Zeitungstexte

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Zeitung ist ein Presseerzeugnis, das in regelmäßiger Folge, meist täglich, erscheint. Sie ist als Teil der Presse (zu der Wochen-, Monats-, Vierteljahreszeitschriften, Illustrierte, Programm-, Mode-, Frauen-, Jugend- und auch Fachzeitschriften etc. zu zählen sind) zusammen mit Rundfunk, Fernsehen, Film etc. eines der Massenkommunikatonsmittel.

Die verstärkte Beschäftigung mit Zeitungstexten d.h. Texten aus allen genannten Presseerzeugnissen im Fremdsprachenunterricht kann z.T. als Reaktion auf die angenommene Vorherrschaft literarischer Texte oder von ausdrücklich für den Sprachunterricht konzipierten Texten gesehen werden. Vorschnell und oft unreflektiert wurden (und werden manchmal noch) diese Texte meist abwertend als nicht-authentisch, Zeitungstexte hingegen als authentisch bezeichnet. Unterstützt wurde diese Tendenz wohl auch noch durch die Meinung, dass Zeitungstexte das Lernziel kommunikative Kompetenz durch einen Unterricht, der von aktuellen Themen bestimmt wurde, leichter erreichbar zu machen schien.

Zeitungstexte sind als Arbeitsmaterial für alle Zielgruppen geeignet. Entscheidend für die Auswahl von Zeitungen und Zeitungstexten ist die Interessenlage der jeweiligen Zielgruppe und deren Kenntnisstand. Sie bestimmen Zweck der Beschäftigung und Ziel der Arbeit mit Material aus Zeitungen und didaktisch-methodische Überlegungen.

Zweck der Arbeit mit Zeitungstexten ist sowohl die Entnahme von Sachinformationen (allgemein aktueller, als auch landeskundlicher oder fachspezifischer Art) als auch Erweiterung von Sprachkompetenz.

Die Zielvorstellungen für die Arbeit mit Zeitungstexten sind unterschiedlich (und manchmal auch vage): Einführung in ”Wesen und Aufbau der Presse”, Prüfungsvorbereitung, Verbesserung der Textsortenkenntnis, Erlernen einer spezifischen Zeitungssprache usw.

Konkrete Ziele der Arbeit mit Zeitungstexten sind:

  • Aktualisierung und Verbesserung der Ausdrucksfähigkeit durch Kontakt mit sprachlichen Mitteln (z.B. Konnektoren, Konjunktiv) eines Ausschnitts der öffentlichen Gegenwartssprache und deren Veränderungen (etwa in Lexik und Grammatik),
  • Entnahme landeskundlicher Informationen, die Einblicke in Entwicklungen und Entwicklungstendenzen auf den verschiedensten Gebieten erlauben (z.B. Bildung, Kultur, Wissenschaft und Technik),
  • gezielte Wissenserweiterung durch (fach)spezifische Informationen, die für eigene Tätigkeit nützlich sind,
  • Erhöhung der Lektürekapazität durch spezielle Lesetechniken, deren Erwerb unterstützt wird durch den Aufbau von Zeitungsartikeln (Titelzeile – Untertitelzeile – wichtigste Information – Ausführung – Schlussfolgerungen, oder durch die Abfolge: Thema – Behauptung – Grund – Beispiel(e) – Ergebnis),
  • Hilfe durch den äußeren und inneren Aufbau der Artikel für zu erlernende Technik der Anfertigung eigener Schreibprodukte,
  • Förderung und Verbesserung der Fähigkeit, über Probleme zu sprechen, zu diskutieren und sie zu vergleichen.

Die Arbeit an einem Zeitungstext beginnt mit der Aktivierung von Vorwissen und Hypothesen zum Inhalt, ausgelöst durch Titelzeile und Untertitel. Danach folgt eine erste Stufe des Textverstehens u.a. durch das Suchen nach Schlüsselwörtern/-sätzen im ersten Informationsblock. Eine Vertiefung schließt sich an durch das Ergänzen bisher gewonnener Informationen durch weitere aus dem Hauptteil. Dabei müssen Lesetechniken angewendet werden, die vom selektiven, über orientierendes zum genauen Lesen führen. Allerdings ist zu bedenken, dass im Normalfall auch ein muttersprachlicher Leser niemals einen Zeitungstext ”genau”, also bis ins allerkleinste Detail liest. Begleitet wird die Lesearbeit durch eine Fragetechnik, die sich die ”Journalistenfragen” (die ”6 Ws”: wer? was? wann? wo? wie? warum?) zu Nutze macht. Bei der Bearbeitung/Verarbeitung des Gesamttextes in Übungen und Aufgaben sollten solche Vorrang haben, an denen das Textverstehen erprobt wird (Erkennen der Funktion bestimmter Sprachmittel, kontextuelles Erschließen von Lexik, Aussagen (sinngemäß) wieder finden, Vertändnisfragen zu Kernstellen, Zwischenüberschriften finden usw.) und vor allem aber die, die Äußerungen über den Inhalt erlauben und ggf. darüber, wie die Darstellung durch äußere Faktoren (Situation im Land, Einstellung des Journalisten oder die Tendenz des Presseerzeugnisses usw.) beeinflusst ist oder werden kann.

Der Vergleich mit Texten aus Zeitungen des Landes der Lernenden bietet sich an, was ggf. zu Übersetzungsübungen und Vergleichen im Sprachlichen, aber auch Behandlung der (unterschiedlichen) Faktoren führen kann, die die Arbeit der Presse und ihre Berichterstattung kennzeichnen.

Nicht übersehen werden sollten die Möglichkeiten von Fotos, Zeichnungen, Grafiken und Karikaturen. Außer illustrativer oder ästhetischer Funktion tragen sie auch zur Erschließung von Textinhalten bei und liefern Informationen über das Land ähnlich wie Werbung, Kleinanzeigen oder Leserbriefe. Karikaturen vor allem sollten nicht allein Anlass zur Beschreibung sein, sondern zur sprachlichen Auseinandersetzung etwa über die Verbindung von Motiv und Anlass, die Sicht des Karikaturisten und die von ihm beabsichtigte Wirkung. Auch können die ästhetische oder politische Dimension von Karikaturen (z.B. Gestaltungs-/Stilmittel, Sexismus, Intoleranz), ihre Einbettung in die Kultur des Landes behandelt und Vergleiche mit der Kultur der Karikatur im eigenen Land angestellt werden.

Zeitungstextarbeit kann produktiv über die übliche Wiedergabe/Zusammenfassung des Inhalts ausgeweitet werden u.a. durch Schreiben von Leserbriefen (als Stellungnahme und Meinungsäußerung), durch Erstellung eigener Zeitungsartikel oder gar Zeitungen (Klassen-/Schulzeitung), deren Austausch mit Partnerklassen und ggf. auch Übermittlung originaler Zeitungsausschnitte bzw. ganzer Seiten über Fax oder E-Mail. Neue Techniken (Internet) ermöglichen (sofern die Voraussetzungen gegeben sind) den Zugriff auf ganze ‘tagesfrische‘ Zeitungen, sodass der neueste Informationsstand in den Unterricht einbezogen und zudem aktiv die Zielsprache unter aktuellen Aspekten angewendet werden kann. Fast alle Zeitungen verfügen inzwischen über eine eigene Homepage mit entsprechenden Textangeboten, die ständig aktualisiert werden.

Weblinks

Bibliographie

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Schmitz, Werner / Martelly, Ingola: Wirtschaft – aus der Zeitung. Klett Edition Deutsch, München 1993.
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