Tertiärsprachendidaktik

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© Prof. em. Dr. Gerhard Neuner, Universität Kassel, Deutsch als Fremdsprache

1. Zur Einführung

Weltweit hat sich das Englische als erste Fremdsprache auch im Bereich des schulischen Fremdsprachenlernens durchgesetzt. Das Deutsche wird heute – mit wenigen Ausnahmen (z.B. in Grenzregionen zum deutschsprachigen Raum und in besonderen Fremdsprachenschulen weltweit) – im Schulbereich als Folgefremdsprache (Tertiärsprache: 2.,3.,….Fremdsprache) angeboten.

Man kann deshalb davon ausgehen, dass die Schüler, wenn sie in der Schule (oder an der Universität) Deutsch zu lernen beginnen, schon mehrere Jahre lang mindestens eine Fremdsprache (in der Regel Englisch) gelernt haben deshalb ‚sensibel für Sprachen’ sind und mit Lerntechniken und –strategien des Fremdsprachenlernens vertraut sind. Daran knüpft die TSD an.

Die TSD ist nur eine von mehreren möglichen Ausprägungen des Konzepts der Mehrsprachigkeitsdidaktik. Eine weitere Ausprägung ist z.B. das Konzept des in einer Fremdsprache durchgeführten Fachunterrichts (z.B. Geographie-, Geschichtsunterricht etc. in einer Fremdsprache).

2. Merkmale der Tertiärsprachendidaktik

Fünf didaktisch-methodische Prinzipien

a) Kognitives Lernen: Entfaltung von Sprachbewußtheit (durch Vergleich der Sprachen) und Sprachlernbewußtheit (Erweiterung von Lerntechniken und Lernstrategien)

b) Verstehen als Grundlage und Ausgangspunkt des Fremdsprachenlernens (viele Sprachphänomene (Hunderte Wörter; viele Elemente der Grammatik; Texte; etc.) des Deutschen kann man verstehen, wenn man z.B. das Englische zu Hilfe nimmt; um sie aktiv zu benutzen, muss aber ein intensives Aussprache-/Rechtschreibtraining durchgeführt werden)

c) Inhaltsorientierung (altersgemäße Inhalte; Einbezug der eigenen Welt und der Welt der Sprachen, die man schon zu lernen begonnen hat)

d) Textorientierung (ergibt sich aus Prinzip b); Einbezug der neuartigen Textsorten der ‚Neuen Medien’ (z.B. e-mail: SMS; chat; etc.).

e) Ökonomisierung des Lernprozesses
(Aktivierung der Lernenden (alles, was man schon an Sprache(n) und Lernstrategien ‚im Kopf’ hat, in das Deutschlernen einbeziehen); mehrsprachiges Bildlexikon entwickeln und ausgestalten; kreativer Umgang mit Sprache (z.B. aus dem Sprachvergleich Hypothesenbildung zu Wortbedeutungen, zu Sprachregeln und zu Texten); Anleitung zur Selbstevaluation; etc.).

Siehe auch

Mehrsprachigkeitsdidaktik

Bibliographie

a) Sekundärliteratur:
Byram, M.(ed.)(2003): Intercultural Competence, Strasbourg (Council of Europe Publishing).
Chighini, P., Kirsch, D. (2009): Deutsch im Primarbereich, München (Fernstudieneinheit 25; Universität Kassel/Goethe-Institut).
Hufeisen, B., Neuner, G. (Hrsg.) (2003): Mehrsprachigkeitskonzept – Tertiärsprachen – Deutsch nach Englisch, Strasbourg (Council of Europe Publishing).
Neuner, G., Hufeisen, B., Kursisa, A., Marx, N., Koithan, U., Erlenwein, S. (2009): Deutsch als zweite Fremdsprache, München (Fernstudieneinheit 26; Universität Kassel/Goethe-Institut München).
Neuner, G., Hunfeld, H.(1993; 7.Aufl. 2007): Methoden des fremdsprachlichen Deutschunterrichts, eine Einführung, München (Fernstudieneinheit 4; Universität Kassel/Goethe-Institut München).
Neuner, G. (2003): „Socio-cultural interim worlds in foreign language teaching and learning“, in Byram (ed), 15 – 62.
Neuner, G. (2009): The Dimensions of Intercultural Education – Introduction to the Council of Europe’s Future Education Policy” (MS, 32 S.,in Druck; erscheint als Publikation des Council of Europe).
Neuner, G. (2009): Trends 2010: Perspektiven der Weiterentwicklung der Didaktik und Methodik des fremdsprachlichen Deutschunterrichts nach der Jahrtausendwende“. Ergänzungskapitel (Supplement) zu Neuner/Hunfeld (2007, 7.Aufl) (in Druck).

b) Lehrmaterialien:
Kursisa, A., Neuner, G. (2006): Deutsch ist easy! Lehrerhandreichungen und Kopiervorlagen „Deutsch nach Englisch“ für den Anfangsunterricht, Ismaning: Hueber.
Neuner. G. (Hg), Kursisa, A., Pilypaityte, L., Szakely, E.,Vicente, S. (2008): deutsch.com, Ein Lehrwerk für Jugendliche, Band 1, Ismaning: Hueber.