Unterrichtsverfahren

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Alles, was dazu beiträgt, Lernen auszulösen, zu erreichen und zu fördern ist dem Begriff Unterrichtsverfahren (oft auch als Unterrichtsmethoden bezeichnet) zuzuordnen. Auch die unterschiedlichen Arbeits- und Sozial- und Verhaltensformen sind ihnen zuzurechnen, da sie durch ihren ausgewählten und angemessenen Einsatz dazu beitragen, angestrebte Lernziele möglichst effektiv zu erreichen.

Rolle der Lehrenden

Auch wenn sich die Rolle der Lehrenden in den Unterrichtsverfahren verändert, darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die Grundlage allen Unterrichts (neben fundiertem Wissen, Geduld und Einfühlungsvermögen) die Fähigkeit der Lehrenden ist, Inhalte und Sachverhalte gut und verständlich erklären, darstellen und/oder zeigen und sie kompetent vormachen (d.h. für den Sprachunterricht: sie vorsprechen und vorschreiben) zu können.

Bei den Unterrichtsverfahren sind vor allem im Sprachunterricht für Anfänger durchaus jene Verfahren vorherrschend, bei denen Lehrende den Unterricht steuern und den Lernstoff vermitteln über den Lehrervortrag, das Vormachen/Vorsprechen und die gesteuerte Anwendung durch die Lernenden, deren Eigenleistung sich meist im reproduktiven Bereich hält. Eine Abwandlung oder Ergänzung dieses Verfahrens stellen die sog. Erarbeitungs- und die Impulsmethode dar.

Erarbeitungs- und Impulsmethode

Bei der Erarbeitungsmethode soll durch Fragen (der Lehrenden) und Antworten (der Lernenden) der neue Lernstoff erarbeitet werden; hier ist auf den Widerspruch aufmerksam zu machen, der darin liegt, dass meist nach etwas gefragt wird, was erst noch gelernt werden muss, über das die Lernenden also wohl kaum etwas werden sagen können.

Die Impulsmethode versucht über Anregungen, die von Materialien (Texte, Bilder, Gegenstände usw.) ausgehen, das Lernen in Gang zu setzen und zu steuern. Im richtigen Verhältnis zu den Vorkenntnissen der Lernenden eingesetzt, ist dieses Verfahren durchaus positiv zu sehen.

Vorherrschend bei diesen Verfahren ist die Dominanz der Lehrenden mit den damit verbundenen Verhaltensweisen (oft autoritär, auf jeden Fall bestimmend, lenkend, leitend usw.) und die Arbeitsform des Frontalunterrichts.

Lernerorientierte Methode

In neuerer Zeit wird sowohl im Sprachunterricht für Anfänger als auch fortgeschrittene Anfänger und besonders im Sprachunterricht für Fortgeschrittene der Beteiligung der Lernenden an der Steuerung des Lernprozesses ein größeres Gewicht beigemessen, von kooperativen bis hin zu selbstbestimmten und selbstverantworteten (autonomen) Lernverfahren. Selbstbestimmtes Lernen heißt aber keineswegs, dass Lernende nur das lernen, was ihnen Spaß macht, sondern dass sie im Rahmen des Lernstoffes bei dessen Erarbeitung die Wahl der Arbeits- und Sozialformen, der -mittel und -wege und die Präsentation der Ergebnisse selbst bestimmen und die Verantwortung dafür tragen.

Diese lernerorientierten Verfahren verlangen auch eine veränderte Rolle der Lehrenden: partnerschaftliches Verhalten, das Lehrenden eine mehr anregende, beratende und helfende Rolle zuweist. Dazu gehört auch, den Lernenden alle notwendigen Arbeitsmittel und Arbeitssysteme zugänglich und benutzbar zu machen: von Printmedien (Lehrbücher, Nachschlagewerke, Lernprogramme usw.) über Lernprogramme des computerunterstützten Lernens bis hin zum Medienverbund (CALL, Hypermedien, Hypertext).

Zu den kooperativen, lernerbeteiligten Verfahren sind neben handlungsorientiertem Lernen das problemorientierte Lernen mit seiner Variante des entdeckenden/ forschenden Lernens zu rechnen. Dieses Verfahren findet sich häufig im Bereich des landeskundlichen Lernens (”erlebte Landeskunde”). Auch situatives und simulatives Lernen (Simulation) gehören zu diesen Unterrichtsverfahren.

Tandemverfahren

Das selbstgesteuerte Lernen orientiert sich an den Interessen der Lernenden. Durch seine von den Lernenden selbst zu gestaltende Arbeitsorganisation ist es in allen Phasen kommunikativ, kooperativ und offen. Zu diesen Unterrichtsverfahren sind neben der Projektarbeit noch die differenzierte Arbeit, bei der sich informative Phasen mit selbstverantwortlichem und selbstgesteuertem Lernen abwechseln, Tutorienarbeit, bei der ein Lernender den anderen anregt, berät und steuert (auch gegenseitig im Tandem, Methoden des Fremdsprachenunterrichts) und die freie Arbeit, bei der der einzelne Lernende seine Arbeit von Inhalt, Verfahren, Materialien und Wegen in eigener Verantwortung völlig selbstständig bestimmt.

Sozialformen

Für all diese Unterrichtsverfahren sind Partnerarbeit, Gruppenarbeit (arbeitsgleich, also gemeinsame Arbeiten, oder arbeitsteilig, d.h. Aufteilung der Arbeit mit folgender gemeinsamer Ergebniszusammenstellung), integrierte Einzelarbeit, Spiele (Lernspiele, Plan-, Rollenspiele) sowie Simulationen kennzeichnend. Frontalunterricht mit Dominanz von Lehrenden ist ausgeschlossen, Lehrende übernehmen die Rolle des beratenden Beobachters.

Vorteile

Der Vorteil derartiger Arbeitsverfahren, die natürlich nicht ständig eingesetzt werden können und die keineswegs herkömmliche Verfahren ersetzen und ausschließen, liegen in stärkerer Motivation und Effizienz, da der ”Gebrauchswert” des Unterrichts sichtbar wird: die zu lernende Sprache erweist sich als Verständigungsmittel; sie hilft, erkannte Schwierigkeiten zu artikulieren, zu lösen und über gemeinsames Üben und Anwenden die Fähigkeit zur Kommunikation in der Zielsprache zu verbessern und zu erweitern.

Siehe auch

Moderation, Rollenspiel, Spiele, szenisches Spiel

Weblinks

Bibliographie

Aebli, Hans: Grundformen des Lehrens. Eine Allgemeine Didaktik auf psychologischer Grundlage. 3. Auflage, Stuttgart 1995.
Aebli, Hans: Zwölf Grundformen des Lehrens. Eine Allgemeine Didaktik auf psychologischer Grundlage.
Medien und Inhalte didaktischer Kommunikation, der Lernzyklus. 9. Auflage, Stuttgart 1997.
Bönsch, Manfred: Variable Lernwege. Ein Lehrbuch der Unterrichtsmethoden. Paderborn 1995.
Fremdsprache Deutsch, Sondernummer: Autonomes Lernen. 1996.
Piepho, Hans-Eberhard: Sozialformen: Überblick. In: Bausch, Karl-Richard et al. (Hrsg.): Handbuch Fremdsprachenunterricht. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage, Tübingen und Basel 1995, S. 201–204.
Reif, Leopold / Friedemann, Hans-Jürgen: Einzelunterricht und Kleingruppenunterricht. In: Bausch, Karl- Richard et al. (Hrsg.): Handbuch Fremdsprachenunterricht. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage, Tübingen und Basel 1995, S. 209–211.
Schwerdtfeger, Inge Christine: Gruppenunterricht und Partnerarbeit. In: Bausch, Karl-Richard et al. (Hrsg.): Handbuch Fremdsprachenunterricht. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage, Tübingen und Basel 1995, S. 206–208.
Walter, Gertrud: Frontalunterricht. In: Bausch, Karl-Richard et al. (Hrsg.): Handbuch Fremdsprachenunterricht. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage, Tübingen und Basel 1995, S. 204–206.