Textproduktion

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Texproduktion ist der Prozess der Sprachverwendung, dessen Ergebnis ein mündlicher oder schriftlicher Text ist. Voraussetzungen sind Sprachwissen, allgemeines und thematisches Wissen und Kenntnisse der formalen Voraussetzungen der Textgestaltung.

Texte im Sprachunterricht

Textproduktion wird sowohl durch reale Situationen (z.B. Gespräch, Brief) veranlasst oder entsteht – besonders im Sprachunterricht – aus gegebenen oder sich ergebenden Anlässen. Die im Sprachunterricht anzufertigenden Texte

können sein   dann   als
deskriptiv Pfeil.jpg werden in objektiver oder auch subjektiver Weise Ereignisse, Vorgänge, Personen oder
Gegenstände beschrieben
Pfeil.jpg Bericht
Schilderung


narrativ Pfeil.jpg wird über ein Geschehen, eine Person, Sache,
ein Bild in freier Gestaltung erzählt
Pfeil.jpg Erzählung/Geschichte
Bildgeschichte
Bericht


expositorisch Pfeil.jpg werden Vorgänge, Inhalte in ihrem Zusammenhang,
in ihrer Reihenfolge gegliedert, ggf. auch
erklärend dargestellt
Pfeil.jpg Gliederung/Protokoll
Inhaltsangabe
Zusammenfassung
Wiedergabe


kommentierend Pfeil.jpg werden Ereignisse, Handlungen, Texte erläutert, (kritisch) ausgelegt, mit perönlichen Anmerkungen versehen Pfeil.jpg Kommentar
Interpretation
Erklärung/Erläuterung


argumentativ Pfeil.jpg wird die Auseinandersetzung mit einem Thema mit Beweisen und stichhaltigen Gründen geführt Pfeil.jpg Meinungsäußerung
(Aufsatz)
Kommentar/Referat
Pro-/Contra-Diskussion


instruktiv Pfeil.jpg werden wissenswerte Informationen vermittelt Pfeil.jpg Gebrauchsanleitung,
Werbetext

Voraussetzungen

Sowohl für mündliche als auch schriftliche Textproduktion sind im Unterricht drei Bereiche zu berücksichtigen bzw. auszubilden, nämlich

  1. Bereich des Wissens, der sich nicht nur auf das Sprachwissen beschränkt, sondern auch thematisches Wissen und Wissen um die Adressaten und Text(sorten)wissen umfasst,
  2. Erkennen der Aufgabenstellung in Absicht und Zielen,
  3. Ausarbeitungsprozess, der für mündliche und schriftliche Textproduktion in gleicher Weise
    - die themenabhängige Planung, Material- und Gedankensammlung,
    - die Gliederung, das Formulieren und Überarbeiten einschließt.

Vorbereitung

Teilschritte des Ausarbeitungsprozesses müssen besonders geschult werden.
Materialsammlung: in Klassen-/Gruppenarbeit wird (im brain-storming) mit ungeordneter Sammlung der Stichpunkte/-wörter an der Tafel begonnen.
Gliederungsübungen folgen (Ordnung nach Zusammengehörigkeit, mind-mapping, in Tabellen etc.).


Beispiel: Thema: Ostern

  • Mind-Map (an der Tafel)
  • Tabelle (an der Tafel, im Heft)
Ursprung religiös Bedeutung heute
Jahreszeit Frühling Termin nicht fest
Familien Geschenke
Schulferien
Süßigkeiten
Reisen
Bräuche bei uns Osterhase überall?
besonderes Essen?
Ostereier
Lamm?

Schreibprozess

Der Schreibprozess verdient besonderes Augenmerk, da hier für gewöhnlich besondere Schwierigkeiten (nicht nur für ausländische Deutschlernende) vorhanden sind. Von intensiver Arbeit am Schreibprozess profitiert auch die mündliche Textproduktion.

Das Thema steht am Anfang, weitere Gedanken werden in logischer Reihenfolge entwickelt und die Sätze durch Konnektoren zum Text verknüpft. Zusammengehöriges wird zu Absätzen zusammengefasst. Abgeschlossen wird mit einer Schlussbemerkung oder -folgerung.

Wichtig ist die Absatzgestaltung. In der Regel ist jeder Absatz thematisch geschlossen und behandelt nur einen Gegenstand. Die Strukturierung von Absätzen in Einleitung – Entwicklung – Schlussfolgerung, die verknüpfende Funktion des ersten Satzes des jeweils folgenden Absatzes, sowie die logische und natürliche Entwicklung der Gedanken, ihre Unterstützung durch Beispiele, Details und/oder Begründungen kann zunächst an Textbeispielen gezeigt und danach in rezeptiven Übungen mit ungeordneten Sätzen geübt werden, die zu einem Absatz geordnet werden müssen (”Puzzle-Technik”).

Bei derartigen Übungen wird sehr schnell die wichtige Rolle der Konnektoren für die Textkohärenz, den Textzusammenhang deutlich. An originären Texten lassen sich deren Arten, Merkmale und ggf. spezifische Stellung im Satz demonstrieren und induktiv erarbeiten. Ihre Verwendung sollte in Aufgaben zur Erstellung kurzer Absätze geübt werden.

Überarbeitung

Es folgt die sprachliche und inhaltliche Überarbeitung. Im sprachlichen Teil sind sowohl die Wortwahl zu prüfen auf Aussageabsicht, Themen- und Adressatenadäquatheit, als auch die Satzverknüpfung, die morphologisch-syntaktisch Richtigkeit und nicht zu vergessen die Orthografie.

Bei der Überarbeitung des Inhalts muss das Thema/der Gegenstand der Äußerung im Hinblick auf Zweck, Zielgruppe und (relative) Vollständigkeit und Schlüssigkeit der Gedanken und Beispiele usw. sowie die Strukturierung der Darstellung überprüft werden. Erst nach einer solchen Revision kann die Endfassung erstellt werden.

Siehe auch

Brainstorming, Mind Map

Weblinks

Bibliographie

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Glaboniat, Manuela: Auf der Suche nach ”Objektivität”. Objektivierungsverfahren zur Benotung und Bewertung schriftlicher Textproduktionen. In: Fremdsprache Deutsch 1998/2, S. 20–23.
Graffmann, Heinrich / Timoxenco-Moura, Roseli: Wer weiß, wie man was schreibt? Die Arbeit mit Referenzen und Junktoren am Beispiel des Lehrbuchs Wer? Wie? Was? In: Zielsprache Deutsch 1/1996, S. 26–30.
Kast, Bernd/Jenkins, Eva-Maria (Mitarb.): Fertigkeit Schreiben. Fernstudieneinheit 12. München-Berlin, 1999.
Knorr, Dagmar: Informationsmanagement für wissenschaftliche Textproduktion. Tübingen 1998 (Reihe: Forum für Fachsprachenforschung Band 45).
Krischer, Barbara: Schlüsselkompetenz Schreiben. Überlegungen zum Textproduktionsprozess in Muttersprach- und Fremdsprache und Erläuterung von Übungsverfahren zur Förderunng der Schreibfertigkeit in L2. In: Zielsprache Deutsch, 31, 2000,2-3, S.11-19.
Schenk, Klaus: Die allmähliche Verfertigung der Texte beim Schreiben. Vorschläge zur Strukturierung von Schreibsitzungen. In: Beiträge zur Fremdsprachenvermittlung, 1998/34, S. 98–117.
Zettel, Evamaria: Briefe an Institutionen. Unterrichtsvorschläge für Deutsch als Fremdsprache. In: Beiträge zur Fremdsprachenvermittlung 1998/34, S. 77–97.