Video

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Video: Kurzwort für alles, was mit Videotechnik zu tun hat. Wird für alle technischen Geräte, Anlagen, Materialien, Verfahren usw. zur magnetischen Aufzeichnung von Bild/Ton/Schrift und deren Wiedergabe über ein Fernsehgerät oder auch einen PC verwendet.

Zur Grundausstattung unter Beachtung von Kompatibilität der Kassettensysteme und Fernsehnormen (VHS, Beta, PAL, SECAM usw.) gehören für den nur reproduktiven Einsatz ein Video-Rekorder (für Wiedergabe, aber auch Aufnahme von Fernsehsendungen) und ein Monitor (= Fernsehgerät). Für den produktiven Gebrauch sollte neben dem Rekorder eine Videocamera (Camcorder) für eigene Aufnahmen (z.B. Erstellung von Filmen im Unterricht, Unterrichtsmitschnitte) vorhanden sein. Zwei miteinander verbundene Videorekorder erlauben das Kopieren von Videobändern und ggf. auch Nachbearbeitung von Filmen für Unterrichtszwecke.

Im Unterricht hat Video mehr und mehr den Platz von Film (und Filmvorführapparaten) eingenommen aufgrund seiner vielseitigen und technisch überlegeneren Möglichkeiten.

Video ist schneller einsatzbereit, weil es keine aufwendigen Vorbereitungen wie für eine Filmvorführung erfordert (Aufbau des Projektors, der Leinwand, ggf. Raumverdunklung). Es ist bedienungsfreundlich, über Fernbedienung zu steuern. Schneller Vor- und Rücklauf bieten die Möglichkeit zu raschem Wiederaufgreifen oder Wechsel von Sequenzen aus didaktischen Gründen (Hör-Seh-Verstehen, Sprechen über ausgewählte visuelle, verbale oder nonverbale Einzelheiten). Standbild, Zeitlupe und -raffer, Ton- und Bildabschaltung erlauben Einzelbildbetrachtung, genauere Betrachtung von Vorgängen, Gestik oder Mimik, ton- oder bildgeführtes Arbeiten mit Hypothesenbildung, Spekulationen über den weiteren Verlauf oder kreative Neufassung des Sprachteils.

Videos sind aufgrund ihres Bezuges zu allgemeinen Informationen durch Bilder und authentisch gesprochener Sprache eine motivierende Hilfe im Sprachunterricht. Sie dürfen aber nicht zum Selbstzweck werden, sondern müssen immer dem Spracherwerb und der Sprachproduktion der Lernenden dienen. Neben dieses sprachliche Lernziel tritt das landeskundliche mit seinen vielen Bereichen.

Bei der Auswahl von Videos für den Unterricht müssen nicht nur die Lernenden, ihr Alter, das Niveau ihres Sprach- und Wissenstands und die Lern- und Lehrziele berücksichtigt werden, sondern auch die ggf. andersartige Rezeption dieses Mediums und seiner Mitteilungen durch die Lernenden. Neben dem Zeitaufwand, der dem allgemeinen Unterricht angepasst sein muss, sind nicht weniger wichtig auch der Ort und die Institution, wo der Unterricht stattfindet, da sich daraus thematische und inhaltliche Einschränkungen ergeben können.

Als Material werden einerseits für den DaF-Unterricht vorgefertigte Videos, andererseits originale Spielfilme, Mitschnitte von unterschiedlichen Fernsehsendungen (Filme, Nachrichten, Magazine, Kultur- und Wirtschaftssendungen etc.) im Unterricht verwendet. Die Technik des Mitschnitts ist dank der Satellitenübertragung fast überall möglich, wirft allerdings mitunter urheberrechtliche Probleme auf.

Die für DaF professionell angefertigten Videos sind sehr häufig auf bestimmte Lehrwerke und Zielgruppen bezogene Produktionen. Ihr sprachlicher und informativer Inhalt sowie ggf. dazugehörige Übungssequenzen werden durch diese Lehrwerk bestimmt. Werden sie außerhalb ihres ursprünglichen Rahmens verwendet, verlangt dies ihre Adaption an die jeweilige andere Unterrichtsgrundlage.

Beliebt sind Spielfilme und Mitschnitte aus dem Fernsehen. Sie sind aber oft zu lang, als dass sie in voller Länge im Unterricht bearbeitet werden könnten. Gleiches gilt auch für Nachrichten, Magazine und andere Sendungen. Hier muss unter Lernerund Lehrzielbezug ausgewählt, gekürzt und die Auswahl ggf. auch wieder in in sich geschlossenen Sequenzen behandelt werden. Nur das, was in den Unterricht sinnvoll integriert ist und überschaubar bleibt, motiviert Lernende beim Spracherwerb zur aktiven Sprachverwendung.

Spielfilme, wenn sie in voller Länge gezeigt werden, werden meist als unterhaltsame Abwechslung empfunden. Sie ermüden und demotivieren sehr häufig Lernende, weil sich die Rezeptionsfähigkeit für die Fremdprache durch die Bilderflut rasch erschöpft. Es sind auch oft zu viele Aufgaben gleichzeitig während der Präsentation des Films zu lösen, was die Lernenden überfordert. Obendrein besteht die Gefahr, dass Lehrende filmanalytische, und -ästethische Probleme bzw. die Erziehung zur kritischen Filmbetrachtung in den Vordergrund ihres Unterrichts stellen. Sie nehmen dabei oft keine Rücksicht auf Sprach- und Sehverstehen und den Umfang der Fähigkeit zur Sprachanwendung der Lernenden und, was gravierender ist, auf deren kulturabhängige möglicherweise andere Art der Filmrezeption. Sicher ist dieser Teilbereich der Filmarbeit ein anregender Sprechanlass für fortgeschrittene Lernende, doch darf er den Unterricht nicht beherrschen.

Für die Arbeit mit Videos ist neben der Aufteilung eines Filmes bzw. eines Ausschnittes, in Sequenzen, die in sich geschlossen sind, die Arbeit vor, während und nach der Vorführung zu planen und die Aufgaben sind verständlich zu beschreiben.

Vor der Vorführung kann eine Vorbereitung und Vorentlastung erfolgen durch

  1. Assoziogramme zum Thema, die ggf. durch Schlüsselwörter ergänzt werden,
  2. Schlüsselwörter als Vorgabe,
  3. Bildmaterial zum Thema: Einzelbilder oder kurze Bildreihen, die nicht unbedingt dem Film entnommen sein müssen, über die eine Annäherung an den Filminhalt möglich wird,
  4. schriftliche Vorgaben (kurze Inhaltsangabe durch den Ankündigungstext aus einer Programmzeitschrift, Stichwörter zur vorgreifenden mündlichen Spekulation über den Inhalt usw.),
  5. Vorführung des Videos ohne Ton a) zur Einführung in den Handlungsablauf, b) zur Handlungsbeschreibung oder c) zur gemeinsamen Erarbeitung eines (hypothetischen) Textes (Dialoge, Beschreibung, Kommentar usw. – je nach Vorlage), ggf. schriftliche Fixierung zum späteren Vergleich mit dem tatsächlichen Text).

Aufgaben, die als Arbeit während der Vorführung gestellt werden, dürfen nicht von der Rezeption von Ton und Bild ablenken. Sie sollten ggf. für Arbeitsgruppen aufgeteilt werden. Es bieten sich an Aufgaben zur

  1. Erfassung der Handlung, Hinweis auf den allgemeinen Ablauf, evtl. Brüche, Art des Endes,
  2. Zusammenfassung oder Wiedergabe des Textes,
  3. Notierung von sprachlichen Auffälligkeiten oder Besonderheiten (Grammatik, Lexik, Register),
  4. Sammlung landeskundlicher Informationen (im weitesten Sinn),
  5. Diskussion über gestalterische Erscheinungen (z.B. Aufnahmetechnik, Licht – Schatten, Bild – Ton (Sprache und Musik), Gestik und Mimik).

Wie weit hierzu schriftliche Vorgaben (Tabellen, Raster usw.) oder gar Aufgabenblätter erstellt und ausgegeben werden, muss von Fall zu Fall entschieden werden. Beim erstmaligen Sehen und Hören eines Videos könnten sie die Aufmerksamkeit zu sehr ablenken, selbst wenn sich die Lernenden vorher in einer Lesephase mit ihnen vertraut machen konnten.

Als Aufgaben nach der Vorführung sind denkbar

  1. Auswertung der Sequenzen zur Sprach- und Textproduktion: Inhaltszusammenfassung und -wiedergabe (mündlich/schriftlich), Fortsetzung oder Ende erfinden (vor allem bei offenem Ende), Personen beschreiben, Kritik schreiben usw.,
  2. Aufgaben zu Grammatik und Wortschatz (mit Arbeitsblättern), Zusammenstellung themenspezifischen Wortschatzes, dies u.a. bei fachsprachlicher Orientierung des vorgeführten Materials,
  3. Auseinandersetzung mit Artikulation und Aussprache (ggf. mit Ausspracheübungen);
  4. Beschäftigung mit einzelnen wichtigen, auch landeskundlichen, Informationen, deren Erweiterung (ggf. Projektarbeit),
  5. Beschäftigung mit Gestik, Mimik und Sprache und ggf. Vergleich mit dem entsprechenden eigenen nonverbalen Verhalten,
  6. kritische Äußerungen zu Inhalt und Gestaltung,
  7. Gestaltung eines eigenen thematisch ähnlichen Videos (Projektarbeit): zunächst Produktion eines erzählenden, berichtenden usw. Textes, dessen Umgestaltung in ein Drehbuch und anschließend (wenn dazu die Möglichkeiten bestehen) Produktion eines eigenen Videos, wodurch Sprachanwendung synchron mit adäquater Gestik und Mimik gefordert sind. Allerdings ist dies eine sehr zeitaufwendige Arbeit, die vielleicht als Projekt in einer Arbeitsgruppe zusätzlich zum Unterricht durchgeführt werden kann.

Natürlich sind dies nur Hinweise darauf, was (in Auswahl) mit Videos gemacht kann. Für jede Lernergruppe werden andere Vorgehensweisen und Arbeitsaufgaben erforderlich sein. Auch werden die Lernenden eigene Vorschläge in die Arbeit einbringen.

Weblinks

Bibliographie

Brandi, Marie-Luise, unter Mitarbeit von Dieter Arnsdorf: Video im Deutschunterricht. Eine Übungstypologie zur Arbeit mit fiktionalen und dokumentarischen Filmsequenzen. (Fernstudieneinheit 13), Langenscheidt, München 1996. [Mit Quellenangaben und Angabe von Bezugsmöglichkeiten für Videos und Begleitmaterial]
Bufe, Wolfgang: Der Einsatz der Videokamera im interkulturellen Fremdsprachenunterricht. In: Jung, Udo O.H. (Hrsg.): Praktische Handreichung für Fremdsprachenlehrer. Frankfurt am Main 1992, S. 199–213.
Cooper, Richard / Lavery, Mike / Rinvolucri, Mario: Video. Oxford 1991.
Dobra, F. / Freitag, A.: Video im Überblick. Eine Bibliographie. In: Deutsch als Fremdsprache 27, 1/1990, S. 45–53.
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Esselborn, K.: Neue Beurteilungskriterien für audiovisuelle Lehrmaterialien. In: ZD 2/1991, S. 64–78.
Heidecker, Berit: Video. In: Henrici, Gerd et al. (Hrsg.): Einführung in die Didaktik des Unterrichts Deutsch als Fremdsprache mit Videobeispielen, Band 2. Baltmannsweiler 1994, S. 437–452.
Kühn, Olaf: Vom Sehen plus Hören zum Sprechen. Zu den Chancen des Videoeinsatzes im Französischunterricht. Kopäd 1998.
Raasch, Albert: Arbeiten mit Video. In: Jung, Udo O.H. (Hrsg.): Praktische Handreichung für Fremdsprachenlehrer. Frankfurt am Main 1992, S. 189–198.
Röllecke, Renate: Vom medialen Ersatzlehrer zum Diskussionsanlass. Dokumentarische Filme und audiovisuelle Rezeptionskompetenz im Fremdsprachenunterricht. In: Info DaF, 1991/4, S. 405–419.
Stempleski, Susan / Tomalin, Barry: Video in Action. Recipes for Using Video in Language Teaching. New York 1990.
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Watts, Catherine: Learning with video. Using video in the language classroom. In: Zielsprache Englisch 27/1997/2, S. 22–27.
Wehage, Franz-Joseph: Einsatz von Videos im DaF-Unterricht aus US-amerikanischer Sicht. In: Info DaF 24/1997/4, S. 523–529.