Wörternetze

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Definition

Die Wörternetz-Strategie beschreibt ein mehrstufiges Verfahren aus Speicher- und Abrufstrategien, welche das Wörterlernen unterstützen und das langfristige Abspeichern möglichst vieler Wörter durch geeignete Vernetzungstechniken ermöglichen soll. Entwickelt wurde diese Strategie auf der Basis der Repräsentations- und Ordnungsformen des mentalen Lexikons zur Semantisierung neuer Vokabeln im Fremdsprachenunterricht. Der gewählte Begriff „Wörternetz“ lehnt sich dabei an die Begriffe word web und word net an.

Das Grundprinzip dieser Strategie gestaltet sich so, dass eine beliebige Anzahl von Begriffen netzwerkartig auf ein Papier gebracht wird. Diese Begriffe werden im Anschluss durch Linien miteinander verbunden und somit in Relation zueinander gesetzt. Dabei plant der Lernende das Wörternetz sowie alle dazugehörigen Konstruktionsschritte individuell.

Drei Schritte zur Erstellung eines Wörternetzes

Die Erstellung von Wörternetzen durch den Lernenden erfolgt grundsätzlich in drei Konstruktionsschritte:

Schritt 1: Wörter ordnen

Im ersten Schritt werden die Wörter von den Lernenden geordnet. Dies geschieht nach den innersprachlichen lexikalisch-semantischen Ordnungsprinzipien des mentalen Lexikons. Die Wörter, welche zuvor beispielsweise durch eine Liste vorgegeben waren, werden in verschiedenen Farben unterstrichen (jeweils eine Farbe für jede der sieben Kategorien oben stehenden Kategorien). Dabei werden die Wörter, die zu einem Teilnetz gehören, jeweils mit derselben Farbe kenntlich gemacht, sodass die Zusammengehörigkeit im Teilnetz deutlich wird. Bei der Konstruktion können somit bis zu sieben innersprachliche Teilnetze entstehen. Alternativ können die Wörter auf Wortkärtchen notiert und anschließend ihren jeweiligen Teilnetzen entsprechend zugeordnet werden

Schritt 2: Erstellen von Teilnetzen

Im Anschluss werden die Teilnetze erstellt, nachdem die Wörter auf der Wortliste oder auf den Wortkärtchen farblich nach Ordnungsstrategien geordnet wurden. Die so entstandenen Teilnetze werden auf ein großes Blatt Papier übertragen und räumlich angeordnet. Insgesamt kann man sieben Teilnetze unterscheiden: das Sachnetz, das Begriffsnetz, das Merkmalsnetz, das syntagmatische Netz, das Wortfamiliennetz, das Klangnetz, das affektive Netz.

Schritt 3: visuelle Ausarbeitung

Abschließend folgt die visuelle Ausarbeitung der Wörternetze. Dabei werden die einzelnen Wörter durch Linien so miteinander verbunden, dass für den Lernenden eine sinnvolle Konstruktion entsteht. Das Verbinden erfolgt sowohl innerhalb der einzelnen Teilnetze, als auch zwischen ihnen, sodass eine weitübergreifende Vernetzung möglich/sichtbar wird.

Eine Elaboration von Wörternetzen kann auf vielerlei Wegen erfolgen. So können beispielsweise wichtige Wörter im Netz mit Hilfe von Umrahmungen (Kreise, Kästchen), durch das Variieren von Buchstaben (Groß-/Kleinschreibung, normal/kursiv/fett), durch Hinzunahme von kleinen Zeichnungen oder durch das Einbringen von Farbe gekennzeichnet sein können. Dabei bestehen die Knoten aus Einzelwörtern oder Wortgruppen. Wortverbindungen werden hingegen weitestgehend durch dickere Verbindungslinien und durch die Hinzunahme von Symbolen, wie beispielsweise das Gleichheitszeichen zur Kenntlichmachung von Synonymen, hervorgehoben. Auf diese Weise wird eine Verbindung zu bereits bestehenden Assoziationen des individuellen mentalen Lexikons geschaffen, sodass der Lerner die neuen Wörter besser in seinen Wortschatz integrieren kann.

Nutzen und Notwendigkeit von Wörternetzen

Einer Umfrage bei 453 Berliner Französischschülern zufolge [ vgl. Christiane Neveling, Wörterlernen mit Wörternetzen – eine kognitiv-affektive Strategie] wird das Vokabellernen als monoton, langweilig und lästig empfunden und dadurch negativ konnotiert, was einen Mangel an Effektivität beim Vokabellernen zur Folge hat. Außerdem ist ein Vokabellernen durch Vokabellisten angesichts der Tatsache, dass Emotionen und Kognitionen eine für das Lernen erhebliche Relevanz aufweisen, als nicht ausreichend zu bewerten.

Hinzu kommt, dass sich das mentale Lexikon im fortschreitenden Lernprozess zunehmend individualisiert, sodass auch das Lernen neuer Wörter zunehmend individuell gestaltet sein muss.

Die Wörterstrategie ist ein Ansatz zur Lösung dieser Probleme, denn sie garantiert einen erfolgreichen und vor allem langfristigen lexikalischen Speicherprozess.

Vermittlung der Wörternetz-Strategie

Die Vermittlung der Wörternetz-Strategie für die Schülerinnen und Schüler findet prinzipiell in vier Phasen statt:

Phase I : Aufzeigen vorhandener Strategien

Die Schülerinnen und Schüler werden für die neue Strategie und deren Erwerb sensibilisiert. Anschließend ermittelt die Lehrperson den Kenntnisstand der Gruppe. Dies kann mittels einer Diskussion oder auch mit Hilfe von Fragebögen geschehen.

Phase II: Einführung der neuen Strategie

In der 2. Phase ist es die Aufgabe der Lehrperson, der Klasse die Funktionsweise und den Nutzen der neuen Strategie näherzubringen. Hierzu gehört auch das Erklären der drei Schritte zur Erstellung eines Wörternetzes. Dabei ist es wichtig, dass der Lehrer / die Lehrerin die Wörter zur Einführung vorselektiert, sie also nach den sieben Kategorien des mentalen Lexikons ordnet. Dies hilft den Schülerinnen und Schülern die neue Strategie schneller zu verstehen und anschließend anzuwenden. Anschließend sollen die Schüler versuchen weitere Wörter (, zum Beispiel aus dem Lehrbuch,) selbst in die sieben Kategorien zu ordnen und sie zu einem Wörternetz zusammenzufassen. Je nach Alter und Lernstand der Gruppe müssen die Erwartungen und Anforderungen dabei differenziert werden.

Phase III: Wiederholen und Abrufen der Wörter

Während der dritten Phase werden die individuell erstellten Netze rekonstruiert und diskutiert um das Erlernte zu festigen. Zudem kann es hilfreich sein die Strategie bei verschiedenen Texten mit unterschiedlichen Aufgabenstellungen zu wiederholen, sodass die Schülerinnen und Schüler zunehmend autonom arbeiten. Dabei entscheiden sie selbst, welche bereits gelernten Wörter aus älteren Texten sie in die neuen Wörternetze mit einbringen möchten. Dies bewirkt eine zunehmende Individualisierung der Wörternetze.

Phase IV: Diskussion

In der letzten Phase werten die Schülerinnen und Schüler ihre Erfahrungen mit der Wörternetz-Strategie aus und evaluieren sie.


Literatur

  • Neveling, Christiane (2004): Wörterlernen mit Wörternetzen. Eine Untersuchung zu Wörternetzen als Lernstrategie und als Forschungsverfahren. (Giessener Beiträge zur Fremdsprachendidaktik). Tübingen: Gunther Narr.
  • Neveling, Christiane (2007): „Lernstrategie: Wörternetze“. In: Der Fremdsprachliche Unterricht Französisch 90. 2-9.