Unterrichtseinstieg

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Der Unterrichtseinstieg ist die erste von drei Unterrichtsphasen (Einstieg, Erarbeitung, Ergebnissicherung), die den Unterricht eröffnet und die Schüler in eine neue Thematik einführt. Dieser grenzt sich von der Stundeneröffnung ab, indem er auf didaktische Methoden zurückgreift und nicht nur auf Begrüßungsrituale beschränkt ist.


Grundfunktionen

Die Grundfunktionen des Unterrichtseinstiegs dienen dazu, dass sich den Schülern ein neues Thema erschließt. Ziel soll dabei sein, durch die Teilfunktionen – Interesse und Neugier - der Schüler zu wecken, um eine disziplinierte Arbeitsatmosphäre zu schaffen, die das Unterrichtsziel im Fokus hat.


Didaktische Aspekte

Der Didaktiker Hilbert Meyer (Meyer 1996: S. 129) benennt fünf Kriterien für einen guten Unterrichtseinstieg:

  1. Vermittlung eines Orientierungsrahmens.
  2. Einführung in zentrale Aspekte des neuen Themas.
  3. Anknüpfung an das Vorverständnis der Schüler.
  4. Disziplinierung der Schüler.
  5. Ermöglichung eines handelnden Umgangs mit dem neuen Thema.


Einstiegsmethoden

Die Unterrichtseinstiege kann man nach funktionalen Kriterien, der Lehrerzentriertheit, Schüleraktivität, Anschaulichkeit, Handlungsorientierung und kognitiver Ausrichtung klassifizieren. Die hier aufgelisteten Kategorien von Unterrichtseinstiegen sind, die von Hilbert Meyer (Meyer 1996: S. 134 ff).

konventionelle, lehrerzentrierte Unterrichtseinstiege:

  • übende Wiederholung: der Stoff der letzten Stunde wird mündlich wiederholt, es soll an ihn angeschlossen und fortgeführt werden. Ziel soll dabei sein, das Interesse der Schüler zu wecken.
  • Hausaufgabenkontrolle: ist nur sinnvoll, sofern Hausaufgaben so gestellt wurden, dass sie auf das neue Thema hinführen. Haben sie hingegen einen unmittelbaren Bezug zum Thema der Stunde, soll die Kontrolle außerhalb der Unterrichtsstunde stattfinden.
  • informierender Unterrichtseinstieg: Die Schüler werden vom Lehrer über die vorgesehenen Unterrichtsinhalte und den geplanten Verlauf in Kenntnis gesetzt werden. Dabei berichtet der Lehrer knapp und präzise, was das Thema der Stunde ist, was die Schüler tun und lernen sollen und welchen Nutzen sie aus der Einheit ziehen können.

sinnlich-anschauliche, aber kognitiv orientierte Unterrichtseinstiege:

  • Interview: Die Schüler können eingeladene Experten Fragen zum Thema stellen und mitteilen, was sie interessieren würde.
  • Reportage: Lehrer und/oder einige Schüler stellen das neue Thema beispielsweise in Form einer Zeitungs- oder Radioreportage dar, die sie einige Tage zuvor vorbereitet haben. Das Ziel soll es dabei sein die Neugier der Schüler zu wecken.
  • thematische Landkarte: diese schafft einen informativen Überblick über die Thematik und kann sehr gut an den Lernstand der Schüler angepasst werden.Sie schafft eine zeitgleiche zum Unterricht ablaufende Kontrollmöglichkeit, indem die Landkarte beispielsweise im Klassenzimmer aufhängt.
  • Cartoons, Karikaturen, Comics: dienen als stummer Impuls für den Beginn eines neuen Themas, das bei geeigneter Wahl provokativ, witzig und/oder ironisch auf den Punkt gebracht wird.
  • Lehrfilme: geben oft einen guten Einblick ins Thema. Lehrfilme müssen vor oder nach dem Anschauen mit den Schülern aufbereitet werden, da sie so gut wie nie auf den jeweiligen Lernvoraussetzungen der Schüler zugeschnitten sind.
  • Mind-Maps: optisch strukturierte Text-Bild-Darstellungen, die der visuellen und intuitiven Informationsaufnahme dienen.

Der zentrale Begriff (Thema) steht dabei in der Mitte, um ihn herum werden weitere Begriffe in einer Baumstruktur gruppiert. Sie eignen sich besonders gut, um Vorkenntnisse abzufragen oder in ein neues Thema einzuleiten. lehrergelenkte, aktivierende Unterrichtseinstiege

  • Einen Widerspruch konstruieren: Zu Anfang einer Stunde kann der Lehrer einen Widerspruch konstruieren, den die Schüler nicht sofort lösen können, sondern durch gezielte Frage und Neugier erfassen sollen.
  • Verrätseln: Es geht in erster Linie darum, die Schüler durch spielerische Weise zu motivieren, um ein neues Thema einzuführen. Hierbei haben die Schüler großen Spaß. Der Lehrer kann z.B. mit verschlüsselten Botschaften, Kreuzworträtseln oder Märchen und Mythen arbeiten. Die Schüler müssen ihre geistige Leistung und Selbsttätigkeit zum Lösen der Rätselaufgaben nutzen.
  • Provozieren: Bei der Provokation will der Lehrer die Schüler aus ihren gewohnten Denkweisen werfen und bereits vorhandene Annahmen und Sichtweisen zu dem Thema in Frage stellen.
  • Bluffen und Täuschen:Das Bluffen und Täuschen ist eine gesteigerte Form des Provozierens und zielt stark auf die Gefühle der Schüler ab. Hierbei will der Lehrer die Schüler absichtlich manipulieren und hereinlegen.

Da der Lehrer bei den Methoden der Verfremdung, der Provokation und dem Bluffen und Täuschen stark mit den Gefühlen der Schüler spielt, ist es wichtig, dass ein vertrautes Verhältnis zwischen dem Lehrer und den Schülern herrscht. Diese Methoden können bei den Schülern nämlich schnell zur Verärgerung führen.

schüleraktive Unterrichtseinstiege

  • Vorkenntnisse abfragen: Diese Form des Unterrichtseinstiegs wird oft von Lehrern genutzt. Dabei werden die Vorkenntnisse der Schüler zum Thema an die Tafel, in Form von Mind-Maps oder Stichpunkten festgehalten. Bei dieser Methode kann jedoch der Egalisierungseffekt auftreten, indem Schüler, die eine andere Einstellung zum Thema haben, ihren Beitrag unterdrücken. Sie könnten denken, dass ihre Einstellung zu dem Thema unangebracht oder unpassend sei.
  • Karteikarten-Spiel: hier sollen die Schüler ihre Vorkenntnisse zum neuen Thema auf Karteikarten schreiben. Die Karten werden dann von den Schülern an die Tafel geklebt, vorgelesen und geordnet. Die Ergebnisse können dann gemeinsam mit dem Lehrer besprochen werden.
  • Themenzentrierte Selbstdarstellung: Bei dieser Methode sollen die Schüler ihre Interessen oder Abneigungen, Erwartungen oder Wünsche zu dem neuen Thema mündlich, schriftlich, spielerisch oder bildnerisch darstellen. Mündlich kann dies zum Beispiel durch einen Kurzvortrag geschehen, schriftlich mit der Erarbeitung eines Aufsatzes, einer Collage oder Wandzeitung, spielerisch durch Rollenspiele oder Standbilder und bildnerisch anhand eines Selbstdarstellungsbogens.
  • Vergleichen und Kontrastieren: Hierbei können die Schüler mit Bildern und Fotos arbeiten, die vorher von dem Lehrer geschickt ausgewählt wurden. Die Bilder sollen einerseits die Thematik gut auffassen, andererseits sollen die Bilder die Vorkenntnisse und Interessen der Schüler ansprechen. Zusätzlich können die Schüler ihre Bilder auch benennen oder beschriften und dann mit den Bildern anderer Schüler vergleichen.
  • Sortieren/Auswählen/Entscheiden:Bei dieser Variante des Unterrichtseinstiegs erhalten die Schüler, aufgeteilt in Gruppen, alle den gleichen Arbeitsauftrag vom Lehrer. Sie sollen eine strukturierte Ordnung einer Unterrichtsstunde oder eines neuen Themas vornehmen. Sie müssen also eine sogenannte Gliederung erstellen, die in mehrere Kategorien unterteilt werden soll. Wichtig ist darauf zu achten, dass nicht zu viele, aber auch nicht zu wenig Kategorien erstellt werden.

Weblinks

Bibliographie

  • Greving, Johannes und Paradies, Liane: Unterrichts-Einstiege. Cornelsen-Scriptor, Berlin 1996
  • Meyer, Hilbert: Unterrichtsmethoden. II Praxisband. Cornelsen-Scriptor, Frankfurt am Main 1996
  • Brühne, Thomas und Sauerborn, Petra: Unterrichtseinstieg. Schneider Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler 2011