspracheübungen und -korrektur ist die T. geeignet; es lassen sich rasch die Sprechwerkzeuge und die Artikulationsstellen zeichnerisch darstellen und kontrastive/ komparative Übungen anbieten, wie das folgende Beispiel zeigt.

Abbildung 6

Tafel bsp6.jpg

Weblinks

Bibliographie

Schilder, Hanno: Visuelle Medien. In: Bausch, Karl-Richard et al.: Handbuch Fremdsprachenunterricht. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage, Tübingen 1995, S. 312–314.