Unterrichtsplanung

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In der praxisorientierten Phase der Ausbildung von Studierenden für das Lehramt an Schulen, die meist dem Studium folgt (in Deutschland: Referendariat) wird Unterrichtsplanung als schriftliche Darstellung (Skizze) des Verlaufs einer Unterrichtsstunde verstanden. Eine solche Darstellung soll angehenden Lehrenden als Orientierung für den Ablauf des Unterrichts und als Instrument zur Analyse für die Nachbesprechung mit der/dem AusbilderIn dienen. Es liegt allerdings eine große Schwäche in diesen schriftlichen Festlegungen: Abweichungen vom schriftlich fixierten Unterrichtsplan, die durch das Eingehen auf besondere Situationen in der Unterrichtsgruppe, Fragen, Zeitverschiebungen usw. entstehen, führen zu oft unfairer Kritik durch Fachlehrer, die sich im Gegensatz zu den Auszubildenden vorher nicht schriftlich festlegen und daher sich auch nicht der vergleichenden Kritik stellen müssen.

Für Deutsch als Fremdsprache sind Unterrichtsplanungen in diesem Sinn nicht aktuell, da es aufgrund der gegenwärtigen Situation keine dem Referendariat entsprechende Ausbildung im Anschluss an das Studium gibt.

Verschiedene Planungsskizzen

Unterrichtsplanung ist hier als Skizze der Ergebnisse der Unterrichtsvorbereitung und als Hilfe (”Fahrplan”) für den inhaltlichen Ablauf des Unterricht zu sehen. Eine solche Planung ist nicht nur für Berufsanfänger, sondern auch für Lehrende mit langer Unterrichtserfahrung nützlich. Anfängern gibt sie eine gewisse Sicherheit, erfahrenen Lehrenden hilft sie (langweilige) Routine zu vermeiden. Allerdings sollte niemand meinen, eine einmal angefertigte Planungsskizze könne nun unverändert über Jahre immer wieder verwendet werden. Dies würde u.a. die notwendige Beachtung der für jede Lernergruppe anders gelagerten grundlegenden Faktoren (Gruppenzusammensetzung, Lernwünsche und -ziele usw.) gröblich vernachlässigen.

Lehrende werden ihre ganz individuellen Form der Skizzierung verwenden:

Planungsraster, das Problem (Einstieg, Thema, Text, Grammatik, Übungen o.a.) und mögliche Unterrichtsformen, Medieneinsatz, vielleicht auch noch geschätzten) Zeitaufwand enthält;
Diagramm-Schema, in dem Arbeitsformen (z.B. Plenum – Gruppenarbeit – Plenum), Thema mit Übungen und Aufgaben, Hinweise auf Materialverwendung (Buchtext, Übungen im Arbeitsbuch, Tonband, Video), Zeitbedarf eingetragen sind;
Grob-/Umrissplanung, die in knapper Form nur die wichtigsten Punkte des Unterrichtsablaufs festhält mit kurzen Hinweisen etwa auf Tafelbild, Medien und anschließende Übungen etc. oder nur
Spickzettel, die ohne Anmerkungen nur den allgemeinen Unterrichtsablauf in Stichwörtern enthalten.

Für all diese Planungshilfen gilt, dass sie die Gegebenheiten und Voraussetzungen der jeweiligen Unterrichtsgruppe berücksichtigen, das Lernziel klar zeigen und adäquate Portionierung des Stoffes und adäquates methodisches Vorgehen enthalten. Dabei sollten sie so einfach und übersichtlich wie möglich gestaltet sein, dass sie optisch rasche Information für die einzelnen Schritte liefern.

Weitere Hinweishilfen

Welche Art und Form der Planungsskizze auch immer gewählt und vorgezogen wird, enthalten sollte sie ausgehend vom zu behandelnden Stoff und den durch ihn definierten Lernzielen (mit individuellen Abweichungen) folgende Hinweise, die natürlich nach den jeweiligen Gegebenheiten variiert und nicht Angaben zu allen Punkten enthalten werden:

A. Wahl der ”Start”grundlage
a. Text(e)/Bild(er)
b. Lexik
c. Grammatik
B. Einstieg
a. Anknüpfen an die voraufgegangene Stunde oder
b. Brainstorming (”Was fällt zu ... ein?”)
c. Assoziogramm zu Thema, Schlüsselwort o.a.
C. Durchführung, Verknüpfung, Querverweise und Variation für
a.Text(e)
1. Lesen: Vorlesen durch Lehrende(n) – lautes/stilles Lesen und/oder
2. Fragen zum Text (Titel/Abschnitte usw.) bzw.
3. Gespräch über den Textinhalt oder
4. Analyse
b.Lexik
1. kontextuelle Einführung durch Lehrende(n) oder
2. Erarbeiten durch Lernende und
3. Übungen zur Lexik (Anwendung)
c. Grammatik
1. deduktive/induktive Einführung
2. Übungen zur Grammatik (Buchübungen/mediengesteuerte und/oder freie Anwendungsübungen)
d. Arbeitsformen für die einzelnen Teile
1. Lehrervortrag/-fragen
2. Schülervortrag/-fragen
3. Medieneinsatz
4. Plenum
5. Gruppenarbeit (Klein-/Großgruppen)
6. Stillarbeit
7. Gespräch/Diskussion u.a.
8. Projektarbeit
9. häusliche Arbeit
10. Korrektur
11. Auswertung
D. Festigung des Lernstoffes
1. schriftliche Möglichkeiten
2. mündliche Möglichkeiten
E. Abschluss
a. Zusammenfassung (möglichst durch Lernende selbst)
b. Stellung der Hausaufgaben (sofern nicht bei den einzelnen Teilen schon geschehen)

Weblinks

Uni Jena, Didaktik, Unterrichtsplanung http://www.didaktik.uni-jena.de/did_06/planen.htm
Wikipedia, Unterrichtsplanung http://de.wikipedia.org/wiki/Unterrichtsplanung
teachSam, Didaktik und Methodik, Unterrichtsplanung http://www.teachsam.de/ufa_methdid.htm
Lehrer-online, Felxible Unterrichtsplanung http://www.lehrer-online.de/395566.php

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